Gold: 1.593,33 € +0,06 %
Silber: 20,16 € +0,22 %
Stand: 01.12.2021 von Jörg Bernhard
Blickt man auf die diesjährige Performance des Goldpreises, könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Risiken der globalen Finanzsysteme derzeit vernachlässigbar sind. Grund: Das gelbe Edelmetall weist gegenüber Aktien eine starke Underperformance aus.
Gold: Weniger riskant als andere Anlageklassen

Investmentrisiken sind nicht von der Hand zu weisen

Während viele Blue-Chip-Indizes diesseits wie jenseits des Atlantiks 2021 Wertzuwächse im zweistelligen Prozentbereich und neue Rekordhochs erzielt haben, weist der Krisen-, Vermögens- und Inflationsschutz Gold auf Dollarbasis bis dato ein markantes Minus und auf Eurobasis lediglich ein marginales Plus aus.

Doch der am „Black Friday“ zu beobachtende Ausverkauf an den internationalen Aktienmärkten hat den Anleger einen in Vergessenheit geratenen Vorteil des Goldpreises gegenüber Aktien eindrucksvoll ins Gedächtnis gerufen: seinen exzellenten Ruf als Krisenschutz.

So haben die corona-bedingten Unsicherheiten hinsichtlich der neuen Covid-19-Virusvariante aus dem südlichen Afrika (Omikron) auf einen Schlag den Investoren aufgezeigt, dass für die globale Wirtschaft offensichtlich noch keine Entwarnung gegeben werden kann.

In einem anderen Punkt ist das gelbe Edelmetall den anderen Mainstream-Anlageklassen derzeit ebenfalls überlegen: Verglichen mit Aktien oder anderen Rohstoffen wie zum Beispiel Rohöl kann man ein Goldinvestment nämlich als deutlich weniger riskant ansehen.

Die finanzmathematische Risikokennzahl Volatilität wird unter Anlegern häufig als Angstbarometer interpretiert – je höher ihr Wert, desto höher das Kursschwankungsrisiko und somit auch das Verlustrisiko. In der Finanzwelt achten Investoren besonders stark auf erwartete bzw. implizite Volatilitäten, die auf Basis von aktuellen Optionspreisen ermittelt werden.

Diese zeigen nämlich an, welches Investmentrisiko aktuell an den Terminmärkten erwartet und „bezahlt“ wird.

Auf der Website des US-Terminbörsenbetreibers Chicago Board Options Exchange (CBOE) werden mehr als 100 Volatilitätsindizes veröffentlicht, mit denen man die Risiken unterschiedlicher Anlageklassen bzw. Basiswerte sehr gut miteinander vergleichen kann.

So basiert bspw. der CBOE-Gold-Volatilitätsindex (GVZ) auf den Optionspreisen zahlreicher Gold-ETFs. Aktuell bewegt sich diese Risikokennzahl bei rund 18 Prozent (siehe Tabelle), womit Gold – verglichen mit anderen Anlageklassen – ein deutlich geringeres Risiko ausweist.

Ebenfalls interessant: In diesem Jahr schwankte der Goldvolatilitätsindex in einer Spanne zwischen 14,3 und 22,2 Prozent, während die meisten anderen Assets eine erheblich stärkere Berg- und Talfahrt vollzogen haben.

Risiken verschiedener Anlageklassen im Vergleich

CBOE-Volatilitätsindizes aktuell Jahrestief Jahreshoch
1.) Gold (GVZ) 17.99 % 14,26 % (13.04.) 22,16 % (08.01.)
2.) Dow-Jones (VXD) 28.58 % 12,45 % (09.07.) 28,68 % (29.01.)
3.) S&P-500 (VIX) 28.62 % 15,01 % (21.10.) 37,21 % (27.01.)
4.) Nasdaq-100 (VXN) 28.53 % 18,31 % (19.10.) 39,61 % (27.01.)
5.) Russell-2000 (RVX) 39.00 % 20,34 % (21.10.) 40,4 % (27.01.)
6.) Goldminen (VXGDX) 35.70 % 27,39 % (13.07.) 47,08 % (26.02.)
7.) Silber (VXSLV) 32.15 % 25,89 % (12.07.) 78,81 % (01.02.)
8.) Rohöl (OVX) 65.72 % 31,35 % (02.09.) 76,76 % (26.11.)
Stand: 29.11.2021; Quelle: Chicago Board Options Exchange

Interpretation der Kennzahl Volatilität

Vereinfacht ausgedrückt kann man bei der Analyse der Volatilität folgendes behaupten: Hohe Volas zeigen nicht nur hohe potenzielle Verlustrisiken, sondern auch attraktive Renditechancen an. Die aktuelle Marktlage lässt derzeit den Schluss zu, dass der Kauf von Gold (Vola: 17,99 Prozent) als erheblich riskanter einzustufen ist als ein Investment in Rohöl (Vola: 65,72 Prozent), Silber (Vola: 32,15 Prozent) oder Goldminen (Vola: 35,7 Prozent).

Besonders interessant: Selbst Standardwerte, Technologiewerte und Nebenwerte aus den USA können derzeit – trotz ihrer ausgeprägteren Diversifikation – mit der moderaten Volatilität von Gold gegenwärtig nicht mithalten (siehe Tabelle).

Ausblick für die laufende Woche

Neben aktuellen Inflationszahlen aus Europa dürften sich in den kommenden Tagen die Investoren besonders stark für den US-Arbeitsmarkt interessieren.

Eröffnet wird der Datenreigen am Mittwoch, wenn die Research-Firma ADP die Zahl der neu geschaffenen Stellen für den Monat November melden wird.

Der Donnerstag steht dann ganz im Zeichen des Challengerberichts über Stellenstreichungen und den wöchentlichen Erstanträgen auf US-Arbeitslosenhilfe.

Das absolute Highlight steht dann allerdings am Freitag auf der Agenda, wenn das US-Arbeitsministerium sein aktuelles November-Update zur Lage am US-Arbeitsmarkt veröffentlichen wird. Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich die Arbeitslosenrate von 4,6 auf 4,5 Prozent reduziert haben und die Zahl neu geschaffener Stellen von 531.000 auf 550.000 gestiegen sein.

Mag sein, dass man mit den „richtigen“ Aktien oder „Kryptowährungen“ deutlich höhere Gewinnchancen wahrnehmen kann, beruhigter schlafen kann man aber sicherlich mit dem „guten alten Gold“.

Autor: Jörg Bernhard
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von Tobi H. | 02.12.2021, 18:59 Antworten

An Aktien und Co. hab ich mir fürchterlich die Finger verbrannt, obwohl ich über die 2. Gehirnzelle verfüge, weil ich in meinem jugendlichen Leichtsinn annahm, dass es mit rechten Dingen zugeht. Dem ist absolut nicht so!!!!!
Was da abgeht mit Manipulation und Interessenkonflikten und Co. macht Börse zu reinem Roulette im Casino, all in, nix out. Betongold ist das beste, aber jetzt zu spät zum einsteigen, Au-Gold physisch ist 2. Wahl, und top, Ag ist 3.Wahl und mein Faforit. Aber bitte nur kaufen, was man anfassen kann!

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