Stand: 08.12.2016 von Egmond Haidt 2 Kommentare

Mit ihrem gigantischen Gelddrucken halten die Notenbanken die weltweite Schuldensause am Laufen. Das führt zu extremen Blasen am Anleihen-, Aktien- und Immobilienmarkt. Wenn die Blasen irgendwann platzen werden, wird Gold stärker glänzen als je zuvor.

Paradoxe Finanzwelt: Da verliert der italienische Ministerpräsident das Verfassungsreferendum in Italien klar, woraufhin er seinen Rücktritt ankündigt. Damit wächst die Gefahr, dass es Mitte nächsten Jahres zu Neuwahlen kommen und die neue Regierung einen Austritt aus dem Euro anstreben könnte. Und was passiert derzeit am Anleihenmarkt? Die Zinsen für zehnjährige italienische Anleihen steigen nicht etwa kräftig - wie es in einem normalen, von Notenbanken nicht manipulierten Umfeld üblich wäre -, sondern sie sinken deutlich.

Inzwischen sind die Zinsen für zehnjährige italienische Anleihen auf nur mehr 1,9 Prozent abgerutscht. Investoren geben sich mit lächerlichen Zinsen von 1,9 Prozent zufrieden, und das bei einer Staatsverschuldung Italiens von horrenden 2,25 Billionen Euro - das sind herbe 135,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Das ist der zweitschlechteste Wert in der Euro-Zone. Wo stünden denn die Zinsen, wenn es die Anleihenkäufe der EZB, also die Manipulation der EZB nicht gäbe? Üblicherweise ist es ein guter Anhaltspunkt, dass eine Verschuldungsquote von zehn Prozent Zinsen für zehnjährige Anleihen von einem Prozent entsprechen. Bei einer Verschuldung von 100 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung lägen die Zinsen für zehnjährige Anleihen also bei 10 Prozent.

Je stärker der Wert die 100-Prozent-Marke übersteigt, umso stärker steigen üblicherweise die Zinsen, weil die Pleite eines Landes immer wahrscheinlicher wird. Auf Basis der aktuellen Verschuldung von 135,5 Prozent würden die Zinsen für Italien bei rund 15 Prozent und mehr liegen und nicht bei 1,9 Prozent. Damit wäre das Land schon längst pleite.

Weltweite Notenbanken drucken Geld als gäbe es kein Morgen

EZB-Chef Mario Draghi hält aber die Schuldensause am Laufen, nicht nur in Italien, sondern in der Euro-Zone insgesamt. Dazu druckt Draghi mithilfe heißer Luft 80 Mrd. Euro pro Monat.

Die Folge: Die Schulden der Länder der Euro-Zone sind auf 9,7 Billionen Euro gestiegen - das sind horrende 91,2 Prozent der Wirtschaftsleistung. Draghi ist aber nicht der einzige, der Geld druckt, als gäbe es kein Morgen. So druckt die japanische Notenbank (BoJ) umgerechnet rund 60 Mrd. US-Dollar pro Monat. Entsprechend sind die Staatsschulden Japans auf umgerechnet 9,0 Billionen US-Dollar gestiegen - das sind horrende 230 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Tendenz: stark steigend. Entgegen der Meinung vieler Investoren druckt auch die US-Notenbank (FED) weiterhin kräftig Geld. Denn sie nimmt das Geld aus auslaufenden Staats- und Hypothekenanleihen und steckt es in neue Papiere. Auf diese Weise druckt die Fed rund 50 Mrd. US-Dollar pro Monat. Insgesamt drucken die drei führenden Notenbanken also umgerechnet rund 200 Mrd. US-Dollar pro Monat.

Weltweit gibt es mehr als 300 Billionen US-Dollar Schulden

Damit halten sie die Schuldensause im privaten Sektor, also bei privaten Haushalten und Unternehmen außerhalb des Finanzsektors, am Laufen. So sind die Schulden des privaten Sektors der USA zuletzt auf den Rekord von 46,3 Billionen US-Dollar lt. FRED Economic Data gestiegen. Innerhalb von acht Jahren sind die Schulden um 12,2 Billionen nach oben geschossen. Entsprechend wird die nächste Krise viel größer sein als alle vorherigen. Weltweit gibt es eine Schuldensause nie dagewesenen Ausmaßes. Inzwischen sind die weltweiten Schulden, also von Staat, privaten Haushalten und Unternehmen, auf umgerechnet mehr als 300 Billionen US-Dollar gestiegen.

Richard Duncan, der amerikanische Buchautor und Chefvolkswirt der Investmentfirma Blackhorse Asset Management in Singapur, warnte Mitte 2016 vor den dramatischen Folgen dieser Entwicklung. „Schuldenwachstum war seit Jahrzehnten der Antriebsmotor für das Wirtschaftswachstum“, schrieb Duncan. „Die weltweiten Schulden sind seit 1960 mit einer unfassbaren Rate gestiegen und nähern sich nun (umgerechnet) 300 Billionen US-Dollar“, schrieb der Experte. Das ist ein gewaltiger Anstieg, nachdem der Wert vor der 2008er-Schuldenkrise noch bei rund 200 Billionen gelegen hatte. „Ich habe den Begriff „Kreditismus“ erfunden, um ein Wirtschaftssystem zu beschreiben, dass von Kreditwachstum (also Schuldenwachstum) und dem Konsum angetrieben ist, im Gegensatz zum Kapitalismus, der von Investitionen und Sparen angetrieben wird. „Kreditismus“ hat Kapitalismus ersetzt, als Geld, das durch Gold unterlegt war, vor fast fünf Jahrzehnten aufgehört hat zu existieren. Aber „Kreditismus“ erfordert Kreditwachstum, um zu überleben“, betonte Duncan. Der Finanzprofi spielt auf den Nixon-Schock an.

Nachdem etliche Länder den Umtausch von US-Dollar in Gold gefordert hatten, kam es am 15. August 1971 zum „Nixon-Schock“: Der damalige US-Präsident Richard Nixon kündigte damals völlig überraschend an, den Umtausch von US-Dollar gegen Gold „zeitlich befristet“ aufzuheben, woraufhin eine Schwemme an Papiergeld und Schulden ihren Lauf nahm. Aus „zeitlich befristet“ sind inzwischen 45 Jahre geworden.

Gewaltige Blasen am Anleihen-, Aktien- und Immobilienmarkt der USA

Die Geldpolitik der Notenbanken führt aber nicht nur zu einer gigantischen Schuldenblase, sondern zu gewaltigen Blasen am Anleihen-, Aktien- und Immobilienmarkt - den größten Blasen aller Zeiten. Obwohl die US-Zinsen zuletzt deutlich gestiegen sind, liegen die Zinsen für zehnjährige Anleihen bei lediglich 2,4 Prozent. Bei einer Staatsverschuldung von horrenden 19,9 Billionen US-Dollar -  das sind 107 Prozent der Wirtschaftsleistung - wären aber wie oben aufgezeigt Zinsen von zehn Prozent angemessen.

Wegen der viel zu niedrigen Zinsen greifen Investoren kräftig bei US-Aktien zu, zumal sie noch eine Dividendenrendite von 2,1 Prozent abwerfen. Entsprechend liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des S&P500 bei horrenden 17.

Das liegt meilenweit über dem langfristigen Durchschnitt von elf bis zwölf, das dem langfristigen Gewinnwachstum der Unternehmen entsprach. Die Geldschwemme führt zudem zur größten Blase aller Zeiten am US-Häusermarkt. So liegen die durchschnittlichen Häuserpreise mit 301.300 US-Dollar in der Nähe des Rekordhochs . Nach dem rasanten Anstieg der Immobilienpreise der vergangenen Jahre, werden sie für viele Amerikaner trotz der sehr niedrigen Zinsen zusehends unerschwinglich. So liegt der Anteil der Amerikaner, die im eigenen Haus wohnen, mit 63,5 Prozent in der Nähe des Rekordtiefs.

… und im Rest der Welt ebenso

Dass es auch in der Euro-Zone und Japan wegen der ultra laxen Geldpolitik massive Blasen gibt, sollte niemanden überraschen. Immerhin gibt es in der Euro-Zone schon seit Jahren Strafzinsen. Entsprechend gibt es auch hier massive Blase am Anleihen-, Aktien- und Immobilienmarkt. Die Experten der UBS sahen in einer Studie „erhebliche Blasenrisiken“, nicht zuletzt in München.

Die gute Konjunkturentwicklung in Deutschland und die sehr lockere Geldpolitik der EZB hätten dazu geführt, dass die 20jährige Stagnation bei den realen (unter Berücksichtigung der Inflation) Häuserpreisen zu Ende gegangen sei. „Anschließend sind die Immobilienpreise in München prozentual zweistellig gestiegen und haben sich zusehends von den Fundamentaldaten gelöst. Entsprechend sind die Immobilien weniger erschwinglich geworden. Ein Facharbeiter aus dem Dienstleistungsbereich muss sieben Jahre arbeiten, um sich eine Wohnung von 60 Quadratmetern kaufen zu können. Das ist ein Rekordhoch.“ Während die Situation in München besonders extrem ist, sind auch viele andere Städte von stark steigenden Immobilienpreisen betroffen.

Gold-Fans sollten vor allem den US-Dollar-Index im Auge behalten. Weil sich dessen Anstieg nach der Wahl von Donald Trump beschleunigt hatte, hat das den Goldpreis spürbar belastet. Die US-Dollar-Rally dürfte aber nicht nachhaltig sein. Immerhin wollen die USA in den nächsten Jahren noch viel mehr Schulden machen als ohnehin schon. Derzeit machen die USA rund 900 Mrd. US-Dollar neue Schulden pro Jahr. Das spricht mittel- und langfristig für einen deutlichen Rückgang des US-Dollar. Anleger sollten eine Beruhigung beim Goldpreis abwarten und dann ihre Bestände weiter aufstocken. Wenn irgendwann die gigantische Schuldenblase und die Blasen am Anleihen-, Aktien- und Immobilienmarkt platzen werden, werden jene gut dastehen, die rechtzeitig einen wichtigen Teil ihres Finanzvermögens in Gold umgeschichtet haben.

Gold: Vermögensschutz bei drohender Inflation
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
Weitere Beiträge:
MEISTDISKUTIERTE ARTIKEL
MEISTGELESENE ARTIKEL
Kommentar zum Artikel schreiben
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Kommentare [2]
  • von Goldfinger | 08.12.2016, 19:56 Antworten

    Was versteht der Autor unter "einen wichtigen Tei ihres Finanzvermögens in Gold umgeschichtet haben" ? Kann das in einem Prozentsatz transferiert werden ?

  • von Joe | 09.12.2016, 22:29 Antworten

    Ich finde der Artikel ist sehr einseitig geschrieben. Blasebildung bei Aktien, Anliehen und Immobilien? Das ist zu pauschal ausgedrückt. AUsser bei den Anleihen da ist wirklich eine Blasenbildung in Europa in Sicht. Europäische Aktien sind noch moderat Bewertet. ALs der DAX 2015 bei 12 Tsd. Punkte Stand hat sich auch keiner Beschwert obwohl es da wirklich angebracht war. Immobilien in Deutschland sind im Durchschnitt fair bewertet. Jedoch ist es nicht abzustreiten das es zu punktuelle Blasenbildung kommt. Es gibt die Blasengefahr aber nicht Pauschal überall ausser bei EM.

    Der nächste Punkt ist der Vorwurf der manipulation der EZB im Anleihemarkt. Manipulieren hört sich so negativ an als ob die EZB was böses tut. Ich würde eher behaupten die EZB interveniert. Wäre dies nicht der Fall gewesen dann hätte Italien erhebliche Probleme gehabt ihre Liquidität zu sichern und müsste höhere Zinsen bezahlen, sprich mehr Steuergelder verpulvern, welche die nicht haben. Auch wenn dies uns EM Besitzern zu gute kommen würde da dann der Goldpreis steigen würde, wäre das sehr sehr egoistisch, da die leidtragenden dann die Bevölkerung der Pleiteländer wären. Ich stimme jeden zu das unser Finanz und Staatensystem krank ist aber ich wünsche mir keinen Crash herbei. Auch wenn wir EM besitzer die Gewinner wären, gäbe es zuviele Opfer.

    Mir scheint es das Gold die einzige Versicherung ist wo beinah jeder Versicherte sich wünscht das der Schadfall eintritt und die Versicherung greift.

    Bitte versteht mich nicht falsch. Ich bin begeistert von Gold. Jeder der kein Gold im Depot hat ist entweder zu gierig, risikosüchtig, unwissend oder hat damit nichts zu tun. Aber ich finde wir sollten auch selbstkritisch sein.

    Ich wünsche allen noch ein schönes Wochenende!

Copyright © 2009-2017 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr. Sie betrachten die Seite: Gold.de - Gold und Silber kaufen im Preisvergleich

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany