Stand: 30.05.2017 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Die Kryptowährung Bitcoin hat sich sowohl gegenüber dem Dollar als auch gegenüber dem Euro seit dem Jahreswechsel mehr als verdoppelt und auf Zwölfmonatssicht sogar mehr als vervierfacht. Vor diesem Hintergrund müsste man das Vertrauen in die die beiden wichtigsten Währungen der Welt als „desaströs“ bezeichnen.

Bitcoin mit fulminanter Rekordfahrt

Der Bitcoin ist eine digitale Währung, die 2008 als globales dezentrales Zahlungssystem entstanden ist. Im Gegensatz zu anderen Währungen kann man sich mit ihr der Kontrolle von Staaten und Notenbanken entziehen und Geld in digitaler Form außerhalb des Bankensystems nutzen.

Bitcoins werden in komplizierten Rechenprozessen auf Basis der sogenannten Blockchain-Technologie  erzeugt und auf Plattformen im Internet gegen klassische Währungen gehandelt.

Und dieser Handel erwies sich in den vergangenen Monaten als ausgesprochen turbulent. Im März kostete der Bitcoin erstmals mehr als eine Feinunze Gold. In der zweiten Monatshälfte des Mai sprang die digitale Krisenwährung sogar über die Marke von 2.000 Dollar und übertraf damit sogar das alte Rekordhoch des Goldpreises von über 1.900 Dollar (September 2011) Dollar.

Bitcoin-Kurs Bitcoin-Preis 1 Jahr

Aktueller Bitcoin-Kurs auf Gold.de


Für die rasante Kursrally gibt es mehrere Gründe. So hat zum Beispiel Japan den Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel zugelassen. Andere Länder sind da weniger offen. So hat zum Beispiel die Deutsche Bundesbank angesichts der Euphorie vorsorglich eine Mahnung ausgesprochen: Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele warnte  Anfang Mai vor der Digitalwährung Bitcoin. Die Kryptowährung Bitcoin (Internetwährung) sei „kein geeignetes Medium, um Werte aufzubewahren“.

Auch in den USA sind staatlich Organe von dem „Newcomer“ nicht gerade begeistert. So verweigerte zum Beispiel die US-Aufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) erst im März dem ersten Bitcoin-Fonds die Zulassung. Als Grund nannte das stattliche Überwachungsorgan die mangelnde Regulierung des Bitcoin-Handels und dessen Anfälligkeit für Betrügereien.

Und diese gab es in der Vergangenheit bereits des Öfteren. Bislang scheint der Bitcoin aber Skandale wie zum Beispiel die Pleite der einst größten Bitcoin-Börse "Mt Gox", spektakuläre Diebstähle und Hackerangriffe sowie zahlreiche Warnungen vor einer Blasenbildung ausgesprochen gut verkraftet zu haben.

Wie beim traditionellen Krisenschutz Gold sind vor allem Asiaten auf den Geschmack gekommen. So galten zum Beispiel Japaner schon immer als extrem technologie freundlich und Chinesen empfänglich für Glücksspiel. Bitcoins bieten eine Kombination beider Attribute. Als idealer Krisenschutz dürfte sich die digitale Währung derzeit allerdings noch nicht eignen.

Dies liegt vor allem an der enorm hohen Kursschwankungsintensität – besser bekannt als Volatilität. Diese Risikokennzahl weist auf Basis der vergangenen 250 Tage eine Volatilität von fast 55 Prozent aus, während der Goldpreis auf einen Wert von lediglich 13 Prozent kommt (siehe Tabelle).

Krisenwährungen im Vergleich

aktueller Kurs Perf. 1 Monat Perf. 6 Monate Perf. 2017 Perf. 12 Monate Perf. 3 Jahre 250-Tage-Volatilität
Bitcoin (USD) 2.149,84 104,40% 252,50% 169,50% 474,80% 385,70% 54,50%
Feinunze Gold (USD) 1.266,13 0,30% 4,40% 8,30% -0,10% -1,60% 13,00%
Feinunze Silber (USD) 17,34 0,40% 6,70% 10,60% 2,50% -12,90% 22,60%
Stand: 29. Mai 2017

Als Vermögensschutz dürfte sich der virtuelle Bitcoin nach der Vervierfachung in den vergangenen zwölf Monaten eher nicht eignen, schließlich kann man unter charttechnischen Aspekten durchaus von einer überkauften Lage sprechen.

Wer bei Aktien, Anleihen oder Immobilien eine Blase sieht und Bargeld aufgrund der Geldmengen- und Schuldenexplosion nicht als Ausweichoption in Frage kommt, dürfte daher weiterhin Gefallen an dem Krisenschutz finden, der seit Jahrtausenden jede Krise überlebt hat und noch nie einen Totalverlust erleiden musste: Gold.

Ausblick für die laufende Woche

Gold zeigte sich in der zweiten Maihälfte ausgesprochen robust und ignorierte die Aussicht auf weiter steigende US-Leitzinsen und Medienberichte, wonach die Europäische Zentralbank in den kommenden Monaten den Ausstieg aus dem Krisenmodus zumindest verbal in Angriff nehmen könnte.

Konjunkturentwicklung und Inflation sprechen für eine Normalisierung der Geldpolitik. In der laufenden Woche dürften neben dem unkalkulierbaren Risiko namens Donald Trump und diversen geopolitischen Krisenherde ein anderes Thema die Akteure an den Goldmärkten stark interessieren: die aktuelle Lage am US-Arbeitsmarkt.

Am Donnerstag und Freitag gilt es hier eine regelrechte Datenflut zu überstehen. Laut diversen Analystenumfragen soll die Zahl neu geschaffener Stellen im Mai signifikant gesunken sein.

Gold vs. Bitcoin: Kryptowährung im Goldrausch Modus
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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