Stand: 28.08.2018 von Jörg Bernhard 1 Kommentare

Obwohl das Jahr 2018 bislang ziemlich krisenreich verläuft, hat der traditionelle Krisenschutz Gold gegenüber dem Dollar eindeutig das Nachsehen. Trotz des massiven Kurseinbruchs bei Gold hat das durch die Kennzahl Volatilität messbare Risiko beim gelben Edelmetall aber kaum zugenommen.

Abwärtstrend bei Gold weiterhin intakt

Der Start ins Jahr 2018 verlief zunächst relativ verheißungsvoll, schließlich generierte der Goldpreis im Dezember mit dem Überwinden der langfristigen 200-Tage-Linie ein starkes charttechnisches Kaufsignal. Dies bescherte ihm im Januar ein Jahreshoch bei 1.360 Dollar. Danach folgte eine Seitwärtsbewegung über mehrere Monate. Im Mai wurde dann mit dem Verletzen der unterhalb von 1.320 Dollar verlaufenden Unterstützungszone mit anschließendem Rutsch unter die 200-Tage-Linie eine rasante Talfahrt eingeläutet.

Gold Chart 36 Monate 27.08.2018

Problem: Mitte des Jahres wechselte die Durchschnittslinie vom Aufwärts- in den Abwärtsmodus. Chartorientierte Investoren werten dies als Trendwechselsignal nach unten. Mit 1.170 Dollar wurde im August der niedrigste Stand seit 19 Monaten markiert. In der zweiten Augusthälfte hat sich die Lage aber leicht aufgehellt. So verließ zum Beispiel der Timingindikator Relative-Stärke-Index (RSI) die überverkaufte Zone (< 30 Prozent) und löste mit dem Sprung über diese Hürde sogar ein Kaufsignal aus.

Ein signifikanter Ausbruch aus dem seit April intakten Abwärtstrend ist bislang aber noch nicht erfolgt. Höchste Priorität hat nun die Verteidigung der relativ runden Marke von 1.200 Dollar, da hier eine leichte Unterstützung verläuft. Noch besser wäre allerdings ein Comeback über 1.220 Dollar. Hier verläuft nämlich ein deutlich soliderer Boden.

Gold mit attraktiver Volatilität

Eines muss man dem Goldpreis aber hoch anrechnen: Trotz der erheblichen Verluste kann man die Volatilität dieser Anlage – also deren aus der Kursschwankungsintensität abgeleitetes Risiko – als wenig beängstigend einordnen

Normalerweise nimmt diese Risikokennzahl vor allem in markanten Abwärtsphasen deutlich zu. Insbesondere beim Vergleich mit Rohöl und Silber oder diversen Aktienindizes macht der Krisenschutz derzeit eine ausgesprochen gute Figur. Der Terminbörsenbetreiber Chicago Board Options Exchange hat zahlreiche Volatilitätsindizes konzipiert und berechnet diese fortlaufend.

Im Rohstoffsektor basiert die Kennzahl auf den Kursen von Optionen auf die entsprechenden ETFs. So weist der CBOE-Goldvolatilitätsindex (GVZ) derzeit einen Wert von 11,7 Prozent auf und unterschreitet damit sogar seinen Stand zum Jahresultimo leicht.  Grundsätzlich kann man Investments in Rohöl oder Silber als erheblich riskanter einstufen, schließlich lassen deren vergleichbare CBOE-Volatilitätsindizes mit 23,3 Prozent (OVX) bzw. 19,3 Prozent (VXSLV) auf ein erheblich höheres Risiko schließen. Selbst Investment in den Dow-Jones bzw. S&P-500 sind derzeit angesichts von Volatilitäten in Höhe von 12,6 bzw. 12,0 Prozent als riskanter einzustufen.

CBOE-Volatilitätsindizes im Vergleich
Gold 11,71 %
Silber 19,28 %
Rohöl 23,31 %
Dow-Jones 12,55 %
S&P500 11,99 %
NASDAQ-100 15,16 %
Stand: 24.08.2018; Quelle: Chicago Board Options Exchange

Fazit: Was will man mehr als einen relativ schwankungsarmen Krisenschutz? Im Grunde nur noch eines: einen höheren Preis.

Ausblick für die laufende Woche

Derzeit stellen sich die Akteure an den Goldmärkten vor allem zwei Fragen.

  • Erstens: Folgt auf die jüngste technische Korrektur ein nachhaltiger Trendwechsel nach oben.
  • Zweitens: Kehrt unter den großen Terminspekulanten der Optimismus demnächst wieder zurück?

Unter Berücksichtigung des fundamentalen Marktumfeldes scheint sich der Goldpreis angesichts der zahlreichen Krisen und Unsicherheitsfaktoren in diesem Jahr zu schwach entwickelt zu haben und die Begeisterung für den Dollar nicht ganz nachvollziehbar zu sein. Vor allem der Jubel der Dollarfans über die steigenden Zinsen sollte kritisch hinterfragt werden, schließlich dürfte jedem klar sein, dass das Refinanzieren und Tilgen des enormen Schuldenbergs der USA bei höheren Zinsen um einiges schwieriger werden dürfte.

Wie schnell Vertrauen in eine Währung aus Papier in Misstrauen umschlagen kann, haben die von Despoten geplagten Währungen der Türkei und Venezuelas zuletzt eindrucksvoll aufgezeigt. Vor diesem Hintergrund sollte jeder Anleger auf den altbewährten und zugegebenermaßen etwas aus der Mode geratenen Vermögens-, Krisen- und Inflationsschutz Gold auf keinen Fall verzichten.

Gold: Trotz Kurseinbruch wenig volatil
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [1]
  • von Hans Daberkopf | 29.08.2018, 11:17 Antworten

    Gold war einmal

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