Stand: 06.03.2018 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Der Goldpreis konnte in den vergangenen Wochen zwar nicht durch eine besonders starke Performance punkten, allerdings überzeugt der Krisenschutz in hohem Maße durch seine relativ geringe Kursschwankungsintensität.

Wie sich Risiko messen und vergleichen lässt

Wer Goldinvestments vor allem als Vermögensschutz betrachtet, dürfte von der Entwicklung des Goldpreises im Februar ziemlich enttäuscht gewesen sein, schließlich profitierte das gelbe Edelmetall von den Turbulenzen an den internationalen Aktienmärkten kaum.

Obwohl wichtige Aktienindizes innerhalb weniger Tage Verluste im zweistelligen Prozentbereich erlitten haben und deren Volatilitäten (Kursschwankungsintensitäten) sich in der Spitze vervielfacht haben, blieb der Krisenschutz Gold relativ „cool“.

Welche Risiken mit einem Investment in unterschiedliche Aktienindizes bzw. Rohstoffe sowie Edelmetalle verbunden sind, lässt sich am besten über die entsprechenden Volatilitätsindizes ablesen. Mehrere Börsenbetreiber haben diese konzipiert und ermitteln auf Basis von gehandelten Optionen fortlaufend einen aussagkräftigen Risikoindikator für das jeweilige Investment. Dessen Vorteil besteht darin, dass er nicht auf historischen Kursen basiert, sondern über Optionspreise die aktuell vom Markt erwartete Volatilität anzeigt.

Gold & Silber: Argument „sicherer Hafen“ greift

Welchen Turbulenzen die verschiedenen Anlageklassen in diesem Jahr ausgesetzt waren, zeigt die Tabelle sehr schön auf. Neben den aktuellen Werten der jeweiligen Volatilitätsindizes liefert die Auflistung zudem die Jahresultimos und Jahreshöchststände für 2018 auf.

In der Vergangenheit rieten Anlageberater von Gold und Silber häufig unter Hinweis auf deren überdurchschnittlich hohe Volatilität ab. Diese Argumente treffen gegenwärtig nicht mehr zu, schließlich kann man Gold und Silber für dieses Jahr die geringsten Turbulenzen attestieren. Selbst diversifizierte Investments in 500 US-Blue-Chips (S&P 500) bzw. 2.000 US-Nebenwerte (Russell-2000) sind gegenwärtig mit höheren Risiken behaftet, als die beiden Edelmetalle.

Traditionell wird Gold und Silber als langfristiger Vermögensschutz betrachtet. Wer diesen edlen Schutz sucht, dürfte wahrscheinlich von der diesjährigen Performance beim Gold- und Silberpreis enttäuscht gewesen sein, mit Blick auf das Risiko gibt es aber durchaus Grund zufrieden zu sein.

Seit Ende Dezember sind zwar sämtliche Anlageklassen (siehe Tabelle) riskanter geworden, bei Gold (+6,8 Prozent) und Silber (+5,2 Prozent) fielen die Risikozuwächse allerdings am geringsten aus. Am stärksten gestiegen sind die Risiken hingegen bei Investments auf die beiden Indizes Dow-Jones (+55,4 Prozent) und S&P-500 (+79,4 Prozent).

Und vergleicht man die Charts der beiden Edelmetalle mit den beiden Aktienindizes fällt vor allem eines auf: Das charttechnische Rückschlagpotenzial fällt bei Aktien deutlich höher aus.

Volatilitätsindizes im Vergleich

Volatilitätsindex auf 02.03.2018 29.12.2017 Jahreshoch 2018
Gold-ETFs 11,97% 10,96% 17,73%
Silber-ETFs 19,97% 18,53% 23,60%
Rohöl-ETFs 26,15% 21,32% 77,56%
Dow-Jones 19,46% 11,78% 40,21%
S&P500 19,59% 11,04% 50,30%
NASDAQ-100 21,53% 15,68% 38,18%
Russell-2000 20,83% 14,99% 36,29%
DAX 24,17% 14,15% 40,10%
Euro Stoxx 50 23,39% 13,51% 36,56%

Ausblick für die laufende Woche

In den kommenden Handelstagen stehen einige interessante Events auf der Agenda. So könnten zum Beispiel neben der zu erwartenden Datenflut zum US-Arbeitsmarkt auch die Sitzungen der japanischen und europäischen Notenbank Impulse an den Devisenmärkten – und damit auch bei Gold auslösen.

Der Blick auf die zehnjährigen Anleiherenditen der jeweiligen Länder spricht Bände: Während in Japan mit Staatsanleihen derzeit Renditen von 0,06 Prozent erzielt werden, dürfen sich deutsche Anleger mit 0,65 Prozent fast schon glücklich schätzen. Relativiert wird dieses vermeintliche Glücksgefühl allerdings durch die Tatsache, dass im Februar die deutsche Inflationsrate bei immerhin 1,4 Prozent p.a. lag.

Negative Realzinsen müssen US-Anleger derzeit indes nicht fürchten, schließlich bieten US-Staatsanleihen mit 2,86 Prozent mehr als über die Inflation (2,1 Prozent p.a.) verloren wird. Eines sollten Anleger dabei aber auf keinen Fall außer Acht lassen. Sowohl Staatsanleihen als auch Währungen basieren in hohem Maße auf dem ausgesprochen weichen Einflussfaktor Vertrauen.

Vertrauen darauf, dass Zinsen ordentlich gezahlt bzw. geliehenes Kapital bei Fälligkeit zurückgezahlt wird sowie Vertrauen darauf, dass man für Geld auch in den kommenden Jahren bzw. Jahrzehnten wichtige und weniger wichtige Waren bzw. Dienstleistungen erhalten wird.

Wer davon voll und ganz überzeugt ist, könnte auf Gold verzichten, ratsam ist es aber sicherlich nicht.

Gold: Weniger riskant als andere Anlageklassen?
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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