Stand: 20.06.2017 von Jörg Bernhard 1 Kommentare

Nach der erwarteten Anhebung der US-Leitzinsen um 25 Basispunkte durch die US-Notenbank Fed setzte der Goldpreis erst einmal zu einer Talfahrt an. Einiges spricht aber dafür, dass diese eher von temporärer Natur sein wird.

Gold hat sich seit erstem Zinsschritt um 18 Prozent verteuert

Unmittelbar vor dem am Mittwochabend (14.06.2017) verkündeten Zinsschritt nach oben wies das vom Terminbörsenbetreiber CME Group entwickelte FedWatch-Tool eine Wahrscheinlichkeit von 100 Prozent für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte aus.

Damit dürfte sich diese als Grund für den nachfolgenden Rücksetzer um in der Spitze fast 30 Dollar eher nicht eignen. Auf die Stimmung an den Goldmärkten drückten eher die „falkenhaften“ Töne von Fed-Chefin Janet Yellen.

US Inflationsrate Stand Mai 2017

Sie betonte vor allem die robuste Lage am US-Arbeitsmarkt und rechnet, dass dieser die Inflation in den kommenden Jahren wieder beschleunigen und deshalb ein weiterer Zinsschritt notwendig sein könnte.

So revidierten zum Beispiel die US-Notenbanker ihre Prognosen für das Jahr 2017 die Arbeitslosenrate von 4,5 auf 4,3 Prozent und die Inflation von 1,9 auf 1,6 Prozent nach unten (siehe Tabelle). Außerdem verstörte zudem das Fed-Statement, dass man „relativ bald“ die Anleihekäufe wieder auflösen könnte.

Nur zur Erinnerung: Die Fed-Bilanz wurde in den vergangenen Jahrzehnten aufgrund der Notwendigkeit diverser Rettungsprogramme auf über 4,5 Billionen Dollar „aufgeblasen“.

Aktuelle Konjunkturprognosen der Fed

  2017 2018 2019
Prognose BIP-Wachstum (Juni) 2,20% 2,10% 1,90%
Prognose BIP-Wachstum (März) 2,10% 2,10% 1,90%
       
Prognose US-Arbeitslosenrate (Juni) 4,30% 4,20% 4,20%
Prognose US-Arbeitslosenrate (März) 4,50% 4,50% 4,50%
       
Prognose US-Inflation (Juni) 1,60% 2,00% 2,00%
Prognose US-Inflation (März) 1,90% 2,00% 2,00%
Quelle: Federal Reserve Board

Am Tag der Fed-Entscheidung wurde für den Monat Mai eine US-Inflationsrate von 1,9 Prozent veröffentlicht. Damit wurde der Vormonatswert um 0,3 Prozentpunkte und der Erwartungswert der Analysten (Quelle: Bloomberg) um 0,1 Prozentpunkte unterschritten.

Vergleich der Inflationsrate Stand März 2017

Grundsätzlich bleibt festzuhalten: Seit dem ersten Anheben der US-Leitzinsen (Dezember 2015) hat sich der Goldpreis extrem erfreulich entwickelt. Trotz markant gestiegener US-Renditen verteuerte sich der Goldpreis seither um 18 Prozent. Dies dürfte vor allem daran gelegen haben, dass die Realzinsen während dieses Zeitraums signifikant gesunken sind.

Dies trifft vor allem auf Deutschland zu. Mitte Dezember 2015 - als die Fed erstmals seit vielen Jahren an der Zinsschraube gedreht hatte - lag zum Beispiel die von der Bundesbank ermittelte Umlaufrendite bei 0,46 Prozent und die Dezember-Inflation bei 0,3 Prozent, was zu Realzinsen von lediglich 0,16 Prozent geführt hatte. Im Juni 2017 sind die deutschen Realzinsen auf minus 1,36 Prozent gesunken, weil die Inflation mit 1,5 Prozent p.a. um ein Vielfaches höher ausfiel als die Umlaufrendite in Höhe von 0,14 Prozent p.a.

Das heißt: Ihr Geldvermögen hat sich innerhalb eines Jahres um diesen Prozentsatz reduziert, weil die Inflationsrate dynamischer emporschnellte und die durchschnittliche Rendite für Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit zugleich den Rückwärtsgang eingelegt hat.

Noch haben die weltweit explodierenden Geldmengen und Schuldenberge zu keinem sonderlich ausgeprägten Vertrauensverlust unter den Investoren geführt. Grenzenlos scheint das Vertrauen aber auch nicht zu sein, schließlich wanderten dies- wie jenseits des Atlantiks Staatsanleihen in erster Linie in die Depots der Notenbanken, während Privatanleger vor allem Investments in Sachwerte wie Aktien und Immobilien bevorzugt haben.

Besonders interessant: In China hat der Goldhunger unter Finanzinvestoren in der vergangenen Woche allerdings ein eindrucksvolles Comeback erlebt. An der Shanghai Gold Exchange kletterte nämlich bei den besonders beliebten Ein-Kilogramm-Goldbarren der Wochenumsatz auf über 188 Tonnen, den höchsten Wert seit fast zweieinhalb Jahren.

Ausblick für die laufende Woche

Die US-Geldpolitik dürfte auch in den kommenden Handelstagen für Gesprächsstoff sorgen, schließlich stehen bis Freitag Reden von den acht hochrangigen US-Notenbankern William Dudley, Charles Evans, Stanley Fisher, Eric Rosengren, Robert Kaplan, James Bullard, Loretta Mester und Jerome Powell auf der Agenda.

Nun darf man gespannt sein, ob diese „taubenhafte“ oder eher „falkenhafte“ Töne anschlagen werden. Letzteres würde den Goldpreis wahrscheinlich tendenziell ausbremsen. Aus charttechnischer Sicht sollten Goldinvestoren mit Argusaugen vor allem die Marke von 1.240 Dollar genau im Auge behalten.

Knapp darunter verläuft nämlich die 200-Tage-Durchschnittslinie. Deren nachhaltiges Unterschreiten würde von Chartisten - losgelöst von den zahlreichen Krisenherden rund um den Globus - als starkes Verkaufssignal interpretiert werden.

Gold: Steigende Zinsen - na und!
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [1]
  • von Klein | 26.06.2017, 14:34 Antworten

    Reichlich Bla Bla

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