Stand: 31.07.2018 von Jörg Bernhard 5 Kommentare

Als „sicherer Hafen“ übt der Dollar auf Anleger derzeit eine erheblich stärkere Anziehungskraft aus als Gold. Vor allem Terminspekulanten, die das „ganz große Rad drehen“ strafen das gelbe Edelmetall mit Nichtachtung, was sich am Commitments of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde CFTC Woche für Woche ablesen lässt.

Finaler Ausverkauf an den Terminmärkten?

Dass der Goldpreis in erster Linie von den Transaktionen der Terminmarktakteure maßgeblich bestimmt wird, dürfte goldinteressierten Anlegern hinlänglich bekannt sein. Über Futures und Optionen auf Gold können auf der einen Seite Strategien zur Preissicherung bewerkstelligt werden und auf der anderen Seite Wetten mit hochspekulativem Charakter getätigt werden.

Da sich zum Beispiel ein Future auf 100 Feinunzen Gold bezieht, verbucht der Käufer (Verkäufer) eines Gold-Future mit jedem Goldpreisanstieg in Höhe von einem Dollar pro Kontrakt einen Kursgewinn (Kursverlust) von 100 Dollar. Insbesondere Großspekulanten wie Hedgefonds, die vom Auf und Ab des Golds in gehebelter Form profitieren möchten, gelten als besonders aktiv und spielen dadurch bei der Preisfindung eine besonders wichtige Rolle.

Im wöchentlichen Rhythmus informiert die US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) über die aktuellen Trends und Transaktionen an der Terminbörse Commodity Exchange. Dieser sogenannte Commitments of Traders-Report (CoT) informiert über die long und short positionierten Futures der wichtigsten Gruppen von Marktakteuren. Dabei handelt es sich um die Angehörigen aus der Goldbranche (Commercials) sowie Großspekulanten (Non-Commercials) und Kleinspekulanten (Non-Reportables).

Das Update wird stets auf Basis der Marktdaten vom Dienstag erstellt und zeigt auf, wer optimistischer, wer skeptischer und wer pessimistischer geworden ist. Anlegern kann der Bericht wichtige Erkenntnisse liefern und als Entscheidungshilfe dienen. In den vergangenen Wochen und Monaten gab es diesbezüglich besonders starke Auffälligkeiten zu beobachten.

Massive Verkaufswelle großer Terminspekulanten

Besonders interessant: In den vergangenen sechs Monaten hat sich der Optimismus der Großspekulanten kräftig reduziert. Erkennbar wurde dies durch den Einbruch der Netto-Long-Position (Optimismus überwiegt), die den Saldo long und short positionierter Futures anzeigt. Sie hat sich von Januar bis Juli von 214.700 auf 48.600 Kontrakte (-77,4 Prozent) reduziert.

In der Vergangenheit folgten auf solche Verkaufswellen häufig besonders kräftige Erholungsphasen (siehe Chart). Dies war beispielsweise Anfang 2016 (plus 300 Dollar), Anfang 2017 (plus 200 Dollar), Mitte 2017 (plus 130 Dollar) sowie Ende 2017 (plus 120 Dollar) der Fall.

Goldpreis Verkaufswelle großer Terminspekulanten

Nach dieser Gesetzmäßigkeit bietet sich derzeit eher an, auf einen steigenden als auf einen fallenden Goldpreis zu setzen, wenngleich sich die Stimmung großer Terminspekulanten auch in den nächsten Wochen noch weiter eintrüben könnte.

Sollte der Goldpreis aber einen unerwarteten Kurssprung nach oben machen, könnte es zu einem sogenannten Short-Squeeze kommen.

Das heißt: Um anfallende Verluste zu begrenzen, müsste diese Gruppe von Marktakteuren Short-Eindeckungen vornehmen, was den Goldpreis dann weiter nach oben treiben könnte.

Ausblick für die laufende Woche

Aus charttechnischer Sicht gibt es beim Goldpreis derzeit wenig Grund zu Optimismus, schließlich wurden in diesem Jahr diverse Unterstützungszonen, Durchschnittslinien und Trendbegrenzungen markant verletzt.

Von seinem im Juli markierten Zwölfmonatstief hat sich das gelbe Edelmetall bislang noch nicht nachhaltig erholen können. Die relative Stärke der US-Wirtschaft gegenüber dem Rest der Welt hat die US-Renditen deutlich nach oben getrieben und dadurch den Dollar gestärkt

Das Bedürfnis an wenig volatilem Krisenschutz, der weder Zinsen noch Dividenden zu bieten hat, hält sich weiterhin in Grenzen und kann auch als stark ausgeprägte Sorglosigkeit interpretiert werden. An der stark negativen Korrelation zwischen Dollar und Gold dürfte sich auch in den kommenden Wochen wenig ändern. Neue Impulse könnte die US-Währung durch die anstehende Datenflut vom US-Arbeitsmarkt erhalten, wobei der für Freitag angekündigte Juli-Bericht des US-Arbeitsministeriums besonders aufmerksam verfolgt werden dürfte.

Goldpreis - Terminmärkte generieren Hochspannung
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [5]
  • von Edeltraut Quand | 31.07.2018, 17:49 Antworten

    Jetzt kaufen,daskommt nie wieder, danach geht es steil nach oben, im winter ist es zu spät!

    • von Wolga66 | 01.08.2018, 19:32 Antworten

      Träum mal schön weiter

    • von Goldmann | 01.08.2018, 10:28 Antworten

      Dem Stimme ich voll und ganz zu.

    • von blingbling | 01.08.2018, 00:21 Antworten

      und wenn im winter die goldsteuer kommt?

      • von Goldsammler | 01.08.2018, 17:36 Antworten

        !! Dann wird Gold teurer !!

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