Stand: 06.08.2019 von Jörg Bernhard 2 Kommentare

Das Interesse an Gold hat sich in diesem Jahr kräftig verstärkt. Der World Gold Council veröffentlichte am vergangenen Freitag beeindruckende Zahlen zur Entwicklung von Angebot und Nachfrage bei Gold.

Notenbanken: Rekordverdächtiger Gold-Kaufrausch

Im zweiten Quartal kletterte die Goldnachfrage gegenüber dem Vorjahresquartal von 1.039 auf 1.123 Tonnen, was einer Steigerung um acht Prozent entsprach (siehe Tabelle). Auf Halbjahressicht war ein Anstieg auf 2.181,7 Tonnen gemeldet worden, den höchsten Wert seit drei Jahren.

Die Analysten des World Gold Council (WGC) machten vor allem zwei Ursachen für diese positive Entwicklung aus: das starke Interesse diverser Notenbanken sowie die hohe Nachfrage im ETF-Sektor.

Gold: Angebot und Nachfrage im zweiten Quartal 2019

Q2 2019 Tonnen) Q2 2018 (Tonnen)
globales Angebot:
Minenangebot 882,6 t 869,2 t 1,5 %
Hedging (Preissicherung) -10,5 t -37,7 t -
Recycling 314,6 t 289,8 t 8,6 %
insgesamt: 1186,7 t 1121,3 t 5,8 %

globale Nachfrage:
Schmuckbranche 531,7 t 520,8 t 2,1 %
Technologie 81,1 t 83,3 t -2,6 %
Notenbanken 224,4 t 152,8 t 46,9 %
Investment 285,8 t 282,0 t 1,3 %
davon:
Barren & Münzen 218,6 t 248,2 t -11,9 %
ETFs und ähnliche Produkte 67,2 t 33,8 t -
insgesamt: 1123,0 t 1039,0 t  8,1 %
Quelle: World Gold Council

Physisch besicherte Gold-ETFs sind vor allem bei Investoren gefragt, die das gelbe Edelmetall als wirksamen Vermögensschutz betrachten. In den Monaten April bis Juni haben diverse Notenbanken ihre Goldreserven markant aufgestockt. Insgesamt beliefen sich die Nettogoldkäufe sämtlicher Notenbanken auf ein Volumen in Höhe von 224,4 Tonnen.

Im ersten Halbjahr sind die Käufe damit auf 374,1 Tonnen angestiegen. Dies spiegelt den höchsten Halbjahreswert seit Erhebung der Daten vor 19 Jahren wider. Den stärksten Goldhunger verspürte seit dem Jahreswechsel die polnische Zentralbank (100 Tonnen), gefolgt von Russlands Notenbank (38,7 Tonnen).

Ein kräftiges Minus im zweistelligen Prozentbereich war bei der globalen Goldmünzen- und Goldbarren-Nachfrage zu beobachten, wo gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang von 248,2 auf 218,6 Tonnen (-11,9 Prozent) registriert worden war.

Während in Indien ein Nachfrageplus von 39,3 auf 44,5 Tonnen (+13 Prozent) zu Buche schlug, gab es in China einen regelrechten Einbruch von 69,5 auf 49,5 Tonnen (-28,8 Prozent) zu beklagen. Dies dürfte vor allem auf den chinesisch-amerikanischen Handelskonflikt zurückzuführen sein.

Auch im Schmucksektor hat der Goldhunger der Chinesen spürbar nachgelassen. Bedingt durch die rasante Goldpreiserhöhung sprach der WGC von einem Nachfragekollaps im Juni. Das dritte Quartal in Folge war mit Blick auf China ein Minus gemeldet worden. Diesmal ermäßigte sich im Reich der Mitte die Nachfrage um vier Prozent auf 137,8 Tonnen.

Weltweit hat sich die Nachfrage aus der Schmuckbranche von 520,8 auf 531,7 Tonnen um etwas mehr als zwei Prozent beschleunigt. Minuszeichen gab es indes im Segment Technologie zu vermelden, wo eine Abschwächung von 83,3 auf 81,1 Tonnen (-2,6 Prozent) zu Buche schlug.

Positive Vorzeichen auf der Angebotsseite

Mit dem globalen Goldangebot ging es auf Jahressicht von 1.121,3 auf 1.186,7 Tonnen (+5,8 Prozent) bergauf. Während in der Minenproduktion lediglich ein leichter Zuwachs von 869,2 auf 882,6 Tonnen (+1,5 Prozent) gemeldet worden war, fiel das Plus bei der Sekundärproduktion (Recycling) deutlich höher aus.

Gegenüber dem Vorjahresquartal gab es hier einen Anstieg von 289,8 auf 314,6 Tonnen (+8,6 Tonnen) zu beobachten, was in erster Linie der markanten Aufwärtstendenz des Goldpreises zu verdanken war.

Ausblick für die laufende Woche

Mittlerweile hält sich der Goldpreis seit über drei Wochen über der Marke von 1.400 Dollar. Mit plus 0,3 Prozent erzielte das Gold im Juli den dritten Monatsgewinn in Folge. Die ergebnislos verlaufenen Handelsgespräche zwischen China und den USA, das Rezessionsrisiko inklusive Zinssenkungsfantasie sowie die Kriegsgefahr im Nahen Osten haben nennenswerte Gewinnmitnahmen bislang verhindert.

Das heißt: Der Krisenschutz befindet sich weiterhin in unmittelbarer Reichweite zu seinem am 19. Juli markierten Sechsjahreshoch von mehr als 1.452 Dollar. Am Donnerstag dürften die Investoren mit Spannung die Julizahlen zur chinesischen Handelsbilanz erwarten.

Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten sollen sich die Importe um 7,6 Prozent und die Exporte um 2,2 Prozent p.a. ermäßigt haben.

Zur Erinnerung: Im Juni sanken diese um 7,3 bzw. 1,3 Prozent p.a. Bereits am Mittwoch erfahren die Finanzmarktakteure, wie sich die chinesischen Devisenreserven entwickelt haben. Vor einem Monat war ein Anstieg um 18,23 Milliarden auf 3.119 Milliarden Dollar gemeldet worden, den höchsten Stand seit April 2018.

Bei den Goldreserven schlug ein Zuwachs von 79,83 Milliarden auf 87,27 Milliarden Dollar zu Buche. Damit beläuft sich die Goldquote auf weniger als drei Prozent und ist somit vor allem eines – stark ausbaufähig.

Bei Privatanlegern sollte der Goldanteil um ein Vielfaches höher (zum Beispiel zwischen 10 und 20 Prozent) ausfallen.

World Gold Council meldet starke Daten für 2. Quartal 2019
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [2]
  • von Eberhard Fürstenberger | 07.08.2019, 14:07 Antworten

    Wir gehen goldenen Zeiten entgegen , letzte Chance für Einsteiger Wer zu spät kommt den bestraft das Papiergeld

  • von Goldhamster | 06.08.2019, 17:37 Antworten

    Reise ist im wesentlichen durch die Notenbanken gestützt. Sind Russland und China immer noch nicht satt und müssen ihre $ Scheine loswerden? Interessant wird es eigentlich dann, wenn die Währungen durch Rohstoffe/Edelmetalle besichert werden und dem Fiat-money endlich der Deckel draufgeschoben wird. Letztendlich zählt die Kaufkraft des Geldes/Goldes. NEIN es wird nicht alles teurer. Nur das Geld wird stets weniger wert!

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