Stand: 06.05.2017 von Egmond Haidt 0 Kommentare

Die Korrektur beim Goldpreis hat sich deutlich ausgeweitet. Umso stärker richtet sich der Blick der Investoren auf die US-Notenbank und auf US-Präsident Donald Trump. Wo könnte der Goldpreis einen Boden finden?

Tiefschlag für den Goldpreis nach der jüngsten Sitzung der US-Notenbank: Sie gab sich zuversichtlich, dass die aktuelle Konjunkturschwäche schon bald vorüber gehen werde. Zudem entwickle sich der Arbeitsmarkt erfreulich, während die Inflation nahe am Zwei-Prozent-Ziel der Fed liege.

Damit hat Fed-Chefin Janet Yellen signalisiert, dass sie ihren Zinserhöhungskurs unbeirrt fortsetzen wolle, woraufhin der Dollar und die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen deutlich gestiegen waren, und damit die Goldpreisentwicklung deutlich nach unten gedrückt haben.

Woher der Optimismus der Fed für die US-Wirtschaft kommt, bleibt allerdings deren Geheimnis. So war die Wirtschaft im ersten Quartal um lediglich 0,7 Prozent annualisiert gewachsen. Das war der niedrigste Wert seit dem ersten Quartal 2014 und gleichzeitig der niedrigste Wert in einem Zinserhöhungsumfeld seit dem Jahr 1980. Seit 1980!

US-Wirtschaft bleibt schwach

Wie soll es denn in den nächsten Quartalen zu der erwarteten kräftigen Konjunkturerholung kommen? Zwar dürfte es nach dem miserablen ersten Quartal zu einem Aufholeffekt im zweiten Quartal kommen.

Allerdings dürfte US-Präsident Donald Trump frühestens zur Jahresmitte ein paar Details für seine Steuerreform vorlegen, woraufhin sie erst am Jahresende verabschiedet werden dürfte. Damit werden die für die schwächelnde Wirtschaft notwendigen Konjunkturimpulse auf absehbare Sicht ausbleiben.

Das Letzte was die Wirtschaft in dem Umfeld brauchen kann, sind steigende Zinsen. Zuletzt haben einmal mehr die schwachen Zahlen zum US-Autoabsatz für April gezeigt, dass sich die Lage dieser für die US-Wirtschaft so wichtigen Branche zusehends verschlechtert.

Die Talfahrt der Aktien des zweitgrößten US-Autoherstellers Ford spricht Bände. Viele Mitarbeiter der US-Autohersteller sollten sich besser darauf einstellen, dass die Sommerferien in den Werken in diesem Jahr deutlich länger ausfallen dürften als üblich.

Fed will Luft aus den Blasen der Aktien- und Immobilienmarkt lassen

Mit ihrer Zinserhöhungsserie spielt Yellen ein gefährliches Vabanquespiel. Denn trotz der zusehends schwachen US-Konjunkturdaten ist die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung bei der Sitzung am 14. Juni auf mehr als 90 Prozent nach oben geschossen.

Damit scheint die zweite Erhöhung in diesem Jahr ausgemachte Sache zu sein. Weshalb erhöht die Fed die Zinsen trotz der schwächelnden Konjunktur? Dafür dürfte es nur einen Grund geben: Die Fed möchte versuchen, etwas Luft aus den enormen Blasen am Aktien- und Immobilienmarkt herauszulassen.

So liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des S&P500 bei 18,4 und damit meilenweit über dem langjährigen Durchschnitt von elf bis zwölf, was dem langfristigen Gewinnwachstum der Unternehmen des S&P500 entsprach.

Gleichzeitig gibt es wieder eine enorme Blase am US-Immobilienmarkt. Infolgedessen ist das Nettovermögen der privaten Haushalte der USA trotz der Schuldensause der vergangenen Jahre stark gestiegen.

Aktuell beläuft sich das Nettovermögen auf 650 Prozent des verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte. Das ist ein Rekordwert. Der langfristige Schnitt liegt hingegen bei lediglich 500 Prozent. Das Problem ist, dass es enorm schwierig ist, aus so massiven Blasen etwas Luft herauszulassen, ohne dass sie platzen.

Vielmehr wächst mit jeder Zinserhöhung die Gefahr, dass die Blasen mit einem großen Knall platzen, was der Anleihenmarkt klar signalisieren würde. In dem Umfeld dürften gerade die Zinsen für zehnjährige US-Staatsanleihen nach unten rauschen. Daher gilt es für Anleger das genau im Auge zu behalten.

Trump will schwachen Dollar und niedrige Zinsen

Yellen hat allerdings noch ein weiteres Problem: Trump. Er hat klargemacht, dass er einen schwachen Dollar und niedrige US-Zinsen wünscht. Yellens Zinserhöhungen, die den Dollar nach oben treiben, dürften Trump daher ziemlich erzürnen.

Das könnte Yellen allerdings ziemlich egal sein, weil sie wissen dürfte, dass sie unter Trump wohl kaum eine Chance auf eine zweite Amtszeit haben dürfte, wenn die erste im Januar 2018 endet.

Die Zinserhöhungen der US-Notenbank dürften den Dollar und die US-Zinsen weiter nach oben treiben und damit zumindest kurzfristig für weiteren Druck auf den Goldpreis sorgen. Gleichzeitig hat sich das charttechnische Bild deutlich eingetrübt, nachdem der Goldpreis in Dollar unter die 50-Tage-Linie von 1.250 Dollar je Unze gerutscht ist.

Damit rückt die 100-Tage-Linie bei 1.220 Dollar rapide näher. Wann und wo der Goldpreis einen Boden finden könnte, ist derzeit nicht vorhersagbar. Die mittelfristigen Perspektiven für den Goldpreis sind aber weiterhin gut.

Goldpreis in Dollar (USD) von 1973 bis aktuell 2017

Denn wenn die US-Konjunkturdaten weiterhin schwach bleiben sollten, könnten der Dollar und die US-Zinsen allmählich nach unten drehen, zumal wenn Trump und sein Finanzminister Steven Mnuchin erneut betonen sollten, dass sie auf einen schwachen Dollar und niedrige Zinsen setzen.

Zudem wird es auf die weitere Politik der Fed ankommen. Sollte sie mit weiteren Zinserhöhungen die Blase bei Aktien und Immobilien tatsächlich zum Platzen bringen - wie bei der 2008/09er-Krise -, dürfte der sichere Hafen Gold sehr gefragt sein.

Gold: US-Notenbank setzt Zinserhöhung fort
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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