Gold: 4.218,63 € 0,46 %
Silber: 84,41 € 3,17 %
Stand: 25.08.2025 von Hannes Zipfel
Die neue Börsenwoche bringt für Gold und Silber entscheidende Impulse. Wichtige Wirtschaftsdaten, vor allem aktuelle Inflationsdaten aus Deutschland und USA, könnten die Edelmetallpreise signifikant beeinflussen. Von zentraler Bedeutung sind zudem die Nachwirkungen des jüngsten Symposiums der US-Notenbank in Jackson Hole mit der Perspektive auf Zinssenkungen der FED im September.
Gold & Silber: Zinssenkungsfantasie trifft auf geopolitische Risiken

Speziell für Deutschland stehen neben frischen Inflationsdaten (Freitag) die beiden viel beachteten Konjunkturindikatoren ifo-Geschäftsklimaindex für August (Montag) und das GfK-Konsumklima für September (Mittwoch) im Fokus der Anleger.

Goldpreis mit konstruktiver Konsolidierung

Die Notierungen des gelben Edelmetalls können sich nach den starken Preisanstiegen im ersten Quartal 2025 auf neue Allzeithöchststände sowohl in Euro als auch in US-Dollar mit einem neuen nochmaligen Rekordstand im Juni auf hohem Niveau halten.

Die Konsolidierung nahe der Rekordstände spricht für die Nachhaltigkeit des Preisanstiegs. Ein ähnliches Muster konnte man im aktuellen Hausse-Zyklus bereits mehrfach beobachten:

Goldpreis Konsolidierungsphasen von 2024 bis 2025

Die Gemengelage aus wirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheit bietet für den sicheren Hafen Gold ein günstiges Umfeld als Vermögensabsicherung.

Aktuell liegen die Notierungen pro Feinunze (31,1g) am Spot-Markt bei knapp 3.363 US-Dollar und somit 13 US-Dollar mehr als am Montag der Vorwoche:

Goldpreis in US-Dollar

Nach wie vor dominieren militärische Auseinandersetzungen mit ungewissem Ausgang, der von den USA ausgehende globale Handelskrieg sowie die tektonischen Machtverschiebungen zugunsten des Globalen Südens die Nachfrageentwicklung.

Dabei gerät nun auch der wesentlich günstigere "kleine Bruder" des Goldes, das Silber, vermehrt in den Fokusprivater, institutioneller und seit langer Zeit auch wieder öffentlicher Anleger(Zentral- und Notenbanken, Staats-Fonds).

Silber rückt in den Fokus der Zentralbanken

Der Silberpreis setzt seine Erholung nach dem jüngsten Rücksetzer und nach Hinweisen auf Zinsanpassungen in den USA fort. Aktuell notiert das weiße Edelmetall nur wenig unter der 39-US-Dollar-Marke bei ca. 38,74 US-Dollar pro Unze:

Silberpreis in US-Dollar

Lange Zeit galt Silber als vernachlässigt.

Im Gegensatz zum beliebten Gold waren Zentralbanken über Jahrzehnte hinweg keine Käufer.

Die jüngste Trendwende markierte Russland: Ab Ende September 2024 kündigte die Regierung an, im Rahmen ihres Haushaltsplans über drei Jahre hinweg rund 51 Milliarden Rubel (ca. 535 Mio. US-Dollar) in Edelmetallreserven zu investieren – erstmals auch gezielt in Silber neben Gold und Platin.

Diese Entwicklung bleibt bislang selten: Auch die Zentralbank Saudi-Arabiens sowie die Royal Bank of Canada haben mittlerweile in Silber investiert – nach Russland zwei weitere Zentralbankakteure mit solch einem Schritt (Quelle: iShares):

Silberkäufe Saudi Arabien

Vor Russland hatte es seit Jahrzehnten keine bedeutenden Silberkäufe von Zentralbanken mehr gegeben, was den aktuellen Trend umso bemerkenswerter macht.

Deutschland verharrt im Rezessionsmodus

Bereits in der vergangenen Woche musste das Statistische Bundesamt in Wiesbaden (DeStatis) seine Daten für die Entwicklung des deutschen Brutto-Inlands-Produkts im Frühjahrsquartal von -0,1 Prozent auf -0,3 Prozent nach unten revidieren.

Zum Wochenauftakt wurden bereits rückläufige und unter den Erwartungen liegende Daten vom ifo-Institut in München zur aktuellen Lage der Unternehmen in Deutschland veröffentlicht (siehe Datenkalender unten).

Auch für das wichtige Konsumklima hierzulande ist noch kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Für die am Mittwoch zur Veröffentlichung anstehenden Daten für den September wird mit einem erneuten Negativwert von -21,3 Indexpunkten gerechnet. Vor der Corona-Pandemie lagen diese Werte relativ konstant bei um die 10 Index-Punkte:

Konsumklima für Deutschland

Zunächst sah es nach einer Erholung im Anschluss an die Aufhebung der Lockdown-Beschränkungen aus. Doch dann stürzten der Angriff Russlands auf die Ukraine, die folgenden 18 Sanktionspakete, die industriefeindliche Politik in Deutschland und der eskalierende globale Handelskrieg den Konsum hierzulande erneut in die Depression.

Nachlese zu Jackson Hole

Das Jackson‑Hole‑Symposium (21.–23. August) war ein zentraler Katalysator für die gesamten Finanzmärkte, aber auch für die Edelmetallpreise, im positiven Sinne.

Gold und Silber reagierten am Freitag mit einem Kurssprung auf die mit Hochspannung erwartete Rede des US-Notenbankchefs Jerome Powell in Jackson Hole, Wyoming. Er betonte, dass die Risiken am Arbeitsmarkt beginnen, die Inflationsrisiken in ihrer Bedeutung für zukünftige Zinsanpassung zu übersteigen. Dies interpretierte die Mehrheit der Marktteilnehmer als Hinweis auf weiter sinkende Zinsen auch in den USA.

Für die zinslosen Edelmetalle ein positives Signal.

Gemäß dem CME‑FedWatch-Tool sehen die Marktteilnehmer an den US-Future-Märkten aktuell eine 71-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine US-Zinssenkung nach der Sommerpause im September.

Wichtige Termine für den Goldpreis in der Kalenderwoche 34

  • Montag, 25. August: Ifo-Geschäftsklima-Index Deutschland „aktuelle Lage“ (akt.: 86,4 | e: 86,7 | Juli: 86,5), US-Verkäufe neuer Häuser im Juli (16.00 Uhr MESZ | e: 635k | Juni: 627k).

  • Dienstag, 26. August: Verbraucherpreis-Index (VPI) Japan für Juli im Jahresvergleich (7:00 Uhr MESZ | e: 2,4 % | Juni: 2,3 %), US-Verbrauchervertrauen (CB) für August (16:00 Uhr MESZ | e: 96,3 | Juli: 97,2).

  • Mittwoch, 27. August: GfK-Konsumklima-Index Deutschland für September (8:00 Uhr | e: -21,3 | Aug.: -21,5).

  • Donnerstag, 28. August: EZB-Protokoll der letzten Zinssitzung (13:30 Uhr), US-Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung für die KW 34 (14:30 Uhr MESZ | e: 231k | KW 33: 235k), US-Brutto-Inlandsprodukt Q2`2025 (14:30 Uhr MESZ | e: 3,0 % | Q1: -0,5 %).

  • Freitag, 29. August: Einzelhandelsumsätze Deutschland für Juli zum Vormonat (8:00 Uhr | e: -0,2 % | Juni: 1,0 %), vorl. Verbraucher-Preis-Index (VPI) Deutschland für August im Jahresvergleich (14:00 Uhr | e: 2,1 % | Juli: 2,0 %), US-PCE-Preisindex (Kern-Inflationsrate) für Juli im Jahresvergleich (14:30 MESZ | e: k. A. | Juni: 2,8 %), Terminmarktdaten der US-Aufsichtsbehörde CFTC (COT-Report) für Gold, Silber & Co. (21:30 Uhr MESZ).

Details zu den Daten, Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.

Fazit: Gold und Silber zwischen Zinssenkungsfantasie, Handelskrieg und geopolitischen Risiken

Die KW 35/2025 markiert für Anleger in Gold und Silber eine entscheidende Weggabelung: Während das Jackson-Hole-Symposium den Märkten eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Lockerung der US-Geldpolitik ab September vermittelt hat, bleibt die geopolitische Lage angespannt.

Der globale Handelskrieg zwischen großen Wirtschaftsblöcken – insbesondere zwischen den USA, China und Teilen Europas – sorgt für anhaltende Unsicherheit über Lieferketten, Wachstumsperspektiven und Währungsrelationen.

Gleichzeitig wirft das demnächst anstehende Treffen der „Shanghai 10” mit UN-Generalsekretär António Guterres ein Schlaglicht auf die tektonischen Verschiebungen der Weltordnung: Kooperation und Blockbildung laufen parallel, wodurch sich das Risiko unvorhersehbarer Marktreaktionen erhöht.

Für Gold und Silber bedeutet dies ein doppeltes Spannungsfeld: Einerseits übt eine mögliche Senkung der US-Zinsen Druck auf den US-Dollar aus und stützt die Edelmetallpreise.

Andererseits sorgen geopolitische Risiken und Handelskonflikte dafür, dass die Nachfrage nach sicheren Häfen hoch bleibt.

Anleger sollten sich daher auf erhöhte Volatilität einstellen – mit kurzfristigen Chancen bei Schwächephasen, aber auch mit der Gewissheit, dass die fundamentalen Stützen für Gold und Silber mittelfristig intakt bleiben.

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Stand: 25.08.2025
geschrieben von:
Ökonom, Journalist mit Schwerpunkt Wirtschaft und Finanzmärkte
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