Stand: 11.07.2016 von Florian Grummes 1 Kommentare

Vor vier Wochen war es nur eine unwahrscheinliche Vorahnung, heute ist es Gewissheit. Die Briten haben für den Brexit gestimmt. Seitdem spielen die Finanzmärkte verrückt. Unterm Strich sind vor allem Gold und Silber die klaren Gewinner. Beide Edelmetalle befinden sich bereits seit Beginn des Jahres in einem neuen Aufwärtstrend. Schon am 16.Juni hat der Goldmarkt mit dem Sprung über die Marke von 1.307 US-Dollar eine weitere Bestätigung für den neuen Bullenmarkt geliefert.

Auf Sicht der letzten zweieinhalb Jahren liegen somit endlich wieder höhere Hochs vor. Wie Ende Dezember vermutet, ist der Goldpreis übergeordnet seit dem Doppeltief bei 1.045 US-Dollar mittlerweile mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf dem Weg zur alles entscheidenden Widerstandszone um 1.500 bis 1.530 US-Dollar. Das extrem bullische Kursverhalten der letzten Wochen bestätigt diese Annahme. Dennoch fehlen bis dorthin noch über 150 US-Dollar. Der weitere Verlauf der Rally dürfte sehr volatil bleiben.

Tageschart Gold in US-Dollar

Noch Anfang Juni setzte der Goldpreis zwischenzeitlich bis auf 1.200 US-Dollar zurück. Hier ergab sich rückblickend eine hervorragende Einstiegschance, denn die Notierungen kennen seitdem fast nur noch den Weg in Richtung Norden. Kurz vor dem Brexit-Referendum holten die Bullen noch einmal kurz Luft, bevor sie den Goldpreis aus dem Stand in wenigen Stunden knapp 110 US-Dollar höher treiben konnten. Das Hoch während der Brexit-Panik lag in den frühen Morgenstunden bei knapp 1.357 US-Dollar, konnte aber zum Handelsschluss nicht gehalten werden. In Anschluss folgte eine zweitägige Konsolidierung oberhalb von 1.307 US-Dollar, bevor die Bullen erneut die Kontrolle übernahmen. Am vergangenen Mittwoch schließlich wurde mit 1.375 US-Dollar ein neues Verlaufshoch erreicht. Seitdem schwächelt der Goldpreis ein wenig und gerät heute mit der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten etwas deutlicher unter Druck. Der kurzfristige Aufwärtstrend ist noch nicht in Gefahr, ein Kursrutsch bis 1.315 – 1.320 US-Dollar ist aber jederzeit möglich. Unterhalb dieser Zone sollte es den Bären auch gelingen, die Notierungen bis in den Bereich um 1.262 – 1.295 US-Dollar zu drücken. Auf der Oberseite liegt das nächste Kursziel bei 1.390 – 1.415 US-Dollar.

Tageschartanalyse Gold in US-Dollar

Ungeachtet der nach wie vor sehr bullischen Ausgangslage mehren sich aber doch die Zeichen, dass die Edelmetalle kurzfristig etwas übertrieben haben und dringend eine Verschnaufpause benötigen. So sind die wiederholten Margin-Erhöhungen an der COMEX eine unmissverständliche Warnung an die Papierspekulanten. Die bullischen Wetten der spekulativen Fonds haben sowohl am Gold- als auch am Silberterminmarkt ein absolutes Allzeithoch erreicht. Die kommerziellen Händler hingegen halten hier ihrerseits mit der höchsten jemals gemessenen Leerverkaufsposition massiv dagegen. Da die kommerziellen Händler über die tieferen Taschen verfügen, liegen die Spekulanten an Extremsituationen immer falsch. Der Terminmarkt sendet daher aktuell die höchste Warnstufe.

Gold and Commitments of Traders

Eine ebenfalls gefährliche Entwicklung ist die Lage bei den Minenaktien. Der "Bullish Percent Index" misst den Anteil der Minenaktien mit einem bullischen Handelsmuster. Er bewegt sich zwischen 0 und 100. Aktuell hat er das absolute Maximum der Skala erreicht und notiert so hoch wie noch nie. Die Gold- und Silberminenaktien sind ohne Zweifel die Gewinner des Jahres. Aber nach dreistelligen Kursgewinnen in weniger als sechs Monaten ist hier die Luft extrem dünn geworden. Gewinnmitnahmen in diesen "engen" Märkten können schnell zu Kursrücksetzern im Bereich 20 bis 40 % führen und könnten auch auf den Goldpreis kurzfristig Druck ausüben.

Bullish Percent Goldminenaktien Index

In der Konklusion gilt es jetzt, unbedingt Ruhe und Geduld zu bewahren. Die kurzfristige Übertreibung am Goldmarkt kann zwar durchaus noch bis ca. 1.415 US-Dollar weiterlaufen, die negativen Signale mehren sich aber. Insofern wäre in den kommenden Wochen ein Rücksetzer in den Bereich 1.260 – 1.295 US-Dollar durchaus gesund und wünschenswert. Sollte es dazu kommen, müssen sie dieses "Dip" unbedingt kaufen, denn ab Mitte August beginnt traditionell die beste Phase für den Goldmarkt. Bis zum Frühling 2017 oder auch schon früher sind dann Kursanstiege bis in den Bereich 1.500 – 1.530 US-Dollar realistisch.

Wochenchart Gold in Euro

Wochenchartanalyse Gold in Euro

Auf dem Wochenchart konnte der Goldpreis in Euro gerechnet in den letzten vier Wochen klar und eindeutig aus seinem Konsolidierungsdreieck nach oben ausbrechen. Mit dem Wochenschlusskurs oberhalb von 1.130 Euro war die Entscheidung rückblickend eigentlich bereits in der erste Juniwoche zugunsten der Bullen ausgefallen. In der Folge stieg der Goldpreis in Euro auch zunächst steil an und erreichte mit knapp 1.180 Euro zwischenzeitlich den höchsten Stand seit dem April 2013. Hier kam es aber nochmals zu einem scharfen Rücksetzer bis auf 1.093 Euro, bevor die überraschende Brexit-Entscheidung für eine Kursexplosion sorgte.

Binnen weniger Stunden schoss der Goldpreis in den frühen Morgenstunden des 24.Juni fast 140 Euro/Feinunze nach oben. Mittlerweile sind die Notierungen nach kurzer Konsolidierung weiter bis auf 1.242 Euro gestiegen.

Das Kursziel aus dem Dreieck bei 1.225 Euro wurde damit bereits abgearbeitet. Gleichzeitig ist der Goldpreis hier nun bis in die nächste starke Widerstandszone zwischen 1.225 und 1.260 Euro vorgedrungen. Der Blick auf die Indikatoren fördert einerseits ein intaktes Kaufsignal beim MACD zu Tage, gleichzeitig hat der RSI aber auf Wochenbasis die überkaufte Zone erreicht und sendet damit durchaus ernstzunehmende Warnsignale. Ein etwas größerer Rücksetzer wird damit nun jederzeit möglich.

In jedem Fall sind die Notierungen jetzt allerspätestens um 1.165 Euro extrem stark unterstützt und Goldpreise unterhalb dieser Marke sind nur noch schwer vorstellbar. Vermutlich wird der Goldmarkt einfach mehr Zeit benötigen, um den steilen Anstieg der letzten Wochen zu verdauen. Aber auch ein direkter Durchmarsch bis zum Allzeithoch bei 1.385 Euro ist aufgrund der instabilen Lage an den Finanzmärkten nicht auszuschließen. Mittelfristig ist bis zum nächsten Frühjahr oder auch schon früher das Kursziel von ca. 1.400 Euro durchaus realistisch. Auf dem Weg dorthin gilt es die Rücksetzer durch Nachkäufen zu nutzen.

Tageschart Gold in Euro

Tageschartanalyse Gold in Euro

Auf dem Tageschart schwächelte der Goldpreis in Euro in den letzten zwei Handelstagen etwas, ging aber mit starkem Schlusskurs ins Wochenende. Zunächst sieht es daher wohl eher nach einer unmittelbaren Fortsetzung der Rally aus. Nach den steilen Kursanstiegen der letzten Wochen wird aber ein vorübergehender Rücksetzer zunehmend wahrscheinlicher. Charttechnisch macht es die große "Brexit-Kerze " aktuell etwas schwierig, neben der Zone um 1.180 Euro weitere Unterstützungen zu identifizieren. Vom aktuellen Niveau aus kommt fast 60 Euro lang erst mal nichts außer "Luft". Ungünstig präsentiert sich zudem die klar überkaufte Stochastik. Sollten der Goldpreis also in den kommenden zwei Wochen ein Zwischenhoch erreichen, dürfte es im Anschluss zurück bis ca. 1.180 Euro nach unten gehen, bevor die Bullen einen nächsten Angriff in Richtung 1.260 Euro starten werden.

Neues Nachkauflimit bei 1.180 Euro

Mit etwas Glück wurde das zuletzt genannte Nachkauflimit unterhalb von 1.100 Euro am Tag vor der Brexit-Entscheidung ausgeführt. Das Tagestief lag bei 1.093 Euro und war rückblickend ein absoluter Volltreffer. Seitdem sind die Preise stark explodiert und stehen derzeit knapp 12 % höher. Die wirklich günstigen Kauf-Kurse dürften damit der Vergangenheit angehören. Wer nun immer noch nicht investiert ist, oder aber weiter aufstocken möchte, muss Geduld mitbringen. In fahnenstangenartige Anstiege hinein zu kaufen ist mittelfristig kein gutes Rezept. Daher empfiehlt es sich jetzt auf einen Test der gebrochenen Widerstandszone um 1.165 - 1.180 Euro zu warten. Ob es dazu kommt, weiß niemand, aber hier lässt sich ein Investment aufgrund des Chance/Risiko-Verhältnisses wieder rechtfertigen. Bleiben sie geduldig und kaufen sie jeden Rücksetzer unter 1.180 Euro.

Gold - warten auf den nächsten Rücksetzer
Florian Grummes - Florian Grummes ist unabhängiger Finanzanalyst und Berater sowie internationaler Referent mit über 20 Jahren Erfahrung auf den Finanzmärkten. Dabei hat sich Herr Grummes auf die Edelmetalle, Kryptowährungen und die technische Analyse spezialisiert. Mit der Kombination aus technischer, fundamentaler sowie Sentiment Analyse gelingt ihm häufig eine akkurate Konklusion und Prognose zum Goldmarkt.
Webseite des Autors:
www.goldnewsletter.de
Weitere Beiträge:
MEISTDISKUTIERTE ARTIKEL
MEISTGELESENE ARTIKEL
Kommentar zum Artikel schreiben
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Kommentare [1]
  • von Goldmann | 13.07.2016, 12:14 Antworten

    Der Gold Preis wird noch immer stark subventioniert.Leerverkäufe....und Klar Stellung sind an der Tagesodnung.
    Wenn aber das Vertrauen zum Papier Geld weg ist, Goldman Sachs hat den Geld Wert selbst auf Null gesetzt.
    Die Druckmaschinen laufen auf Hochtouren bis zum Supergau . Die Wetten laufen bestimmt schon in diese Richtung.

Copyright © 2009-2018 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr. Sie betrachten die Seite: Gold.de - Gold und Silber kaufen im Preisvergleich

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany