Gold: 1.539,60 € 0,00 %
Silber: 20,89 € +0,01 %
Stand: 11.08.2021 von Jörg Bernhard
An den Goldmärkten musste das gelbe Edelmetall in der vergangenen Woche ein kräftiges Minus von drei Prozent hinnehmen. Obwohl sich Nervosität und Verunsicherung in den vergangenen Monaten verstärkt haben, ging es mit der Kursschwankungsintensität seit dem Jahreswechsel tendenziell nach unten.
Gold: Trotz hoher Nervosität niedrige Volatilität

Scheinbar heile Welt bekommt wieder Risse

In China und in den USA – den beiden wichtigsten Volkswirtschaften der Welt – infizieren sich immer mehr Menschen (vor allem Ungeimpfte) mit der besonders ansteckenden Delta-Variante des Corona-Virus.

Im autokratisch regierten China sind bereits rigide Restriktionen in Form von Lockdowns, Ausgangssperren, Massentests und Reise-Einschränkungen zur Eindämmung der COVID-19 Infektionen in Kraft getreten.

Die allgemeine Verunsicherung lässt sich aber auch an den Statements diverser US-Notenbanker ablesen, deren Tenor derzeit keine einheitliche Linie aufzeigen. Immer wieder sorgen Stimmen, die ein baldiges Zurückfahren der Anleihekäufe bzw. Anheben der US-Leitzinsen plädieren, für ein hohes Maß an Verunsicherung.

Der jüngste Einbruch des Goldpreise ist vor allem auf die am Freitag kommunizierten starken US-Arbeitsmarktdaten und die daraus resultierenden Zinsängste zurückzuführen.

Zur Erinnerung: Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen haben sich seit Ende Dezember von 1,74 auf ein Jahrestief von 1,18 Prozent p.a. signifikant reduziert (aktuell: 1,3 Prozent). Obwohl sich riskante Anlageklassen wie Aktien und Rohstoffe 2021 innerhalb dieses Zeitraums erheblich verteuert haben, investierten zugleich immer mehr Investoren in Staatsanleihen bester Bonität, die in der Finanzwelt – ähnlich wie Gold – als sicherer Hafen angesehen werden.

Dies lässt den Schluss zu, dass viele Anleger offensichtlich weiterhin ein ausgeprägtes Schutzbedürfnis verspüren. Gegenwärtig scheinen solche Anleihen allerdings deutlich gefragter zu sein als der traditionelle Krisenschutz Gold.

Laut aktuellen Daten des World Gold Council (WGC) haben sich nämlich die weltweiten Bestände physisch hinterlegter Gold-ETFs seit dem Jahresultimo um 118,2 Tonnen auf aktuell 3.635,8 Tonnen (Stand: 31. Juli) reduziert.

Gewichtige Argumente sprechen für Gold

Angesichts der Tatsache, dass deutsche Bundesanleihen derzeit überwiegend negative Renditen bieten und US-amerikanische Staatsanleihen unter anderem einem Wechselkursrisiko ausgesetzt sind, sollte ein Teil des Vermögens – quasi als Versicherung für den Krisenfall – unbedingt in Edelmetalle wie Gold und Silber in physischer Form „gebunkert“ sein.

Der in der vergangenen Woche erlittene Wochenverlust in Höhe von drei Prozent sollte eher als attraktive Kaufgelegenheit und weniger als Warnsignal betrachtet werden – insbesondere bei langfristigem Anlagehorizont.

Aufgrund explodierender Schuldenberge und Geldmengen werden die altbewährten Kaufargumente immer gewichtiger.

Im Gegensatz zu Geld lässt sich Gold nicht beliebig vermehren, weist kein Kontrahentenrisiko auf und ist – zumindest in physischer Form – seit seiner Existenz noch niemals wertlos geworden. Und auch die finanzmathematische Risikokennzahl Volatilität spricht für das gelbe Edelmetall, da sie trotz fehlender Diversifikation niedriger als Investments in den DAX, den Dow-Jones oder den Nasdaq ausfällt (siehe Tabelle).

Anlageklassen und deren Volatilitäten im Vergleich

Volatilitätsindex aktuell
Gold (GVZ) 15,90 %
S&P-500 (VIX) 16,20 %
Dow-Jones (VXD) 16,30 %
DAX (VDAX) 17,60 %
Nasdaq (VXN) 19,60 %
Silber (VXSLV) 27,90 %
Rohöl (OVX) 39,30 %
Stand: 06.08.2021

Ausblick für die laufende Woche

In den kommenden Tagen dürfte das Thema US-Inflation an den Finanzmärkten wieder einmal heiß diskutiert werden.

Am Mittwoch steht nämlich die Juli-Teuerungsrate zur Bekanntgabe an.

Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich die Geldentwertung von 5,4 Prozent (Juni) auf 5,3 Prozent p.a. verlangsamt haben.

Doch damit nicht genug:

Am Freitag folgen dann noch die Im- und Exportpreise für den Monat Juli, die sich in den vergangenen Monaten besonders dynamisch nach oben bewegt haben. Beim Juni-Update war bei Exporten ein Anstieg um 16,8 Prozent und bei Importen ein Plus von 11, 2 Prozent p.a. registriert worden.

Notenbanker diesseits wie jenseits des Atlantiks hat die beschleunigte Geldentwertung bislang wenig Kopfzerbrechen bereitet. Sie vertrauen auf den Basiseffekt und gehen davon aus, dass es sich lediglich um ein temporäres Phänomen handeln wird.

In der volkswirtschaftlichen Theorie kann Inflation durch eine verstärkte Konsumnachfrage, ein rückläufiges Angebot oder eine steigende Geldmenge entstehen.

Gegenwärtig scheinen diese drei Szenarien gleichzeitig zu greifen.

Auf lange Sicht bleibt zu hoffen, dass es den Notenbankern dieser Welt nicht wie dem Zauberlehrling von Johann Wolfgang von Goethe ergeht. Dessen Hilferuf dürfte so manchem Anleger aus der Schulzeit noch in Erinnerung geblieben sein:

„Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los.“
Autor: Jörg Bernhard
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von Lothar P. | 12.08.2021, 11:59 Antworten

"Auf lange Sicht bleibt zu hoffen, dass es den Notenbankern dieser Welt nicht wie dem Zauberlehrling von Johann Wolfgang von Goethe ergeht." Der konnte ja wenistens noch um Hilfe rufen. Unser Problem: Es gibt keinen Hexenmeister mehr. Deshalb muß man selbst sein Zeug vor den Geistern schützen, die sie riefen und weiterhin rufen.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"