Stand: 11.09.2018 von Jörg Bernhard 15 Kommentare

Die Nerven von Gold- und Silberinvestoren wurden in diesem Jahr sehr strapaziert. Trotz diverser Krisenherde an verschiedenen Fronten hat Gold und Silber seit dem Jahreswechsel auf Dollarbasis 8,4 bzw. 16,6 Prozent verloren (siehe Tabelle unten).

Als Krisenwährung im Hintertreffen

Dass die beiden harten Währungen Gold und Silber derzeit nicht ihre Vorteile ausspielen können, hat folgende Gründe: Das Vertrauen in die weltweit besonders wichtigen Währungen großer Industrienationen und der Glaube an eine anhaltende Hausse bei Aktien und Immobilien sind derzeit einfach zu stark ausgeprägt. Doch in Ländern wie Argentinien, Brasilien, Südafrika und der Türkei bereitete der traditionelle Krisenschutz seinen Besitzern durchaus Freude. Die dortige Währungsschwäche hat Gold nämlich massiv verteuert und in manchen Krisenländern sogar zu neuen Rekordhochs geführt.

Auf Vermögensschutz bedachte Anleger sollten sich deshalb ungeachtet der schlechten Stimmung nicht verunsichern lassen und Investment in Gold und Silber als strategische Langfristposition betrachten.

Beide Edelmetalle litten in den vergangenen Monaten unter einer massiven Verkaufswelle großer Terminspekulanten (Non-Commercials) an den Terminmärkten. Woche für Woche veröffentlicht die US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) wichtige Daten über die Transaktionen der verschiedenen Marktakteure. Dieser zeigt an, wer optimistischer, wer skeptischer und wer pessimistischer geworden ist. So hat sich zum Beispiel bei großen Terminspekulanten (Non-Commercials) seit Mitte Juni die Netto-Long-Position (per Saldo optimistisch gestimmt) von fast 50.000 Kontrakten in eine Netto-Short-Position (per Saldo pessimistisch gestimmt) von fast 30.000 Futures verwandelt.

Bei Gold haben die Großspekulanten ebenfalls die Seite gewechselt und innerhalb von zweieinhalb Monaten aus einer Netto-Long-Position von über 120.000 Kontrakten eine Netto-Short-Position von rund 13.500 Futures gemacht. Gemessen daran, mag man die damit einhergegangenen Preisrückgänge beider Edelmetalle fast schon als relative Stärke interpretieren.

Gold und Silber im Vergleich

Jahrestief Jahreshoch aktuell Perf. (2018) Volatilitätsindex (CBOE)
Gold (USD) 1170,13 1359,88 1193,18 -8,40 % 11,30 %
Silber (USD) 14,12 17,70 14,12 -16,60 % 19,20 %
(Stand: 10.09.2018)

Miese Laune auch im ETF-Sektor

Physisch besicherte ETFs auf Gold und Silber mussten in den vergangenen Monaten zudem erhebliche Abflüsse verkraften. In dieses Bild passt die in der vergangenen Woche vom World Gold Council veröffentlichten Abflüsse globaler Gold-ETFs für den Monat August. Dabei kam folgendes zum Ausdruck: Vor allem nordamerikanische Investoren trennen sich derzeit im großen Stil von Gold-ETFs. Im August beliefen sich die Abflüsse aus dieser Region auf 44 Tonnen. In den drei Monaten zuvor gab es für die Monate Mai bis Juli bereits einen Aderlass von 30, 44 und 25 Tonnen zu vermelden.

Insgesamt stellten sich seit dem Jahreswechsel Abflüsse von über 64 Tonnen ein, während in Europa im selben Zeitraum Zuflüsse im Volumen von fast 48 Tonnen registriert wurden. Offensichtlich sind Anleger diesseits des Atlantiks deutlich risikoaverser eingestellt als jenseits des Atlantiks.

Oder anders ausgedrückt: Möglicherweise ist auf dem von Krisen und Kriegen gezeichneten Kontinent die Sorglosigkeit weniger ausgeprägt als jenseits des Atlantiks. Wer trotz des zweifellos widrigen Marktumfelds dennoch in Gold und Silber investieren möchte, sollte sich über die wichtigsten Eigenschaften der beiden Krisenwährungen jedoch bewusst sein.

Volatilität unbedingt berücksichtigen

Silber ist deutlich günstiger als Gold und wird häufig auch etwas despektierlich als "Gold des armen Mannes" bezeichnet. Zugleich fällt seine Kursschwankungsintensität (neudeutsch: Volatilität) erheblich höher als bei Gold aus. Diese mathematische Kennzahl gilt als anerkanntes Risikobarometer.

Dabei gilt: Je höher die Volatilität, desto attraktiver fällt auf der einen Seite die potenzielle Renditechance aus, zugleich nimmt andererseits aber auch das Verlustrisiko entsprechend zu. Wer beide Alternativwährungen bei der Vermögenssicherung nutzen möchte, sollte Gold stärker gewichten als Silber. Ein Verhältnis von 80 Prozent Gold zu 20 Prozent Silber scheint in diesem Zusammenhang eine sinnvolle Mischung zu sein.

Ausblick für die laufende Woche

In den kommenden Handelstagen dürften die Edelmetallpreise weiterhin vor allem vom Dollar stark abhängig sein. Dieser ist aufgrund der Unsicherheit in diversen Schwellenländern und der deutlich gestiegenen US-Renditen derzeit deutlich stärker gefragt als zins- und dividendenloses Gold und Silber, welches bei sicherer Lagerung nicht nur Opportunitätskosten (Zinsverzicht), sondern zusätzliche Lagerkosten verursacht. 

Solange Investoren das Papiergeld wichtiger Industrienationen als stabiles Wertaufbewahrungsmittel betrachten und spekulative Marktakteure die edlen Metalle via Futures verstärkt verkaufen, dürfte die Stimmung an den Gold- und Silbermärkten im Keller bleiben. Ob dieser Zustand zum Dauerzustand wird, darf allerdings bezweifelt werden. Neue Impulse könnte der Greenback am Donnerstag erfahren, falls die EZB bei ihrer Sitzung am Donnerstag in irgendeiner Weise überraschen sollte.

Gold und Silber im Härtetest
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
Weitere Beiträge:
MEISTDISKUTIERTE ARTIKEL
MEISTGELESENE ARTIKEL
Kommentar zum Artikel schreiben
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar zur Veröffentlichung auf gold.de gespeichert wird. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per Mail an [email protected] widerrufen.
Hier finden Sie unsere Datenschutzerklärung.
Kommentare [15]
  • von Horst Richard | 14.09.2018, 22:35 Antworten

    Erstmal ganz lieben Dank das ihr soviel Gratis zur Verfügung stellt.
    Ein paar Anmerkungen gibt es
    Die Tabellen sind nicht mobilefreundlich
    Die Texte sind etwas sehr lang im Mobile
    Ihr hattet bis vor kurzen immer wieder ein paar Auflockerungen drin, war besser zu lesen
    Die Bilder zu den Texten sind nicht wirklich interessant und laden auch nicht zu mehr ein
    Zum Autoren
    Ich persönlich finde ihren Stil sehr gut und nachvollziehbar, vielen Dank!
    Er animiert zum kauf und das werde ich jetzt auch tun und zwar den Klassiker unter den Goldenen

  • von cuno99 | 13.09.2018, 23:57 Antworten

    Nachkaufen sinnvoll, Enkelchen wirds danken, Kilo Koala z.B., günstig wie nie, sinnvolle Anlage und immer ein schönes Geschenk. Die Menschheit wächst rasant und i. d. Technik wird immer mehr Edelmetall benötigt.

  • von Minenfan | 13.09.2018, 06:43 Antworten

    Zu allen Artikeln hier. Ich finde sie recht verantwortungsvoll, nicht einseitig.
    Die gold.de handelt für mein Gefühl sehr seriös und sachkundig.
    Wie mein Name sagt beschäftige ich mich hauptsächlich mit Minen. Spekulativ kurzfristig und langfristig als Anlage. Auch mit keiner nennenswerten Dividende. Ich kaufe oft ein wenig zu früh und verkaufe zu bald. Aber ich bleibe mit meinem Portfolio im grünen Bereich.
    Ich glaube daß man Käufern von physischem Gold und Silber noch mehr dazu raten sollte das als eine dauerhafte Versicherung für schlechte Zeiten zu erwerben.
    Teilweise wird das ja hier auch betont, das finde ich gut. Physischer Kauf von Edelmetallen ist nicht lukrativ zum Handeln. Aber als Wertanlage unentbehrlich.
    Ich lese gerne Ihre Artikel und finde mich häufig bestätigt in meiner Einschätzung.
    Ich bedanke mich hier für das kostenlose Service das ich sehr zu schätzen weiß.

  • von Minenfan | 12.09.2018, 23:22 Antworten

    gut dieser Artikel realistisch. Bevor Gold richtig steigt geht es wahrscheinlich noch einmal ordentlich runter. Vielleicht auf 1120 USD,
    Ich investiere langsam in Minen, und kaufe nach.
    Ich rate für Sicherheit physisches Gold, Unzen, auch Silber. Nie verkaufen. Nachkaufen wenn es billiger wird. Anonym und nicht zur Bank.

  • von bling bling | 12.09.2018, 17:00 Antworten

    in der türkei und andernorts tut gold genau das was es soll.
    ich verstehe auch nicht warum ständig meine kommentare zensiert werden.
    bin sicher herr bernhard hätte das mit den 10 liegestützen als härtebeweis für goldbesitzer verstanden!

  • von Wilhelm Schmidthuber | 12.09.2018, 13:39 Antworten

    Ich habe all mein Gold, und das war eine Menge, im Dezember 2012 verkauft. Gottseidank!

    • von Minenfan | 12.09.2018, 23:27 Antworten

      Dann kaufe doch einen Teil zurück, es kommt wieder ein 2012

  • von Desch | 12.09.2018, 06:57 Antworten

    Es ist schade, daß man die Kurve im €-Au-Diagramm nicht extrapolieren kann (€-Ag auch nicht).

  • von Goldmex | 11.09.2018, 18:36 Antworten

    D.h., .....absolute Kaufgelegenheit jetzt?!?

    ;-)

    • von Minenfan | 13.09.2018, 03:35 Antworten

      Goldmex
      Kommt doch darauf an für was man es kauft.
      Als Absicherung gegen eine Geldentwertung ist es doch jetzt günstig. Vor allem in Euro! Alleine wenn der Euro eine Parität zum Dollar hätte würde sich der heutige Kauf günstig darstellen.
      Wenn beide Währungen an Kaufkraft verlieren dann ist es sicher eine gute Langzeitanlage. Man kann doch klein beginnen. Wenn es billiger wird kauft man ein paar Münzen nach und versteckt sie gut.
      Sollte eine wirkliche Krise kommen oder gemacht werden wird man dann gut beraten sein etwas Edelmetall zu besitzen.

    • von Wolga66 | 12.09.2018, 11:44 Antworten

      Wer zur Zeit Gold oder Silber kauft ist sehr mutig.
      Es geht weiter abwärts.

      • von Hercules | 12.09.2018, 14:14 Antworten

        Danke

        • von Goldmex | 12.09.2018, 21:04 Antworten

          Also...ich hab heute erstmal ne KR Unze dazugekauft...ganz wunderbar!

          Sehr guter Preis!

          • von Minenfan | 13.09.2018, 07:25 Antworten

            Goldmex, sehr gescheit ! Kaufe mit Plan, ohne Schulden bei fallenden Preisen einfach nach.
            Ich bin mir sicher Dir einen guten Rat zu geben.
            Auch wenn es wertlos dargestellt wird ist es die beste Vorsorge. Minen, die ich handle, können absolut wertlos werden, natürlich meist nur die Common shares. Der Wert der Firma wird neu aufgelegt.
            Da muß man wirklich gut analysieren.
            Aber bei Münzen kann Dir niemand ein Bein stellen.
            Die gehören nur Dir.
            Alles Gute !

    • von Arbli | 11.09.2018, 20:32 Antworten

      Ja!!!

Copyright © 2009-2018 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr. Sie betrachten die Seite: Gold.de - Gold und Silber kaufen im Preisvergleich

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany