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Stand: 30.09.2026 von Hannes Zipfel
Gold und Silber stecken nicht nur in Münzen und Barren. Auch der Boom künstlicher Intelligenz baut auf ihre besonderen Eigenschaften. In Chips und Rechenzentren sichern sie zuverlässige Verbindungen und unterstützen die Wärmeabfuhr. Neue Analysen zeigen, wo zusätzliche Nachfrage entsteht und warum technischer Fortschritt ohne archaische Rohstoffe nicht möglich ist.
KI-Boom braucht Gold und Silber: Edelmetalle sind unverzichtbar

Gold und Silber:
Warum künstliche Intelligenz Edelmetalle braucht

Künstliche Intelligenz benötigt eine leistungsfähige physische Infrastruktur: Prozessoren, Speicher und Netzwerktechnik müssen Datenmengen zuverlässig verarbeiten. In ausgewählten Bauteilen übernehmen Gold und Silber dabei wichtige Aufgaben. Entscheidend sind ihre jeweiligen Materialeigenschaften und die Anforderungen am konkreten Einsatzort.

Gold zeichnet sich durch seine hohe Korrosionsbeständigkeit aus. Kontaktflächen und feine Verbindungen müssen auch langfristig zuverlässig funktionieren. Das Edelmetall lässt sich zu dünnen Drähten und Beschichtungen verarbeiten und leitet elektrischen Strom gut. In hochwertiger Elektronik wird es deshalb beispielsweise für Bonddrähte, Steckkontakte und Oberflächen eingesetzt. Silber wiederum besitzt eine besonders hohe elektrische und thermische Leitfähigkeit.

BildbescInfografik zu Gold und Silber in der KI-Technik mit einem zentralen Chip sowie Hinweisen zu Kontakten, Wärmeleitung und Chipverbindungenhreibung --> was es zu sehen gibt

Gerade bei komplexer KI-Hardware können Material-Entscheidungen erhebliche Folgen haben. Eine Verbindung ist zwar klein, erfüllt innerhalb des Systems aber eine wichtige Funktion. Es kommt deshalb darauf an, Materialkosten, Zuverlässigkeit und die technischen Anforderungen gegeneinander abzuwägen.

Louise Street und Trevor Keel vom World Gold Council (WGC) schreiben in ihrer Analyse vom 24. September 2026:

Wir glauben, dass hochwertige und sicherheitskritische Geräte weiterhin Gold benötigen werden.

Der Materialeinsatz bleibt dabei eine Kostenfrage. Die Autoren betonen zugleich, dass Hersteller den Goldeinsatz durch dünnere Schichten und alternative Materialien begrenzen. Gold kommt deshalb keineswegs überall zum Einsatz. Seine Verwendung richtet sich nach dem jeweiligen technischen Bedarf und der Bedeutung des Bauteils für die Gesamtinfrastruktur.

Eine zusätzliche Anwendung entsteht bei der optischen Datenübertragung direkt am Prozessor. Dabei sollen optische Komponenten enger mit der Rechentechnik verbunden werden, um Daten schneller und energieeffizienter zu übertragen. Gold wird in solchen Systemen unter anderem in Kontakten und bestimmten optischen Komponenten verwendet. Der KI-Boom benötigt immer mehr wichtige Hightech-Rohstoffe, wie Gold, Silber und Kupfer.

Wie vielfältig Edelmetalle genutzt werden, erläutert auch unser Beitrag Auswirkungen der KI auf die Edelmetallnachfrage.

Für die weitere Entwicklung der KI-Infrastruktur lohnt sich der Blick auf die unterschiedlichen Funktionen: Gold unterstützt beständige elektrische Verbindungen. Silber kann seine besonderen Stärken dort ausspielen, wo neben der Stromleitung auch die Wärmeabfuhr und belastbare Chipverbindungen gefragt sind. Kupfer ist essenziell für die gesamte Strominfrastruktur, bis hin zu Elektromotoren zur Kühlung (Kupferspulen).

Silber in KI-Rechenzentren:
Wie das Edelmetall Wärme ableitet

Mit der Rechenleistung steigt die Herausforderung, Wärme aus elektronischen Bauteilen abzuführen. In dicht bestückter Hardware müssen Verbindungen deshalb mehrere Aufgaben erfüllen: Bauteile mechanisch befestigen, elektrischen Strom übertragen und Wärme weiterleiten. Hier können silberbasierte Materialien ihre besonderen Eigenschaften ausspielen.

Ein Beispiel ist das Silbersintern. Dabei werden feine Silberpartikel durch Wärme und gegebenenfalls Druck zu einer zusammenhängenden metallischen Schicht verbunden. Das Silber muss dafür nicht vollständig schmelzen. Laut dem Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration können solche Verbindungen bereits bei Temperaturen um 200 °C entstehen. Der Schmelzpunkt von reinem Silber liegt hingegen bei etwa 961 °C..

Die entstehende Schicht kann einen Halbleiterchip mit seinem Träger verbinden und zugleich den Wärmetransport unterstützen. Das Verfahren wird insbesondere in der Leistungselektronik eingesetzt. Für Rechenzentren ist dabei nicht allein der KI-Prozessor interessant, sondern ebenso die Infrastruktur, die elektrische Leistung bereitstellt und verteilt.

Schematische Infografik eines Halbleiterchips auf einer gesinterten Silberschicht und einem Träger mit Pfeilen für den Wärmefluss

Wie belastbar Verbindungen sein können, zeigt eine Untersuchung von Hongqiang Zhang und Kollegen aus dem Jahr 2019. Die Forscher untersuchten silbergesinterte Verbindungen von Siliziumkarbid-Chips bei einer Hochtemperaturlagerung unter Luft. Mit einer zusätzlich aufgebrachten Silberschicht auf dem Träger überstanden die untersuchten Verbindungen mehr als 800 Stunden bei 350 Grad Celsius.

Auch außerhalb solcher Chipverbindungen spielt Silber eine Rolle: Oxford Economics nennt für Rechenzentren unter anderem Kontakte in Schaltern und Relais, Verbindungsmaterialien sowie Anwendungen zur Wärmeübertragung. Die Studie entstand im Auftrag des The Silver Institute und erschien im Dezember 2025.

Silber unterstützt somit an unterschiedlichen Stellen die Funktionsfähigkeit digitaler Infrastruktur. Es ersetzt jedoch keine vollständige Kühlanlage. Seine Aufgabe besteht dort, wo es eingesetzt wird, darin, Strom und Wärme effizient weiterzuleiten. Wie viel Silber der KI-Ausbau insgesamt benötigt, lässt sich aus einzelnen technischen Anwendungen allein noch nicht beziffern. Zumal die Verschmelzung von KI und Robotik weitere Anwendungsbereiche für Silber mit sich bringt: Spiegel, Sensoren, Kontakte, Beschichtungen etc.

Gold- und Silbernachfrage: Was der KI-Boom für Anleger bedeutet

Der Ausbau künstlicher Intelligenz eröffnet Gold und Silber zusätzliche Einsatzmöglichkeiten. Für Anleger zählt, wie stark diese Impulse die Nachfrage verändern. Mehr Rechenleistung bedeutet nicht automatisch einen proportional höheren Edelmetallverbrauch: Hersteller entwickeln kleinere Bauteile, dünnere Beschichtungen und günstigere Alternativen.

Das zeigt der Goldmarkt. Nach Angaben des World Gold Council (WGC) benötigte der Technologiesektor 2025 rund 323 Tonnen Gold, nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahr. Die Nachfrage aus der KI-Branche stützte den Verbrauch, während Materialeinsparungen und Miniaturisierung gegenläufig wirkten. Technische Bedeutung und mengenmäßiges Wachstum müssen deshalb getrennt betrachtet werden.

Laut Silver Institute fiel die industrielle Nachfrage nach Silber im Jahr 2025 sogar um drei Prozent auf 657,4 Millionen Unzen. Zwar lieferten KI-Infrastruktur, Fahrzeuge und Stromnetze positive Impulse. Im Solarsektor beschleunigten jedoch steigende Materialkosten und intensiver Wettbewerb die Einsparung und teilweise Ersetzung von Silber. Diese Entwicklung überwog die Zuwächse anderer Anwendungen.

Die genannten Mengen umfassen jeweils den gesamten Technologie- beziehungsweise Industrieverbrauch. Sie sind keine Verbrauchszahlen ausschließlich für künstliche Intelligenz. Gerade diese Unterscheidung verhindert, dass aus einer technischen Geschichte überzogene Nachfrageprognosen entstehen.

Auch die Angebotsseite bleibt entscheidend. Metals Focus und das Silver Institute prognostizierten im April ein erneutes Silbermarktdefizit von 46,3 Millionen Unzen für das Jahr 2026. Dabei erwarteten sie trotz sinkender Gesamtnachfrage einen Fehlbetrag. Ein solcher kann zunächst durch vorhandene Bestände gedeckt werden. Er bedeutet nicht, dass industriellen Abnehmern unmittelbar das Metall ausgeht.

Bei der Bewertung spielen der Verbrauch, die Förderung, das Recycling und die verfügbaren Lagerbestände eine Rolle. Der KI-Ausbau ist ein Bestandteil dieses Gesamtbildes. Seine Bedeutung lässt sich weder allein aus Investitionssummen für Rechenzentren noch aus spektakulären Materialtests ablesen.

Langfristig gesehen sprechen die wachsende digitale Infrastruktur und der Einsatz von KI für zusätzliche Einsatzfelder der beiden Edelmetalle. Silber kommt vor allem in den stark wachsenden Bereichen Elektromobilität, Robotik, Logistik, Medizin, Architektur (Hitzeschutz), Verteidigungstechnik sowie „New Space” zum Einsatz.

Wie groß der daraus entstehende Bedarf wird, hängt auch davon ab, welche Technologien sich durchsetzen und wie sparsam sie mit Material umgehen können.

Gold und Silber sind damit mehr als Anlageobjekte bzw. monetäre Edelmetalle: Sie gehören zum materiellen Fundament der digitalen Zukunft.


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Stand: 30.09.2026
geschrieben von:
Ökonom, Journalist mit Schwerpunkt Wirtschaft und Finanzmärkte
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