Stand: 24.03.2020 von Jörg Bernhard
Der Krisenschutz Gold hat bislang vom Corona-Chaos zwar nicht profitiert, es gibt aber dennoch gute Gründe, Goldvermögen aufzustocken und nicht abzubauen. Auf lange Sicht sollte man auf den Besitz von Gold daher auf keinen Fall verzichten.
Gold überzeugt durch geringeres Risiko

Niedrige Vola spricht für ein Goldinvestment

Angesichts der aktuellen Nachrichtenlage ist es natürlich nachvollziehbar, dass viele Investoren die eigenen Cash-Reserven bzw. die täglich verfügbare Liquidität im großen Stil erhöhen möchten. Die Gretchenfrage lautet derzeit allerdings: 

Welche Anlageklassen soll man in Zeiten wie diesen eher verkaufen, Aktien, Anleihen oder Edelmetalle? 

In Crash-Phasen reagieren häufig Gesetze bei denen fundamentale Aspekte völlig ausgeblendet werden. Ein großes Problem der Finanzwelt besteht darin, dass Investoren mit langfristigem Anlagehorizont in der Minderheit sind und die Kurse in erster Linie durch Spekulanten und Hazardeure gemacht werden. Diesem Umstand kann sich auch Gold nicht entziehen.

So reagierte der Goldpreis in den vergangenen Jahren vor allem auf die Entwicklung an den Terminmärkten und im ETF-Sektor. Das war auch in diesem Jahr offensichtlich. So haben zum Beispiel große wie kleine Terminspekulanten seit Mitte Februar per Saldo 83.900 Gold-Futures verkauft. Da sich ein Gold-Future auf 100 Feinunzen bezieht, entspricht dies einer Goldmenge von über 260 Tonnen.

Beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares gab es allein in der Zeit vom 9. bis 20. März einen Rückgang der gehaltenen Goldmenge um über 55 Tonnen zu verdauen. 

Zum Vergleich: Allein um diese beiden Beispiele mengenmäßig zu kompensieren, hätten Anleger über 10 Millionen Krügerrand-Goldmünzen mit einem Feingewicht von einer Unze kaufen müssen.

Gold ist weniger riskant als andere Assets

Doch es gibt noch eine weitere Entwicklung, bei der der Goldpreis den anderen Anlageklassen gefolgt ist: Auch beim gelben Edelmetall nahm die Kursschwankungsintensität (Volatilität) und damit das Risiko deutlich zu. Terminbörsenbetreiber wie die Eurex oder die Chicago Board Options Exchange (CBOE) bieten Volatilitätsindizes auf diverse Anlageklassen an.

Sie zeigen durch finanzmathematische Kennzahlen auf, welches Risiko mit einem bestimmten Investment verbunden ist. Anhand der Tabelle (siehe unten) kann man zwei Dinge ablesen. 

  • Erstens: Welches Investment ist relativ riskant und welches weniger. 

  • Zweitens: Wo gab es seit dem Jahreswechsel eine besonders dynamische Verunsicherung zu beobachten. 

Volatilitätsindizes explodieren

Volatilitätsindex auf aktuell 31.12.2019 Diff.
Gold 36,8 % 12,63 % 191,45 %
Silber 78,1 % 20,57 % 279,53 %
Rohöl 190,1 % 26,40 % 620,00 %
Dow-Jones 54,3 % 13,29 % 308,58 %
S&P500 66,0 % 13,78 % 379,25 %
NASDAQ 63,9 % 16,89 % 278,03 %
Russell-2000 69,2 % 16,03 % 331,75 %
DAX 67,9 % 14,17 % 379,46 %
Euro Stoxx 50 68,2 % 13,95 % 388,96 %
Stand: 20.03.2020

Bei Gold lässt sich folgendes konstatieren: Ein Goldinvestment kann in der aktuellen Marktlage als deutlich risikoärmer eingestuft werden als ein Investment in Aktien oder Rohöl. Außerdem nahm bei Gold die wachsende Verunsicherung weniger dynamisch zu als bei der Konkurrenz.

Fazit: Der Krisenschutz Gold gibt derzeit eine deutlich bessere Figur ab als der Rest.

Ausblick für die laufende Woche

An den Goldmärkten gab es in den vergangenen Wochen einen regelrechten Paradigmenwechsel zu beobachten. So hat sich der Preis für physisches Gold vom Papiergeld entkoppelt und kostet mittlerweile deutlich mehr.

Zum Wochenauftakt kostete eine Krügerrand-Goldmünze (eine Feinunze) 1.545 Euro bzw. 12 Prozent mehr als eine Feinunze Papiergold. Während dieser Preisunterschied gegenüber physisch hinterlegten Gold-ETFs übertrieben erscheint, kann man die Diskrepanz zu Gold-Futures durchaus nachvollziehen. 

Das viele Papiergold, das über Futures & Optionen gehandelt wird ist nämlich schlicht und einfach gar nicht vorhanden.

Für Gold-Futures werden zum Beispiel aktuell registrierte Goldbestände in Höhe von fast 1,8 Millionen Feinunzen gemeldet: 

Problem: Obwohl die Anzahl offener Kontrakte (Open Interest) laut aktuellem Commitments of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde CFTC in der Woche zum 17. März auf 573.900 Futures gefallen ist, repräsentiert dies einen „fiktiven Goldberg“ von über 57 Millionen Feinunzen. 

Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass hier irgendjemand leer ausgehen wird, falls die Inhaber der Kontrakte die Lieferung von Gold verlangen sollten. Wann der Verkaufsdruck an den Goldmärkten nachlassen und der Goldpreis wieder nach oben drehen wird, lässt sich angesichts der unkalkulierbaren Risiken derzeit nicht seriös einschätzen. 

Wer nicht gezwungen ist, Gold zu verkaufen, sollte es angesichts der sich beschleunigenden Schuldenexplosion lieber sein lassen.
Autor: Jörg Bernhard
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Kommentare [9]
  • von Karin Bernstein | 24.03.2020, 17:23 Antworten

    jetzt ist es für alle Käufer zu spät

    • von Steffi | 24.03.2020, 18:50 Antworten

      Zu spät wäre es m.E. erst, wenn es nichts mehr zu kaufen gibt. Das Angebot ist ja recht spärlich geworden und viele Münzhändler haben auch ihren online Verkauf eingestellt.
      Aber lieber hohe Preise bezahlen, als sein sauer verdientes Geld nachher nur noch zum Ofen anzünden verwenden zu können - so sehe ich das jedenfalls ;-)

      • von Bernstein Steffi | 24.03.2020, 20:21 Antworten

        Das Problem dabei, dass anonymer Kauf nicht mehr vorhanden ist. Selbst wer jetzt mehr zahlt für AU, hat die Gefahr mitgepachtet, dass es einem am Schluss nicht bleibt. Muss jeder selber wissen, ob er gleich den Ofen anzündet oder mit etwas Pech erst später.

        • von petersen | 26.03.2020, 14:14 Antworten

          wenn es soweit kommen sollte das mir quasi mein Gold "enteignet wird" dann muss der Staat mich auch definitiv dafür auszahlen und in diesen Szenario ist der " Auszahlungsbetrag" zig x höher als der bei Kauf ausgegebene da lege ich mich mal fest. Vor allem wie will den festgestellt werden ob mein Gold nicht zw.durch verloren geklaut oder weiterverkauft haben kann.. Ich weiss ja nicht in was Sie investieren aber in der Situation wo Gold quasi verstaatlicht werden soll sind Währen = 0 Wert und alles andere auch. Evtl sollten Sie mal in die Vergangenheit blicken 1918 gab es wohl die Goldmark mit einen GG.wert von 20 Mark , 1923 gabs für den gleichen Goldwert 1 Mrd... Ich denke also mal es wäre evtl sehr ratsam gewesen sich 1918 vielleicht 100 von den Dingern zuzulegen dann habe ich da wenigstens noch was bekommen .. Fü´r den GG.wert von 2000 Mark definitiv nix mehr. Und wenn der Staat das hätte konfizieren wollen hätte er das auch nicht für 2000 Mark bekommen , keiner würde das hergeben

          • von Bernstein Steffi | 26.03.2020, 23:47 Antworten

            Lesen Sie sich Ihren Kommentar noch einmal in Ruhe durch und denken darüber nach.
            Ihr Gedankenfehler: Sie gehen davon aus, dass der Eintreiber Ihnen die Wahl in der Preisgestaltung lässt und das führende System der Menschenrechte sie als Individuum noch mit einschließt. "Auszahlungsbetrag zig x höher" ist ein reiner Wunschgedanke. Da können Sie sich noch so sehr festlegen. Der Gegenpart wird sie wieder von da ganz oben runterholen und Ihnen ihre neuen Rechte mit etwas mehr Nachdruck vortragen. Sie haben dann die Wahl: Spuren oder massivste Konsequenzen tragen.
            Jeder Mensch hat seinen Preis, aber im Umkehrschluss ist jeder Mensch auch erpressbar.
            Wenn Sie schon in der Geschichte wühlen, dann vergessen Sie nicht die DDR mit der Stasi. Oder das Naziregime. Da wenn der richtige vor Ihrer Tür stand, war beten angesagt, dass Sie das passende zur Besänftigung liefern konnten.

  • von ich | 26.03.2020, 14:59 Antworten

    Vor vielen Jahren, als ich in die 1. Klasse gekommen bin und meine Eltern die Schulbücher selber zahlen mussten, da die Schule kein Geld hatte, hab ich mein Vater gefragt, warum man nicht einfach mehr Geld druckt, wenn es schon nicht reicht. Ich kann mich an die Antwort nicht mehr so richtig erinnern, nur das es nicht gehen würde. Heute ist die Frage eines kleinen Jungen, der keine Ahnung vom Finanzsystem hatte, Realität geworden. Und nun kann man live miterleben was dann passieren wird.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"