Stand: 18.02.2014  1 Kommentare

Gold bricht einen charttechnischen Widerstand nach dem Nächsten und ist bislang der Anlagegewinner des neuen Jahres. Gold-Bullen sind elektrisiert, doch es mischen sich auch kritische Stimmen in die Euphorie. Unterdessen geht das muntere Schuldenmachen in aller Welt weiter: Die USA dürfen bis ins neue Jahr ihren Schuldenberg weiter wachsen lassen, Spanien gesellt sich zu Krisenstaaten wie Griechenland und Italien - und bekennende Gold-Pessimisten decken sich klammheimlich mit frischem Edelmetall ein.

Viele Goldbesitzer haben sich in den vergangenen Tagen stets aufs Neue die Augen gerieben - nachdem der Goldpreis in den vergangenen Monaten nur eine Richtung kannte und herbe Verluste hinnehmen musste, zeigt die Kursgrafik seit Tagen nach oben. Am Montag schloss Gold bei 970 Euro pro Feinunze - zum Ende des vergangenen Jahres lag er bei seinem Tiefpunkt satte 100 Euro darunter. Auch auf Dollarbasis steigt Gold von Tag zu Tag, zuletzt lag die Notierung bei 1320 US-Dollar pro Feinunze. Und nicht nur die physische Nachfrage steigt, laut "Handelsblatt " übersteigt auch die Zahl der Käufe die Verkäufe bei börsengehandelten Indexfonds auf Gold. Das Dreimonatshoch ist auch aus charttechnischer Sicht interessant: "Die Abwärtstrendlinie konnte gebrochen werden und, was viel wichtiger ist, der Widerstand im Bereich knapp unter 1.280 USD wurde überwunden", heißt es in einer Analyse der Commerzbank. Und sogar die obere Trendkanalbegrenzung des neuen kurzfristigen Aufwärtstrendkanals, die bei knapp 1.320 Dollar lag, wurde am Montag nach oben überwunden. Laut "Handelsblatt" profitiert Gold derzeit von Turbulenzen in den Schwellenländern. Sogar das Gesetz des US-Repräsentantenhauses zur Aussetzung der Schuldenobergrenze hat den Goldpreis nicht belastet. Allerdings sind manche Marktbeobachter noch skeptisch, sie glauben dass noch mehr Geld in den Markt zurückfließen muss, damit von einer Trendwende die Rede sein kann.

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben sich im ständigen Kampf mit dem Schuldenberg (mal wieder) ein wenig Luft verschafft - allerdings mit altbekannten Tricks: Die Schuldengrenze für den US-Haushalt wurde für 13 Monate praktisch außer Kraft gesetzt. Wie die "Tagesschau " berichtet, können die USA damit weiterhin ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen. Der lange Zeitraum bis zum Erreichen der Schuldengrenze dürfte den Wahlen im Herbst geschuldet sein, im November wird das Repräsentantenhaus gewählt. Die Staatsverschuldung der USA beträgt derzeit rund 17,3 Billionen Dollar (12,8 Billionen Euro). Finanzminister Jack Lew erklärte zuvor, dass die Staatsgeschäfte nur noch mit "außergewöhnlichen Maßnahmen" aufrecht erhalten werden können. Nach den Umschichtungen im Budget blieb dem Finanzministerium nur noch Bargeld und Einnahmen, um den Verpflichtungen nachzukommen. Neue Schulden durfte die wichtigste Volkswirtschaft der Welt seit dem 7. Februar nicht mehr machen. Viele Marktbeobachter verstehen die Anhebung der Schuldengrenze nun als dauerhafte Lizenz zum Schuldenmachen und Gelddrucken.

Längst ist die Deutungshoheit um die aktuelle Gold-Stärke entbrannt - Bullen und Bären kämpfen um die besseren Argumente und genaueren Prognosen. Die Zeitschrift "Börse Online " hat eine lesenswerte Umfrage unter fünf Experten zur Goldpreisentwicklung veröffentlicht. Und die Interviews machen deutlich, dass Gold zwar auf einem guten Weg, aber noch lange nicht aus dem Gröbsten heraus ist. Fondsmanager Bert Floßbach glaubt beispielsweise, dass in den kommenden Monaten die Abflüsse bei Goldfonds ihre finale Phase erreichen und den Preis nochmal drücken könnten, allerdings sei das Rückschlagpotenzial wegen der Nachfrage in den Schwellenländern begrenzt. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka Bank, glaubt dass der Goldpreis erst einmal nicht mehr stark steigen wird. Der Wirtschaftsprofessor, Fondsmanager und Vermögensverwalter Max Otte sieht die Zukunft für Gold glänzender: "Gold ist klar unterbewertet und ist nicht nur für Value-Investoren interessant. Meiner Meinung nach hat der Goldpreis gerade einen Boden gefunden und wird mittel- bis langfristig auf den angemessen Wert von über 2000 US-Dollar die Unze zulegen." Martin Mack, Fondsmanager des M&W Privat ist noch bullischer eingestellt und hält einen Goldpreis über 5000 US-Dollar für nicht ausgeschlossen. Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank, erwartet eine Stabilisierung des Goldpreises. Zwar seien große Kursgewinne vorerst unwahrscheinlich, er rät jedoch nicht zum Verkauf von Gold: "In Asien, speziell in China, nimmt der Bedarf sehr stark zu", erinnert Weinberg.

Vor einigen Wochen ist die Investment-Bank Goldman Sachs durch besonders pessimistische Marktprognosen zu Gold aufgefallen - bis auf 1050 US-Dollar sollte der Goldpreis nach Einschätzung der Bank sinken. Wie das südafrikanische Internetportal "Business Day " auf Grundlage von Zahlen der US-Börsenaufsicht SEC berichtet, hat Goldman Sachs im vierten Quartal 355.721 Anteile des weltweit größten Gold-ETFs, des SPDR Gold Trusts (Börsenkürzel: GLD) im Wert von 77,2 Millionen US-Dollar gekauft und das Investment in dem Gold-Fonds damit um 21 Prozent aufgestockt. Diese Transaktion mutet vor dem Hintergrund der Prognosen der Investmentbank, die einen Abschlag von 15 Prozent im Jahr 2014 vermutete, erstaunlich an. Und auch andere Investoren bleiben bullisch: Der größte GLD-Investor John Paulson hat seine Bestände trotz der Goldschwäche unverändert behalten. Allerdings gibt es auch Geldhäuser, die Gold weiterhin skeptisch sehen: JP Morgan hat 60 Prozent seiner GLD-Position abgestoßen, auch die Credit Suisse und Morgan Stanley zählten zu den Verkäufern. Viele Hedgefonds bleiben hingegen bullisch - die Netto-Long-Positionen sind um 17 Prozent gestiegen, die langfristig orientierten Wetten auf einen steigenden Goldpreis nehmen also wieder zu.

Nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel gerade erst ihren Finanzminister Wolfgang Schäuble zurückgepfiffen hat, der bei einem dritten Griechenland-Hilfspaket vorgeprescht war, schaffen die internationalen Geldgeber nun Fakten - und das krisengeschüttelte Griechenland kann einem Bericht der "Wirtschaftswoche " zufolge auf weitere Milliardenhilfen hoffen. 10,1 Milliarden Euro stehen derzeit allein auf europäischer Seite bereit, wenn die Troika ein positives Votum trifft. Mit einer endgültigen Entscheidung für ein drittes Griechenlandpaket will man sich aber offenbar Zeit bis nach der Europawahl lassen. Bislang hat Griechenland insgesamt rund 240 Milliarden Euro an Hilfsgeldern erhalten. Griechenland hinkt weiterhin bei der Umsetzung wichtiger Vereinbarungen hinterher, diese sind allerdings Voraussetzung für die Auszahlung weiterer Hilfstranchen aus dem aktuellen Rettungspaket.

Dass die Euro-Krise noch lange nicht ausgestanden ist, macht auch eine aktuelle Meldung aus Spanien deutlich: Wie das Finanzmagazin "Cash " aus der Schweiz berichtet, ist der Schuldenberg des Landes auf den höchsten Stand in der jüngeren Geschichte des Landes gestiegen. Die Zentralbank in Madrid beziffert den Anstieg im vergangenen Jahr auf satte 8,7 Prozent, damit liegt der Schuldenstand bei 94,05 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). 2007 lag die Staatsverschuldung noch bei 36 Prozent des BIP, Spanien zählte dem Bericht zufolge damals noch zu den Ländern mit relativ niedrigen Schulden gehört. Und die Verbindlichkeiten sollen den Prognosen der Regierung zufolge noch weiter ansteigen, im kommenden Jahr dürfte die Marke von 100 Prozent des BIP überschritten werden. Das Staatsdefizit ist so rapide unter anderem wegen der Krise auf dem Immobilienmarkt gestiegen; dieser hatte 42 Milliarden Euro an europäischen Hilfsgeldern für seine Bankenbranche erhalten. Spanien steigt somit langsam aber sicher in die Liga der großen Schuldensünder wie Italien oder Griechenland auf.

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Kommentare [1]
  • von gabi | 19.02.2014, 07:39 Antworten

    Ohne Manipulation an der Papierbörse
    ständen wir weiter oben.

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