Stand: 25.11.2015 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

An den Finanzmärkten scheint man sich trotz der wachsenden Terrorängste keine großen Sorgen zu machen. Zeitweise rutschte der Krisenschutz Gold sogar auf das niedrigste Niveau seit Anfang 2010 ab. Derzeit versucht sich der Goldpreis wieder einmal an einer Bodenbildung.

Morgan Stanley und Goldman Sachs kaufen Gold

Einmal pro Quartal veröffentlicht die US-WertpapieraufsichtSecurities Exchange Commission (SEC) die aktuellen Beteiligungsverhältnisse des weltgrößten Gold-ETFs SPDR Gold Shares. In der vergangenen Woche war es wieder einmal so weit. Bei zwei US-Investmentbanken, die bislang eher nicht als "Goldbullen" aufgefallen sind, konnte man in den Monaten von Juli bis September eine überraschend starke Kauflaune feststellen: Morgan Stanley und Goldman Sachs. So hat zum Beispiel Morgan Stanley seine Position gegenüber dem Vorquartal um 53,6 Prozent auf 7,23 Millionen Anteile aufgestockt. Damit gilt die US-Bank, nach US-Milliardär John Paulsons Hedgefonds, als zweitgrößter Anteilseigner beim SPDR Gold Shares. Bei Goldman Sachs war prozentual betrachtet ein noch stärkeres Kaufinteresse beobachtet worden. Die "Goldmänner" stockten ihre bisherige Position um 156 Prozent auf 2,03 Millionen Anteile auf und gelten nunmehr als achtgrößter Anteilseigner des Gold-ETFs (siehe Tabelle).

Zur Erinnerung: Die Analysten von Morgan Stanley hielten noch im Juli in einem Worst-Case-Szenario einen Kursrutsch auf 800 Dollar für möglich. Auch bei Goldman Sachs war in den vergangenen Jahren hinsichtlich Gold wenig Zuversicht zu verspüren. Das lehrt uns vor allem eines: Die Analystenmeinungen der Banken sollten nicht allzu ernst genommen werden, schließlich tun sie es selbst offensichtlich auch nicht. Außerdem fehlt ihnen als Teil des globalen Finanzsystems die notwendige Objektivität. Bank und Banker verdienen nur bei funktionierenden Finanzsystemen gut. Beim Edelmetallhandel sind die Margen einfach zu unattraktiv.

Die von der Nachrichtenagentur Bloomberg von insgesamt 33 Analysten erfassten Kursziele für das kommende Jahr fallen derzeit nicht sonderlich berauschend aus - drei der Experten erwarten sogar Goldpreise im dreistelligen Bereich. Für 2016 reichen die Goldpreisprognosen von 963 Dollar (ABN Amro Bank) bis 1.325 Dollar (Capital Economics). Daraus resultiert ein durchschnittlicher Mittelwert in Höhe von 1.125 Dollar.

Für die Jahre 2017 und 2018 sind die Goldexperten zwar etwas besser gelaunt, echter Optimismus sieht aber sicherlich anders aus. So hat sich zum Beispiel die Bandbreite der Prognosen für das Jahr 2017 auf 1.017 (Itau Unibanco) bis 1.470 Dollar (Capital Economics) erhöht und zu einem durchschnittlichen Kursziel von 1.203 Dollar geführt. Etwas optimistischer fällt mit einem durchschnittlichen Kursziel von 1.228 Dollar die Analystenmeinung für 2018 aus. Fazit: Angesichts eines aktuellen Goldpreises von 1.080 Dollar sehen die Perspektiven nicht gerade glänzend aus.

Besitzverhältnisse beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares

Name Anteile abs. Veränderung proz. Veränderung in Mio. USD
PAULSON & CO. INC. 9.234.852 - - 952,02
MORGAN STANLEY 7.230.191 2.521.993 53,57 745,36
CREDIT SUISSE AG 5.291.328 1.212.984 29,74 545,48
FIRST EAGLE INVESTMENT MANAGEMENT, LLC 4.706.745 28.666 0,61 485,22
BANK OF AMERICA CORP 3.374.247 228.612 7,27 347,85
BLACKROCK ADVISORS LLC 2.204.246 - 259.076,00 -10,52 227,24
D. E. SHAW & CO., INC. 2.049.000 - - 211,23
GOLDMAN SACHS GROUP INC 2.030.021 1.236.882 155,95 209,28
UBS GROUP AG 1.670.141 - 267.612 -13,81 172,18
JPMORGAN CHASE & CO 1.381.768 - 302.387 -17,96 142,45

Quelle: Nasdaq. Stand: 30.09.2015

Ausblick für die laufende Woche

So langsam wird es an den Goldmärkten richtig spannend. In dreieinhalb Wochen soll nämlich das Ergebnis der letzten Fed-Sitzung dieses Jahres verkündet werden. Glaubt man dem vom US-Terminbörsenbetreiber entwickelten "FedWatch-Tool" beläuft sich die Wahrscheinlichkeit für ein Anheben der Leitzinsen derzeit auf 74 Prozent und hat sich damit in den vergangenen Wochen nochmals erhöht. Für einen Zinsschritt um 25 Basispunkte wird ein Wert von 26,4 Prozent angegeben, während die restlichen 73,6 Prozent eine Erhöhung um 50 Basispunkte anzeigen. Damit sollte das gelbe Edelmetall vor wachsendem Verkaufsdruck aufgrund der Zinsmaßnahme eigentlich verschont bleiben, schließlich würde sie keine Überraschung darstellen. Investoren haben sich im Vorfeld bereits entsprechend positioniert, was sich unter anderem an den massiven Kapitalabflüssen beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares ablesen lässt. In diesem Jahr nahm dessen gehaltene Goldmenge um 6,8 Prozent von 709,02 auf 660,75 Tonnen ab.

Auch die Argumentation, dass steigende US-Renditen die Attraktivität von Gold negativ beeinflussen würden, darf ruhig kritisch hinterfragt werden. An einem massiven Zinsanstieg dürfte niemand interessiert sein, schließlich können sich der hochverschuldete Staats- und Unternehmenssektor höhere Zinskosten schlicht und einfach gar nicht leisten. Zugleich kann man gemäß der Lehre der Kapitalmarkttheorie höhere Renditen bei Staatsanleihen auch als höheres Ausfallrisiko interpretieren. Grundsätzlich lässt sich das Risiko einer Anlageklasse besonders gut an der Kennzahl Volatilität ablesen. Im Rohstoffsektor kann Gold hier weiterhin durch einen relativ niedrigen Wert glänzen. Dies belegen zumindest die von der Chicago Board Options Exchange (CBOE) entwickelten Volatilitätsindizes auf Gold- (17,3 Prozent), Silber- (28,9 Prozent) und Rohöl-ETFs (44,9 Prozent). Wer nicht ausschließlich auf Liquidität, Immobilien oder Aktien setzen möchte, sollte daher die geringen Kursschwankungsintensität als weiteres Kaufargument für das gelbe Edelmetall interpretieren.

Gold: Stimmung und Preis im Keller
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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