Stand: 07.05.2019 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

In der vergangenen Woche veröffentlichte der World Gold Council (WGC) seinen Quartalsbericht „Gold Demand Trends“, der wichtige Hinweise auf die aktuelle Entwicklung der physischen Nachfrage lieferte und daher an den Goldmärkten mit Argusaugen inspiziert wurde.

Notenbanken bleiben in Kauflaune

Gegenüber der vergleichbaren Vorjahresperiode hat sich die Goldnachfrage von Januar bis März signifikant belebt und in einem Zuwachs von 984,2 auf 1.053,3 Tonnen (+7,0 Prozent) niedergeschlagen.

Das in den ersten drei Monaten zu beobachtende verstärkte Goldinteresse (siehe Tabelle) war vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen:

Zuflüsse bei physisch hinterlegten ETFs und markante Nettokäufe im Notenbanksektor. Mit 145 Tonnen Gold kauften Zentralbanken zwar weniger als im vierten Quartal 2018, die Nachfrage von Q1 2018 (86,7 Tonnen) wurde damit allerdings um über 68 Prozent übertroffen.

Besonders interessant: Ein noch stärkeres erstes Quartal war letztmals im Jahr 2013 (179,1 Tonnen) registriert worden. Als wichtigste Kaufgründe der Notenbanken nennt der World Gold Council vor allem die Notwendigkeit, die Währungsreserven zu diversifizieren und das starke Interesse an sicheren liquiden Geldanlagen.

Wieder einmal „verspürte“ Russland den stärksten Goldappetit (+55,3 Tonnen), gefolgt von der Türkei (+40,1 Tonnen) und China (33,0 Tonnen). All diese Ländern dürften damit auch auf die „Sanktionswut“ von US-Präsident Donald Trump reagiert haben.

Kräftig erhöht haben sich aber auch die Zuflüsse physisch hinterlegter Gold-ETFs. Hier gab es nämlich gegenüber Q1 2018 einen Zuwachs von 27,1 auf 40,3 Tonnen (+49 Prozent) zu vermelden. Weil sich die internationalen Aktienmärkte in den Monaten Februar und März wieder erholt haben, war das Plus vor allem auf die Januarzuflüsse in Höhe von über 71 Tonnen zurückzuführen.

Damit waren Ende März in diesen „Gold-Vehikeln“ insgesamt 2.482,2 Tonnen im Gesamtwert von 103,4 Milliarden Dollar investiert.

Zum Vergleich: Allein die Marktkapitalisierung von SAP (156 Mrd. Dollar) übertrifft diesen Wert relativ problemlos.

Gold: Angebot und Nachfrage im ersten Quartal 2019

Q1 2018 (Tonnen) Q1 2019 (Tonnen)
globale Nachfrage:
Schmuckbranche 527,3 530,3 0,6 %
Technologie 81,8 79,3 -3,1 %
Notenbanken plus 86,7 plus 145,5 -
Investment 288,4 298,1 3,4 %
davon:
Barren & Münzen 261,3 257,8 -1,3 %
ETFs und ähnliche Produkte plus 27,1 plus 40,3 -
insgesamt: 984,2 1053,3 7,0 %
globales Angebot:
Minenangebot 843,3 852,4 1,1 %
Hedging (Preissicherung) plus 35,2 plus 10,0 -
Recycling 274,6 287,6 4,7 %

Quelle: World Gold Council; Stand: 31.03.2019

Schmucksektor und Barren- bzw. Münzverkäufe enttäuschen

Aber in den ersten drei Monaten lief es nicht in jedem Marktsegment rund. So gab es zum Beispiel in der besonders wichtigen Schmuckbranche lediglich ein marginales Plus von 527,3 auf 530,3 Tonnen (+0,6 Prozent) zu vermelden.

Beim Absatz von Goldbarren und Goldmünzen schlug sogar ein Minus von 261,3 auf 257,8 Tonnen (-1,3 Prozent) zu Buche. Noch üppiger fiel das Minus bei der industriellen Nachfrage aus – dem mit Abstand kleinsten Branchensektor – wo ein Rückgang von 81,8 auf 79,3 Tonnen (-3,1 Prozent) zu beklagen war. Leicht bergab ging es beim globalen Goldangebot, was aber in erster Linie auf Hedgingtransaktionen zurückzuführen war.

Bei der Primärproduktion (Minen) gab es hingegen einen leichten Anstieg von 843,3 auf 852,4 Tonnen (+1,1 Prozent) zu beobachten, während die Sekundärproduktion (Recycling) sogar von 274,6 auf 287,6 (+4,7 Prozent) deutlich kräftiger zugelegt hat. Weitere Informationen  können Sie übrigens auf der WGC-Website abrufen.

Ausblick für die laufende Woche

In den kommenden Tagen steht an den Finanzmärkten ein Thema ganz oben auf der Agenda: der internationale Handel. Aber nicht nur, weil die Verhandlungen zwischen Washington und Peking um eine Beilegung des Handelskonflikts einen Rückschlag erlitten haben.

Wichtige Volkswirtschaften werden nämlich aktuelle Zahlen bezüglich der Entwicklung ihrer Handelsbilanzen veröffentlichen.

Neben Deutschland (Freitag) dürften auch die beiden „Streithähne“ China (Mittwoch) und USA (Donnerstag) neue Hinweise liefern, wie sich die verhängten Strafzölle in beiden Volkswirtschaften konkret ausgewirkt haben.

Vor vier Wochen standen die Zeichen eher auf Entwarnung, schließlich meldeten die Chinesen einen Anstieg der Exporte um über 14 Prozent p.a., während bei den Importen ein Minus von 7,6 Prozent p.a. zu Buche schlug. Auf das Defizit der US-Handelsbilanz hat sich Trumps „America First“-Politik bislang nicht positiv ausgewirkt.

In den vergangenen zwölf Monaten schwankte dieses zwischen minus 43,5 Milliarden (Mai 2018) und minus 59,9 Milliarden Dollar (Dezember 2018) und macht somit keine Anstalten, sich in Luft aufzulösen. Dieser Unsicherheitsfaktor sowie die unzähligen anderen Risiken sollten beim Goldpreis einem kräftigen Kursrutsch eher entgegenwirken.

Goldbesitzer dürften derzeit erheblich ruhiger schlafen als Investoren, die sich massiv in den Anlageklassen Aktien oder Anleihen engagiert haben.

Gold: Starke Nachfrage in Q1 dank Notenbanken und ETFs
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"