Stand: 13.02.2018 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

World Gold Council veröffentlichte in der vergangenen Woche seine „Gold Demand Trends“ für das Jahr 2017. Trotz eines starken vierten Quartals gab es bei der physischen Goldnachfrage auf Gesamtjahressicht ein markantes Minus zu beklagen.

Globale Goldnachfrage legt Rückwärtsgang ein

So ermäßigte sich die globale Goldnachfrage im vergangenen Jahr um sieben Prozent von 4.308,7 Tonnen auf 4.071,7 Tonnen, obwohl im vierten Quartal ein Zuwachs um sechs Prozent auf 1.095,8 Tonnen verbucht worden war.

Auf der Angebotsseite war insgesamt ein Minus um vier Prozent von 4.590,9 auf 4.398,4 Tonnen registriert worden, wobei im Minenbereich ein leichter Zuwachs von 3.263,0 auf 3.268,7 Tonnen einem markanten Rückgang des Recyclingsektors um 10 Prozent von 1.295,1 auf 1.160,0 Tonnen gegenüberstand. Die schwächere Goldnachfrage führte der World Gold Council vor allem auf die Zurückhaltung im Investmentsektor zurück.

Der Bereich physisch hinterlegter Goldprodukte verzeichnete zwar Zuflüsse im Volumen von 202,8 Tonnen, gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreswert in Höhe von 546,8 Tonnen entsprach dies aber einem Einbruch um 63 Prozent.

Beim Handel von Goldbarren und -münzen konnte ein in den USA zu beobachtender Absatzeinbruch um 53,6 auf 39,4 Tonnen – den niedrigsten Wert seit zehn Jahren – nicht durch ein deutlich gestiegenes Interesse in China (plus 21,8 auf 306,4 Tonnen), Indien (plus 2,6 auf 164,2 Tonnen) und der Türkei (plus 23 auf 52,4 Tonnen) kompensiert werden.

Auf Gesamtjahressicht hat sich nämlich die Nachfrage von 1.048,7 auf 1.029,2 Tonnen (-1,9 Prozent) reduziert.

Gold: Angebot und Nachfrage im Jahr 2017

2016 (Tonnen) 2017 (Tonnen)
globales Angebot:
Minenangebot 3.268  t 3.268,7 t 0,0 %
Hedging (Preissicherung) 32,8 t -30,4 t
Recycling 1295,1 t 1.160,0 t -10,4 %
insgesamt: 4.590,9 t 4.398,4 t -4,2 %
globale Nachfrage:
Schmuckbranche 2.053,6 t 2.135,5 t 4,0 %
Technologie 323,4 t 332,8 t 2,9 %
Notenbanken 389,8 t 371,4 t -4,7 %
Investment 1.595,5 t 1.231,9 t -22,8 %
davon:
Barren & Münzen 1.048,7 t 1.029,2 t -1,9 %
ETFs und ähnliche Produkte 546,8 t 202,8 t -62,9 %

Quelle: World Gold Council

Goldappetit der Notenbanken lässt nach

Im Vergleich zum Vorjahr haben sich auch die Nettokäufe der Notenbanken negativ entwickelt, wenngleich von ihnen seit acht Jahren mehr Gold gekauft als Gold verkauft wird. Während 2016 von den Zentralbanken per Saldo aber 389,8 Tonnen Gold erworben wurden, fiel dieser Wert ein Jahr später mit 371,4 Tonnen um fünf Prozent niedriger aus.

Der Löwenanteil floss zur russischen Zentralbank, die insgesamt 224 Tonnen zugekauft hat und damit die Goldreserven des Landes seit drei Jahren um jeweils mehr als 200 Tonnen aufgestockt hat. Seit 2006 sind die Goldbestände der Russen in jedem Jahr gestiegen und haben sich innerhalb dieses Zeitraums von unter 500 Tonnen auf über 1.800 Tonnen vervielfacht.

Auch die Türken setzen in Zeiten geopolitischer Spannungen verstärkt auf Gold. Deren Notenbank erwies sich im vergangenen Jahr mit Käufen im Volumen von insgesamt 86 Tonnen als zweithungrigste Institution.

Leichte Nachfragezuwächse gab es lediglich in zwei Marktsegmenten zu vermelden – der Schmuckbranche und bei industriellen Anwendungen. Dank China und Indien war die globale Schmucknachfrage auf Jahressicht von 2.053,6 auf 2.135,5 Tonnen (+4,0 Prozent) gestiegen. Mit 562,7 Tonnen (Indien) bzw. 646,9 Tonnen (China) stehen diese beiden Länder für fast 57 Prozent der globalen Schmucknachfrage.

Im Industriesektor beendete die von 323,4 auf 332,8 Tonnen (+3,0 Prozent) gestiegene Nachfrage zwar einen sechsjährigen Abwärtstrend, aufgrund des relativ geringen Marktvolumens konnte dies die negative Gesamtmarkttendenz jedoch nicht verhindern, sondern lediglich abfedern.

Ausblick für die laufende Woche

In der Finanzwelt werden derzeit zwei Themen besonders heiß diskutiert – die Entwicklung der Zinsen und der Inflation. Obwohl Inflationssorgen eigentlich für ein Investment in Gold sprächen, stand in den vergangenen Wochen die Angst vor steigenden Zinsen einer groß angelegten Kapitalflucht in Gold eher entgegen.

US-Inflationsrate Stand Januar 2018

Weil die globale Konjunktur ausgesprochen rund läuft, setzen Anleger aufgrund der höheren Zinsen derzeit offensichtlich lieber auf Staatsanleihen als auf den zins- und dividendenlosen Krisenschutz Gold.

Das Thema Krise scheint bei vielen Anlegern eindeutig „out“ zu sein. Medienberichten zufolge haben US-Amerikaner im vergangenen Jahr massenhaft Goldmünzen verkauft, um auf Aktien umzusteigen. Dies dürfte auch den Absatzeinbruch der US Mint erklären. In den kommenden Tagen steht eine regelrechte Flut an Inflationsdaten zur Bekanntgabe an. Hierzulande dürfte sich die Anlegerschar vor allem für die deutsche Teuerung und die US-Inflationsrate stark interessieren. Beide sollen am Mittwoch veröffentlicht werden.

Gold: World Gold Council meldet Nachfrageschwäche
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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