Stand: 03.03.2020 von Jörg Bernhard
Nachdem der Goldpreis in der letzten Februarwoche auf Eurobasis noch ein Rekordhoch bei 1.560 Euro markiert hatte, setzten am Freitagnachmittag markante Gewinnmitnahmen ein. Verkauft wurde fast alles: Aktien, Rohstoffe, Edelmetalle und auch der Bitcoin.
Gold: Temporäre Verkaufswelle nach Rekordhochs

Finanzmärkte mit panikhaften Zügen

Unter sämtlichen G20-Staaten erzielte der Goldpreis im Laufe des Februars lediglich in drei Ländern – gemessen in der eigenen Heimatwährung – kein neues Allzeithoch. Dabei handelte es sich um die USA, Saudi-Arabien und Südkorea. Deren Rekordhochs sind im November 2011 erzielt worden.

Unter Timingaspekten drängt sich der Goldkauf unmittelbar nach dem Markieren von Höchstständen zwar nicht unbedingt auf, verunsicherte Anleger mit langfristigem Anlagehorizont sollten sich aber auch nicht vom aktuellen Verkaufsvirus an den Finanzmärkten infizieren lassen.

Laut Analysten sollen beim gelben Edelmetall hierfür weniger fundamentale, sondern eher technische Gründe wie zum Beispiel Gewinnmitnahmen und das Stopfen von Verlustlöchern in anderen Anlageklassen verantwortlich gewesen sein. 

Dies führte dazu, dass die normalerweise funktionierende negative Korrelation zwischen Aktien und Gold ins Leere lief. 

Ein solches Szenario gab es auch unmittelbar nach dem Ausbruch der Finanzkrise 2008/2009 ebenfalls zu beobachten. Im Oktober 2008 brach der Krisenschutz trotz akuter Krisenlage innerhalb von zehn Handelstagen um über 25 Prozent ein, um sich nachfolgend innerhalb von weniger als drei Jahren mehr als zu verdoppeln. Das aktuelle Auf und Ab zeigt vor allem eines: 

Die Nerven der Anleger liegen offensichtlich blank.

Stark gekauft wurden im Februar vor allem Staatsanleihen bester Bonität. Dieser Reflex scheint aufgrund der Investorenängste zwar nachvollziehbar zu sein – so richtig sinnvoll wird er dadurch aber nicht, schließlich sind bei Anleihen bester Bonität systematische Vermögensverluste vorprogrammiert. 

Nur zur Erinnerung:

Deutsche Bundesanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren bieten aktuell Renditen von minus 0,06 Prozent – und das bei einer Inflationsrate von 1,73 Prozent. Dies zeigt vor allem eines an: eine akute Schieflage der Finanzwelt.

Niedrige Vola spricht für Gold

Dass an den Finanzmärkten derzeit vor allem Unberechenbarkeit und Unsicherheit vorherrschen, lässt sich an diversen Volatilitätsindizes sehr gut ablesen. Sie bringen die Kursschwankungsintensität einer Anlageklasse und damit das Risiko eines solchen Investments über die finanzmathematische Kennzahl Volatilität zum Ausdruck. 

Erfahrungsgemäß erfolgt bei heftigen Kursstürzen innerhalb kurzer Zeit eine regelrechte Explosion dieser Risikokennzahlen. Während des jüngsten Ausverkaufs war ein stark gestiegenes Risiko insbesondere bei Aktien und Rohstoffen auszumachen, während bei Gold der Anstieg der Volatilität weniger kräftig ausfiel.

In der nachfolgend aufgeführten Tabelle können Sie die Entwicklung deutscher Blue Chips (DAX), US-amerikanischer Standardwerte (S&P-500), WTI-Rohöl sowie Gold und deren Volatilitätsindizes miteinander vergleichen.

Anlageklassen und deren Volatilitäten im Vergleich

aktuell Entw. 2020 Vola aktuell Entw. Vola 2020
S&P 500 2.954,22 Pkte. -8.56 % 40.32 % 192.6 %
DAX 11.890,35 Pkte. -10.25 % 40.11 % 183.06 %
Rohöl (WTI) 45,26 USD -25.9 % 51.3 % 81.1 %
Gold 1.585,85 USD 4.52 % 21.27% 68.41 %
Stand: 28.02.2020

Fazit: Laut Volatilitätsindizes weist Gold unter den vier aufgeführten Anlagealternativen das geringste Risiko auf. Außerdem hat bei dem gelben Edelmetall seit dem Jahreswechsel die Risikokennzahl Vola weniger deutlich zugelegt. Dies alles spricht eher für als gegen Gold.

Ausblick für die laufende Woche

Derzeit scheinen vor allem zwei Anlageklassen ihrem Ruf als sicherer Hafen gerecht zu werden: Staatsanleihen bester Bonität und Gold. 

Die Kryptowährung Bitcoin hat allein in der vergangenen Woche in der Spitze mehr als 15 Prozent verloren, während bei US-Staatsanleihen eine rekordniedrige zehnjährige Rendite von 1,12 Prozent gemeldet worden war.

Weil letztendlich niemand weiß, wie schlimm der aus China stammende Virus noch „wüten“ wird und welche konkreten Folgen dies für die Weltwirtschaft haben wird, sind diesbezügliche Prognosen noch schwieriger als sonst.

Die von 3,3 auf 3,2 Prozent nach unten revidierten IWF-Prognosen für das globale Wirtschaftswachstum des laufenden Jahres dürften sich aber angesichts der aktuellen Nachrichtenlage als zu optimistisch erweisen.

Einen echten langfristigen Verkaufsgrund kann man bei Gold derzeit eher nicht ausmachen, schließlich hat sich gezeigt, wie schnell die Laune kippen kann. 

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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von Commander Crash | 09.03.2020, 10:56 Antworten

Möchten Sie vielleicht noch ein paar Tulpen zu Ihrem Papiergold? Der Herr, die Dame?

von Hans W. | 04.03.2020, 13:41 Antworten

die Zinssenkung der Fed kam zwar nicht überraschend, aber so schnell und mit 0,5 Punkten zeigt dies einderucksvoll wie nervös die Geldherren wegen Corona sind. Wissen die Herren mehr als wir?

von Elke Heidbrinker | 04.03.2020, 12:43 Antworten

In der Ruhe liegt die Kraft

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"