Stand: 03.08.2018 von Egmond Haidt 14 Kommentare

Nach der Vorlage der Zahlen zum US-Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal hat US-Präsident Donald Trump betont, der US-Wirtschaft gehe es besser als je zuvor. Ein Blick auf ein paar einfache Zahlen zeigt allerdings, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Dennoch notiert der Goldpreis in der Nähe des 13-Monats-Tiefs.

Der Rückgang des Goldpreises scheint kein Ende zu nehmen: Die Spekulanten am Futures-Markt finden jeden Tag irgendeinen Grund, um Gold-Futures zu verkaufen. Mal ist es der steigende Dollar, mal die steigenden US-Zinsen, oder der Anstieg am US-Aktienmarkt.

Zuletzt sorgte die jüngste Sitzung der US-Notenbank Fed für Gegenwind bei der Notierung des Edelmetalls. Auf der Sitzung hatte die Fed die Einschätzung für die Konjunktur von „solide“ auf „stark“ angehoben.

Das ist für viele Investoren das Signal, dass die US-Notenbank mit ihren Zinserhöhungen und dem Verkauf von Staats- und Hypothekenanleihen weitermachen werde, selbst wenn es zu Turbulenzen am Aktienmarkt kommen sollte.

Trump lässt sich für starkes Wirtschaftswachstum feiern

Noch viel euphorischer als die Fed ist US-Präsident Donald Trump. Nach der Vorlage der Zahlen zum Wirtschaftswachstum für das zweite Quartal hat Trump gesagt, die US-Wirtschaft sei

„besser als je zuvor.“

Welch absurde Behauptung! Zwar ist die Wirtschaft im zweiten Quartal um annualisiert 4,1 Prozent gewachsen – das war das stärkste Wachstum seit dem dritten Quartal 2014.

Allerdings hat Trump „vergessen“ zu erwähnen, worauf das Wachstum einzig und allein beruht: auf einer Schuldenexplosion des Staates, der privaten Haushalte und der Unternehmen. So sind die Staatsschulden zum Ende des zweiten Quartals auf 21,2 Billionen Dollar gestiegen – dass das ein weiterer Rekord ist, versteht sich von selbst. Gleichzeitig hat das Wirtschaftsministerium eine Revision der Daten zum Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre durchgeführt.

Daten zum Wirtschaftswachstum werden immer nur in eine Richtung revidiert

Raten Sie mal was dabei rausgekommen ist? Die Zahlen für jedes einzelne Jahr zwischen 2012 und 2017 sind nach oben korrigiert worden. Bei der Revision der Daten gilt nur eine einzige Regel: Sie werden immer nach oben revidiert.

Die Folge:

Die Wirtschaftsleistung für diese sechs Jahre ist mit einem einzigen Federstrich um insgesamt 505,3 Mrd. Dollar nach oben korrigiert worden. 505,3 Mrd. Dollar!

Warum werden die Daten ständig revidiert? Damit die Verschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung nicht mehr ganz so schlimm aussieht wie vorher – das ist der einzige Grund. Dennoch sieht die Lage unschön aus: denn die Verschuldung lag am Ende des zweiten Quartals 2018 bei 103,9 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung.

Das Problem ist, dass die Kennzahl Schulden zu Wirtschaftsleistung überhaupt nichts darüber aussagt, ob die Schulden langfristig tragfähig sind. Dazu muss man auf eine andere Kennzahl schauen: Man muss die Schulden durch die Steuereinnahmen dividieren, denn der Staat kann die Zinsen für seine gigantischen Kredite eben nicht mit der Wirtschaftsleistung bezahlen, sondern nur mit den Steuern und Gebühren, die er einnimmt.

US-Wirtschaft steht schlechter da als je zuvor

Dabei sieht die Lage wie folgt aus: Im ersten Quartal – die Zahlen zum zweiten Quartal liegen noch nicht vorlagen die Steuern auf Bundesebene bei einem aufs Jahr hochgerechneten Wert von 1,9 Billionen Dollar, während die US-Staatsschulden Ende März bei 21,09 Billionen Dollar lagen.

Damit beliefen sich die Schulden auf das 11,1 fache der Wirtschaftsleistung – das ist absoluter Negativrekord. Im zweiten Quartal 2008 lag der Wert beispielsweise bei 6,3, im zweiten Quartal 2000 bei 4,4. Entgegen Trumps Behauptung beweisen diese Zahlen, dass es der US-Wirtschaft schlechter geht als jemals zuvor. Schlechter als jemals zuvor!

Deutschland baut weiter Schulden ab

Zum Vergleich die Zahlen für Deutschland: 2017 sind die Schulden von Bund und Ländern um insgesamt 42,1 Mrd. Euro auf 1,97 Billionen Euro gesunken. Damit belaufen sich die Schulden auf lediglich das 2,9 fache der Schulden von Bund und Ländern. Welches Land steht nun besser da? Die USA mit einem verheerenden Wert von 11,1 oder Deutschland mit 2,9?

Der Anleihenmarkt spricht jedenfalls eine unmissverständliche Sprache: die Zinsen für 10jährige Bundesanleihen liegen bei lediglich 0,5 Prozent, wenngleich sie durch die Anleihenkäufe der EZB etwas verzerrt sind.

Hingegen liegen die Zinsen für 10jährige US-Anleihen bei 3,0 Prozent. Angesichts des gigantischen Schuldenbergs und der von Trump geplanten weiteren Schuldenexplosion – die Neuverschuldung soll soweit das Auge reicht bei mehr als 1,0 Billionen Dollar pro Jahr liegen – sind die US-Zinsen viel zu niedrig.

Nur weil Investoren davon ausgehen, dass die Fed in der nächsten Krise noch viel mehr Geld drucken dürfte als während der jüngsten Krise sind die Zinsen nicht viel höher.

Niemand kann vorhersagen, wie weit es bei der Goldpreisentwicklung noch abwärts gehen könnte. Fakt ist aber, dass es der US-Wirtschaft schlechter geht als jemals zuvor. Vor dem Hintergrund kann sich jeder selbst überlegen, ob er einen Teil seines Geldes in Gold anlegen möchte.  

Gold – US-Wirtschaft ist in schlechterem Zustand als je zuvor
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [14]
  • von Fritzthecat | 10.08.2018, 17:57 Antworten

    Klasse! Funktioniert wieder

  • von Fritzthecat | 10.08.2018, 16:57 Antworten

    Frage an Redaktion: Was ist denn mit der Tageschartanzeige beim Gold los? Tut schon seit Tagen nicht mehr.

  • von Baumann | 06.08.2018, 08:35 Antworten

    Die Aufteilung in verschiedene Anlageklassen war bisher noch nie falsch. Diversifizierung senkt das Risiko und ehöht im Krisenfall die Beweglichkeit. Es ist aber keinesfalls erfreulich, wenn es der US-Wirtschaft schlechter als jemals zuvor geht. Die einzig verbliebene militärische Supermacht wird nicht langsam beerdigt werden. Die einschlägigen Führungsschichten der USA werden mit hoher Sicherheit wie bei allen zurückliegenden Schwierigkeiten eine Kriegslösung suchen und finden. Diesen Krieg werden wir alle wieder bezahlen dürfen. Für mich ein zusätzlicher Grund den schmutzigen Nutznießern einen erheblichen Teil meiner Rücklagen zu entziehen und in Sachanlagen zu investieren. Selbstverständlich außerhalb der USA und auch nicht in Israel. Es sind die beiden Länder, die seit Jahrzehnten dauerhaft Kriege führen und ständig neue Kriege provozieren.

    • von Fritzthecat | 06.08.2018, 17:14 Antworten

      Klug gedacht und geschrieben! Genau diese Staaten, die Kriege provozieren, konnten niemals von ihren Militäreinsätzen profitieren, sondern haben sich immer noch tiefer in den Schuldensumpf gefahren. Lernen werden diese nie. Jedoch wird es den Dollar immer weiter geben, wenn auch mit einer gehörigen Portion Inflation.

  • von Prophet | 05.08.2018, 19:12 Antworten

    Ja mein Gott! Das Feuer ist heiß! Und Wasser ist nass...

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