Stand: 17.04.2018 von Jörg Bernhard 4 Kommentare

Der Goldpreis kann derzeit wachsenden Verkaufsdruck großer Terminspekulanten relativ gut wegstecken. In den vergangenen Jahren korrelierte der Goldpreis mit solchen Verkaufswellen deutlich stärker.

Gold - Relativ resistent gegenüber Verkaufswellen

Da an den Terminmärkten erheblich höhere Goldmengen als an den Kassamärkten gehandelt werden - wenngleich lediglich auf dem Papier, ohne in physischer Form vorhanden zu sein - beobachten die Akteure mit Argusaugen die wöchentlichen Berichte der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) über die Stimmung großer und kleiner Spekulanten.

Einmal pro Woche werden in diesem sogenannten Commitments of Traders-Report (CoT) die long und short positionierten Futures der wichtigsten Gruppen von Marktakteuren aufgeführt. Dabei handelt es sich um Player aus der Goldbranche (Commercials) sowie Großspekulanten (Non-Commercials) und Kleinspekulanten (Non-Reportables).

Dieses Update lässt dann Rückschlüsse zu, wer optimistischer, wer skeptischer und wer pessimistischer geworden ist.

Besonders intensiv verfolgt werden in diesem Zusammenhang die Transaktionen von Großspekulanten wie zum Beispiel Hedgefonds, deren Strategie in der Regel als hochspekulativ einzustufen ist.

In den vergangenen Jahren wirkten sich deren Verkaufswellen ausgesprochen negativ auf den Goldpreis aus. Doch in diesem Jahr drückte ein Ende Januar einsetzender und zwei Monate andauernder Einbruch ihrer Netto-Long-Position den Preis für das gelbe Edelmetall um lediglich ein Prozent nach unten (siehe Gold-Chart).

Goldpreis 10 Jahres Chart in US-Dollar

Im Jahr zuvor sorgten zwei Marktphasen mit ähnlich nachlassendem Optimismus zu einer Goldpreisschwäche von immerhin vier Prozent.

Zur Erinnerung:

Im Herbst 2012 löste ein – zugegebenermaßen deutlich kräftigerer Ausverkauf der Großspekulanten über mehrere Monate – zu einem Einbruch des Goldpreises von 1.790 auf 1.200 Dollar (-33 Prozent).

Kein Stimmungsextrem unter Großspekulanten

Laut aktuellem Commitments of Traders-Report stellte sich in der Woche zum 10. April bei Großspekulanten eine Netto-Long-Position (mehrheitlich optimistisch gestimmt) von über 155.000 Kontrakten ein.

Dies macht die Interpretation etwas schwierig, weil der Optimismus dieser Gruppe von Marktakteuren in den vergangenen zwölf Monaten einerseits zeitweise um 100.000 Futures (September 2017) stärker ausgeprägt war und andererseits im Juli 2017 um 95.000 Kontrakte geringer ausgefallen war.

Das heißt: Das Potenzial nach oben fällt bei der Netto-Long-Position ähnlich üppig aus wie das Potenzial nach unten. Charttechnisch kann man der Goldpreisentwicklung allerdings erhebliches Aufwärtspotenzial attestieren, schließlich kostete eine Feinunze Gold im September 2011 rund 1.900 Dollar.

Unter diesem Aspekt kann Gold gegenwärtig deutlich stärker glänzen als konkurrierende Anlageklassen wie Aktien, Anleihen oder Immobilien.

Ausblick für die laufende Woche

Die Eskalation der Syrienkrise hat den Goldpreis in der vergangenen Woche auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Monaten gehievt.

Weil die Reaktion Russlands auf den Samstagfrüh erfolgten Angriff der drei Westmächte USA, Großbritannien und Frankreich bislang relativ besonnen ausfiel, tendierte Gold zum Wochenstart seitwärts.

Damit scheiterte Gold seit dem Jahreswechsel zum fünften Mal an der charttechnischen Hürde von 1.360 Dollar. Ähnlich oft prallte das gelbe Edelmetall im Jahr 2016 und einmal im vergangenen Jahr an dieser Marke ab. Neben den Spannungen zwischen den USA und Russland (Syrien, Ostukraine, Hackervorwürfe, Giftgasanschlag in London) wird auch der Handelsstreit mit den Chinesen an den Goldmärkten immer wieder thematisiert.

Sollte dieser nämlich zum globalen Handelskrieg mutieren, dürfte Gold in seiner Funktion als „sicherer Hafen in stürmischen Zeiten“ davon profitieren. Wichtige Konjunkturindikatoren aus den USA stehen übrigens in den kommenden Tagen auf der Agenda

Von besonderem Interesse dürften in diesem Zusammenhang der Fed-Konjunkturbericht „Beige Book“ (Mittwoch) bzw. der Konjunkturausblick der Philadelphia Fed (Donnerstag) sein. Sollte die Aufwärtsdynamik der US-Wirtschaft und damit auch die Zinssorgen nachlassen, wäre dies vorteilhaft für Gold.

Goldpreis: Terminmärkte verlieren an Schrecken
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [4]
  • von Ernst Sekowskie | 23.04.2018, 11:21 Antworten

    Es kommt alles viel schlimmer als Experten es erwarten, es beginnt Freitag Abend.

    • von Wolga66 | 23.04.2018, 13:39 Antworten

      Ernst der Glaskugelguru,träum weiter.

  • von Goldhamster | 17.04.2018, 22:01 Antworten

    Ich will mal Bezug nehmen auf die Syrien-Krise. Über die Gift-Gas Geschichte mag man streiten. Über die Kosten der Militär-Aktion nicht. Das Geld dafür wird einfach gedruckt und zwar weltweit. Auch in €-Land: Anstieg der Geld-Menge M1 (vor den Anleihe Käufen aus der Notenpresse) +10,3% versus BIP 1,? %.
    So geht das nun schon seit Jahren. Wann uns die Blase um die Ohren fliegt kann keiner sagen.
    Deshalb sollte man REGELMÄSSIG kleinere Mengen Gold und Silber kaufen... Schuldenfrei, sonst macht man Bekanntschaft mit einem Vogel, der vorzugsweise seine Eier in fremde Nester legt.

    • von Bonnie | 17.04.2018, 23:50 Antworten

      Recht hast Du Goldhamster. Allerdings sollte man die BRICS Staaten und ihre Aktivitäten nicht vergessen. Ich denke, daß genau diese den Amerikaner samt ihren Petrodollar in die Tiefe stürzen. Diese Zeit liegt direkt vor uns. Dann werden die Karten in der Welt neu gemischt. EM sind wichtig auch für den "kleinen Mann" (besser ist besser). Was jedoch genau passiert? An eine solche Analyse trauen sich nicht einmal unsere sogenannten Experten.

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