Stand: 24.09.2019 von Jörg Bernhard 5 Kommentare

Mit der in der vergangenen Woche erfolgten zweiten Zinssenkung der Fed in Folge, dürfte das Schuldenproblem der USA eher größer als kleiner werden. Aktuelle Daten zur Entwicklung der Schulden machen diesbezüglich wenig Mut.

Billionen-Dollar-Haushaltsdefizit droht

Für die ersten elf Monate (Fiskaljahr endet am 30. September) meldete das US-Finanzministerium nach einem August-Defizit von 200 Mrd. einen Fehlbetrag von 1,067 Billionen Dollar. Damit wurde erstmals seit sieben Jahren zwar die Billionendollargrenze überschritten, doch für den September erwartete Steuereinnahmen könnten diese Zahl wieder unter die psychologisch wichtige Marke drücken.

Dennoch bleibt die aktuelle Entwicklung besorgniserregend. Zum einen, weil die Einnahmen (plus drei Prozent) trotz der gestiegenen Strafzölle weniger stark gestiegen sind als die Ausgaben (plus sieben Prozent).

Zur Erinnerung: In den ersten elf Monaten 2018 wurde ein US-Haushaltsdefizit von „lediglich“ 898 Mrd. Dollar gemeldet. Zum anderen, weil sich die globalen Konjunkturperspektiven angesichts der zahlreichen Krisenherde (Brexit, Handelskonflikte, Hongkong, Italien, Türkei, Argentinien, Venezuela, u.a.) deutlich eingetrübt haben.

Dank niedriger Zinsen gab es bislang noch keine größeren Probleme, neue Schulden aufzunehmen. Doch selbst die „allmächtige“ Fed kann keine Garantie geben, dass dies auch künftig so bleibt. Weil die USA seit Jahrzehnten weniger exportiert als importiert, gibt es auch hier – im wahrsten Sinne des Wortes – vor allem Defizite zu vermelden.

In den vergangenen elf Monaten schwankte das US-Handelsbilanzdefizit bspw. zwischen minus 50,7 Mrd. (Februar) und minus 60,8 Mrd. Dollar (Dezember). Die aktuellen Daten für den Monat August stehen übrigens am 4. Oktober zur Bekanntgabe an. 

US-Staatsanleihen außerhalb der USA stark gefragt

Interessante Zahlen zu den in ausländischem Besitz befindlichen US-Staatsanleihen lieferte das US-Finanzministerium am Dienstag (siehe Tabelle). Obwohl US-Präsident Donald Trump gegenüber zahlreichen anderen Ländern wenig Diplomatie an den Tag legt, hat das dem Kaufinteresse ausländischer Investoren bei US-Staatsanleihen im Juli kaum geschadet. 

US-Staatsanleihen in ausländischem Besitz
Land 01.07.2019 (Mrd. USD) 01.07.2018 (Mrd. USD) Diff. (Mrd. USD) Diff. (%)
Japan 1.130,80 1.035,50 95,3 9,2
China 1.110,30 1.171,00 -60,7 -5,2
Großbritannien 334,70 271,70 63,0 23,2
Brasilien 309,90 299,70 10,2 3,4
Irland 258,20 300,20 -42,0 -14,0
Luxemburg 229,60 221,50 8,1 3,7
Schweiz 228,50 233,10 -4,6 -2,0
Cayman Inseln 218,40 198,10 20,3 10,2
Hong Kong 210,40 194,40 16,0 8,2
Belgien 206,10 154,50 51,6 33,4
Saudi-Arabien 180,80 166,80 14,0 8,4
Taiwan 178,70 164,20 14,5 8,8
Indien 159,90 142,60 17,3 12,1
Singapur 137,90 127,60 10,3 8,1
Frankreich 136,20 111,00 25,2 22,7
Südkorea 117,00 109,10 7,9 7,2
Kanada 108,70 96,10 12,6 13,1
Norwegen 96,90 61,10 35,8 58,6
Thailand 89,50 63,00 26,5 42,1
Deutschland 85,90 71,00 14,9 21,0
Bermuda 68,60 64,40 4,2 6,5
Mexiko 51,20 39,80 11,4 28,6
Vereinigte Arabische Emirate 49,30 59,70 -10,4 -17,4
Niederlande 49,20 45,10 4,1 9,1
Schweden 47,70 44,70 3,0 6,7
Italien 45,60 38,40 7,2 18,8
Kuwait 44,00 42,90 1,1 2,6
Spanien 42,90 36,20 6,7 18,5
Australien 42,30 39,20 3,1 7,9
Israel 40,10 29,70 10,4 35,0
Irak 34,90 28,30 6,6 23,3
Philippinen 33,90 30,40 3,5 11,5
Kolumbien 30,70 26,80 3,9 14,6
Chile 30,60 28,80 1,8 6,3
alle anderen 491,10 508,00 -16,9 -3,3
insgesamt 6.630,50 6.254,40 376,1 6,0
Quelle: US-Finanzministerium

Gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum stieg nämlich dieses Volumen von 6,25 Billionen auf 6,63 Billionen Dollar um über 376 Mrd. Dollar, was einem prozentualen Zuwachs von immerhin sechs Prozent entspricht.

Unter den 34 Ländern mit den höchsten Quoten gab es lediglich in China (-60,7 Mrd. Dollar), Irland (-42 Mrd. Dollar) und den Vereinigten Arabischen Emiraten (-10,4 Mrd. Dollar) nennenswerte Verkäufe zu vermelden. 

Überdurchschnittliche starke Käufe sind hingegen in Japan (+95,3 Mrd. Dollar), Großbritannien (+63,0 Mrd. Dollar) und Belgien (+51,6 Mrd. Dollar) registriert worden. In Deutschland haben sich die Bestände von US-Staatsanleihen um 14,9 Mrd. auf 85,9 Mrd. Dollar erhöht.

Erklärungsversuch: Verglichen mit Bundesanleihen bieten die Pendants aus den USA erheblich höhere Renditen. Aktuell beläuft sich der Renditevorteil bei zehn Jahren Laufzeit auf immerhin 2,3 Prozentpunkte. Ob dies ein angemessener Preis für das damit verbundene Risiko darstellt, darf bezweifelt werden. 

Ausblick für die laufende Woche

Bislang hat nach dem Angriff auf saudi-arabische Öleinrichtungen vor allem die Verunsicherung an den Ölmärkten spürbar zugenommen, während Aktien und Gold relativ „cool“ auf die wachsende Kriegsgefahr im Nahen Osten reagiert haben. 

Als nicht ganz nachvollziehbar und gerechtfertigt mag man in diesem Zusammenhang vor allem die Entwicklung der CBOE-Volatilitätsindizes auf S&P-500-Aktien (VIX) bzw. Gold (GVZ) einschätzen.

Gemäß dieser Indikatoren gilt Gold (16,8 Prozent) im Vergleich mit US-Aktien (15,3 Prozent) nämlich als das etwas riskantere Investment. Langfristig orientierte Investoren, die das gelbe Edelmetall in erster Linie als Vermögensschutz für unsichere Zeiten betrachten, sollten sich davon nicht beirren lassen.

Denn angesichts der zahlreichen Krisen rund um den Globus scheint Gold trotz des jüngsten Kursanstiegs eine wichtige Portfoliokomponente darzustellen.

Mit Blick auf die desolaten fundamentalen Rahmendaten macht es meiner Meinung nach deutlich mehr Sinn Staatsanleihen zu verkaufen und in Gold zu kaufen– auch wenn sich das Timing hierfür möglicherweise als nicht optimal erweisen sollte.

USA – Land der unbegrenzten Schulden
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [5]
  • von Peter Mosflechter | 25.09.2019, 11:41 Antworten

    Es reicht wenn Deutschland alles bezahlt

  • von Fleischesser | 24.09.2019, 15:55 Antworten

    Irgendwann geht der Schuss nach hinten los nichts geht unendlich

    • von Graf von Henneberg | 26.09.2019, 16:57 Antworten

      Richtig, sehr verehrter Herr "Fleischesser". Aber: Dieser "Schuß" wird nicht nur nach hinten gehen, sondern die Explosion wird sich allseitig und gleichmäßig mit Überschallgeschwindigkeit über die Erde verteilen.

  • von Hans Landa ? ? | 24.09.2019, 11:49 Antworten

    Das Land was die Weltleitwährung hat, kann sich bis zum " get no" verschulden.

  • von der deutsche Michel | 24.09.2019, 11:35 Antworten

    Der Staat der keine Amerikanischen Staatsanleihen kauft , oder Besitzt wird seitens der USA erpresst und wirtschaftlich ruiniert siehe Russland , sonst würde doch kein normaler Mensch diesen Betrügerischen Dreck kaufen ! Ps : die Russen haben den Dreck gegen Gold getauscht ! Sehr Klug !

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"