Gold: 3.943,21 € -0,75 %
Silber: 75,21 € -6,09 %
Stand: 01.09.2025 von Hannes Zipfel
Die euroatlantische Weltordnung steht auf der Kippe, Trumps Zollpolitik versinkt im juristischen Chaos, Friedenshoffnungen in der Ukraine gehen in Rauch auf und die US-Notenbank FED steht unter Dauerbeschuss der US-Regierung. Als würde das noch nicht ausreichen, droht mit der Regierungskrise in Frankreich eine Eurokrise 2.0. Die Edelmetalle haben eine erneut hochspannende Woche vor sich, mit dem Potenzial neuer Allzeit- bzw. zyklischer Höchststände bei Gold bzw. Silber als "Sichere Häfen".
Gold und Silber nehmen Höchststände ins Visier

Gold und Silber - Ausbruch an allen Fronten

Eskalationen, wohin man schaut: geopolitisch, fiskalpolitisch und geoökonomisch – mehr Unsicherheit geht kaum und das befeuert die sicheren Häfen.

In dieser Woche stehen mit wichtigen Konjunkturdaten (siehe Tabelle unten) und ebenso bedeutenden Ereignissen Termine auf der Agenda, die das Potenzial haben, die Preise für Gold und Silber weiter nach oben zu schrauben.

Aktuell liegen die Notierungen pro Feinunze (31,1g) am Spot-Markt bei ca. 3.471,50 US-Dollar und somit auf Tagesschlusskursbasis auf Rekordniveau:

Goldpreis in US-Dollar p. oz

Lediglich am 22. April 2025 notierte der Preis des gelben Edelmetalls intraday (im Tagesverlauf) mit 3.500,05 US-Dollar höher.

Der Silberpreis erreicht zum Wochenauftakt mit ca.40,55 US-Dollar pro Unze am Spot-Markt ein den höchsten Stand seit 2011 und somit ein 14-Jahres-Hoch:

Silberpreis in US-Dollar p. oz

Damit scheint die jüngste Konsolidierungsphase bei dem weiß glänzenden Hightech-Metall abgeschlossen zu sein. Nun bleibt abzuwarten, wie nachhaltig der Ausbruch ist.

Über der bisherigen Allzeithoch-Rekordmarke von ca. 50 US-Dollar pro Unze könnte sich das "Mindset" pro Silber ändern. Zumal das Gold-Silber-Ratio nach wie vor bei hohen 85,6 liegt (85 Unzen Silber für 1 Unze Gold).

Damit ist Silber heute deutlich preiswerter in Relation zu Gold als beim letzten Hoch am 28. April 2011 (Gold-Silber-Ratio damals: 31,5).

Gold-Silber-Ratio Entwicklung 1973-2025Entwicklung Gold-Silber Ratio inkl. Durchschnitt

BRICS-Block zeigt seine Muskeln

Beim Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) in Tianjin demonstrierten die Mitgliedsstaaten am Wochenende Geschlossenheit – ein deutliches Signal auch in Richtung Westen. Besonders auffällig war die demonstrative Nähe zwischen dem indischen Premierminister Narendra Modi und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und Gastgeber Xi Jinping, der den Westen vor einer Rückkehr zu starren Blockkonfrontationen nach Art des Kalten Krieges – wohlwissend, dass der Westen längst genau in diese Richtung marschiert.

Putin nutzte das Forum, um eine Abkehr von einer eurozentrischen und euroatlantischen Weltordnung zu fordern.

Das bisher dominierende Modell habe sich überlebt, so der Kremlchef.

Die Zukunft gehöre einer multipolaren Struktur, die die Interessen „eines maximal großen Kreises an Ländern“ berücksichtige und ausgewogen vertrete. In diese Vision ordnete Putin auch die SOZ ein, deren Schwerpunkt sowohl auf der inneren Sicherheit der Mitgliedsstaaten als auch auf dem Schutz der Außengrenzen liegt.

Doch hinter den diplomatischen Gesten verbirgt sich weit mehr als nur symbolische Politik: Mit der BRICS+-Gruppe, zu der neben den Gründungsstaaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika mittlerweile auch Länder wie Saudi-Arabien, Ägypten, Äthiopien, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate sowie das NATO-Mitglied Türkei stoßen – entsteht ein ökonomischer Block, der in seiner gesamten Wirtschaftsleistung die G7 bereits überholt hat.

Während die G7-Staaten rund 30 % der globalen Wirtschaftsleistung repräsentieren, liegt der Anteil von BRICS+ inzwischen bei über 36 % – Tendenz steigend.

Noch deutlicher wird das Bild bei den Konsummärkten: Während die USA und die EU zusammengenommen auf gut 1 Milliarde Konsumenten kommen, umfasst die BRICS+-Welt rund 3,5 Milliarden Menschen – also den überwältigenden Teil der globalen Nachfrage.

Ökonomischer Verglaich: G7 vs. Brics+(Quelle: International Monetary Fund; IMF, World Economic Outlook 2025)

Die Ironie der Geschichte: Gerade die US-Handelspolitik mit ihren Strafzöllen und Embargos trägt dazu bei, dass sich der „globale Osten und Süden“ enger zusammenschließen. Was in Washington als Schutzmaßnahme gedacht war, wirkt wie ein Katalysator für neue Allianzen. Selbst der US-Vizepräsident J. D. Vance warnte kürzlich, dass die Vereinigten Staaten durch ihre Politik

„Verbündete zu Rivalen machen“.

Das Signal aus Tianjin ist daher eindeutig: Der BRICS-Block formiert sich nicht nur militärisch-strategisch, sondern vor allem auch ökonomisch als Gegengewicht zum Westen. Und je mehr der Westen Druck ausübt, desto fester rücken die Staaten des globalen Südens und Ostens zusammen – mit wachsendem Gewicht auf der Weltbühne.

Interessant für Edelmetallanleger: zur Etablierung eines eigenen Finanzsystems und ihrer Währungen als solide Devisenreserven saugen sich die Staaten des globalen Südens mit Gold und neuerdings im Falle Russlands und Saudi-Arabiens auch mit Silber voll.

Eurokrise 2.0?

Ein Ereignis wirft an den wichtigen Märkten für Eurostaatsanleihen und an den Devisenmärkten bereits jetzt seine Schatten voraus: Nächste Woche, am 8. September 2025, stellt sich Frankreichs Premierminister François Bayrou (MoDem, Teil des präsidentiellen Lagers Ensemble) der Vertrauensfrage in der Assemblée Nationale.

Auslöser ist sein strikter Sparkurs in Höhe von ca. 44 Mrd. Euro und Steuermaßnahmen, mit denen er das Defizit zügig senken will. Präsident Emmanuel Macron stützt den Kurs, doch die Fronten im Parlament sind verhärtet. Selbst Parlamentspräsidentin Yaël Braun-Pivet (Renaissance) forderte Bayrou auf, besonders umstrittene Punkte wie die Streichung zweier Feiertage fallen zu lassen.

Auf der einen Seite steht nun die Minderheitsregierung Bayrou (Ensemble: Renaissance, MoDem, Horizons). Auf der anderen Seite kündigten sowohl das linke Bündnis NFP (LFI, PS, EELV, PCF) als auch die Rassemblement National (RN) an, gegen Bayrou zu stimmen – ein seltenes Zusammenrücken der politischen Gegenspieler von links außen bis rechts außen. Die bürgerlich-konservativen LR sind gespalten und damit Zünglein an der Waage.

Seit der Neuwahl 2024 ist die Kammer dreigeteilt: NFP mit 180 Sitzen, Ensemble mit 159, RN mit 142, LR mit 39 (Mehrheit: 289). Für das Überleben genügt die Mehrheit der abgegebenen Stimmen – Enthaltungen zählen nicht, doch rechnerisch fehlen Bayrou verlässliche Partner.

Wahrscheinlicher Ausgang: Quer durch seriöse Medien und Research-Häuser gilt Bayrous Niederlage als wahrscheinlich. Der Schritt zur Vertrauensfrage wird überwiegend als Versuch gesehen, eine drohende Abwahl per Misstrauensvotum zuvorzukommen – mit ungewissem Erfolg. Aber was passiert bei einem Scheitern?

  • Rücktritt der Regierung und Ernennung eines neuen Premiers durch Macron; zunächst bliebe ein sog. „Caretaker-Kabinett“ im Amt.
  • Neuwahlen wären auch eine Option – politisch riskant, juristisch möglich, doch auch ein überparteiliches/technokratisches Kabinett steht im Raum.

Der Haushalt 2026 käme zudem ins Rutschen. Paris müsste Brüssel dennoch einen glaubwürdigen Pfad unter den EU-Defizitregeln liefern. Kurz: Das politische Risiko in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone bleibt aktuell sehr hoch, egal wer übernimmt.

Frankreichs Staatsverschuldung von über 3,3 Bio. Euro, das Defizit liegt je nach Schätzung bei 5½ bis 6 % des BIP. Die 10-jährigen OAT-Renditen (französische Staatsanleihen) sind zuletzt kräftig gestiegen, der OAT-Bund-Spread weitete sich in Richtung 70–80 Basispunkten zu den Bundesanleihen Deutschlands aus.

Teils notierten OATs über griechischen und portugiesischen Staatsanleiherenditen – ein Fanal, wie skeptisch Investoren geworden sind.

Eine weitere politische Eskalation könnte die Refinanzierung verteuern, das Bankensystem belasten und Ansteckungsrisiken Richtung Italien/Spanien erhöhen – der klassische Nährboden für eine „Eurokrise 2.0“.

Die EZB hätte zwar Instrumente (TPI/PEPP-Reinvests) gegenzusteuern, doch diese wirken nur, wenn die Fiskalpolitik planbar und der strauchelnde Kandidat kein finanzielles Schwergewicht wie Frankreich ist.

Noch ein Hinweis in eigener Sache:

Der Tag des Goldes

GOLD.DE initiiert den 7.9. als neuen Branchentag für echte Werte.

Der 7. September ist bewusst gewählt: Dieses Datum steht für die Ordnungszahl 79 des Elements Au (lat. aurum = Gold). Als führende Vergleichsplattform für Edelmetallpreise etablieren wir diesen neuen Aktionstag als Zeichen für Vertrauen in echte Werte und als Impuls für mehr Sichtbarkeit von Gold in Gesellschaft, Medien und Handel.

Jedes Jahr widmen wir den Tag des Goldes einem Schwerpunkt, der die Vielseitigkeit und Bedeutung des Edelmetalls beleuchtet. Zum Auftakt steht Nachhaltigkeit im Mittelpunkt – genauer gesagt:

Gold im Kreislauf der Zukunft

Namhafte Experten und Autoren werden das edle Metall und dessen Gewinnung sowie Verwendung unter diesem Punkt für Sie detailliert beleuchten.

Mehr dazu in Kürze!

Wichtige Termine für den Goldpreis in der Kalenderwoche 34

Besonderes Augenmerk sollten Edelmetallanleger neben den oben erwähnten Entwicklungen in dieser Woche auf das Highlight der ökonomischen Datentermine am Freitag, die US-Arbeitsmarktdaten (ADP), die Zahl offener Stellen in den USA am Mittwoch (JOLTs) sowie die Daten des privaten US-Lohnabwicklers ADP legen.

Montag, 1. September: US-Feiertag (Labor-Day; Tag der Arbeit), Einkaufsmanager-Index Deutschland für das Verarbeitende Gewerbe im August (akt.: 49,8 | e: 49,9 | Juli: 49,1), EZB-Präsidentin Christine Lagarde äußert sich zur Konjunktur im Euroraum sowie zu den Inflationsaussichten und der aktuellen Geldpolitik.

Dienstag, 2. September: Vorl. Verbraucherpreis-Index (VPI) im Euroraum für August (11:00 Uhr | e: 2,0 % | Juli: 2,0 %), US-Einkaufsmanagerindex (ISM) für August im der Industrie (16:00 Uhr MESZ | e:48,9 | Juli: 48,0).

Mittwoch, 3. September: Offene Stellen in den USA (JOLTS) im Juli (16:00 Uhr MESZ | e: 7,240 Mio. | Juni: 7,437 Mio.).

Donnerstag, 4. September: US-ADP-Beschäftigungsänderungen im privaten Sektor im August (14:15 Uhr MESZ | 71k Stellen | Juli: 104k Stellen), US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der KW 35 (14:30 Uhr MESZ | e: 229k | KW 34: 229k).

Freitag, 5. September: US-Beschäftigung der Landwirtschaft (NFP) im August mit diversen Unterkomponenten (14:30 Uhr MESZ | e: 74k | 73k) – hohe Bedeutung für die in der kommenden Woche erwartete US-Zinssenkung, Terminmarktdaten der US-Aufsichtsbehörde CFTC (COT-Report) für Gold, Silber & Co. (21:30 Uhr MESZ).

Details zu den Daten, Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.

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Stand: 01.09.2025
geschrieben von:
Ökonom, Journalist mit Schwerpunkt Wirtschaft und Finanzmärkte
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von Fahne im Wind | 01.09.2025, 21:33 Uhr Antworten

Die Defizitregeln sind genauso beugbar wie die Erbschaftssteuer. Und dort redet kaum einer von Freibeträgen, die ohnehin längst nach oben an die Inflation hätten angepasst werden sollen.

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