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Stand: 17.06.2026 von Hannes Zipfel
Der neu erschienene Report „Central Bank Gold Reserves Survey 2026“ des World Gold Council zeigt eine klare Botschaft: Gold bleibt bei Zentral- und Notenbanken strategisch gefragt. Die Umfrage lief vom 5. Februar bis 19. Mai 2026, erreichte mit 76 teilnehmenden Zentralbanken einen neuen Rekord und enthält einige Überraschungen.
Gold - Zentralbanken wollen weiter massiv kaufen!

Zentralbanken sehen Gold weiter auf Vormarsch

Die Kernaussage der Umfrage ist eindeutig: Die Zentralbanken gehen davon aus, dass der globale Goldhunger der Notenbanken anhält. 89 Prozent der befragten Institutionen erwarten, dass die weltweiten Goldreserven der Zentralbanken in den kommenden zwölf Monaten weiter steigen werden.

Das ist zwar etwas weniger als der außergewöhnlich hohe Wert des Vorjahres von 95 Prozent, bleibt aber historisch betrachtet ein sehr starkes Signal. Bemerkenswert ist vor allem, dass diese Einschätzung sowohl von Zentralbanken aus Industrieländern als auch aus Schwellen- und Entwicklungsländern geteilt wird.

Prognosen zu den Goldreserven der ZentralbankenQuelle: World Gold Council

Der Hintergrund ist klar: Zentralbanken haben in den vergangenen vier Jahren im Schnitt rund 1.000 Tonnen Gold pro Jahr akkumuliert.

Weitere Zentralbanken schließen sich dem Trend an – der Goldanteil in den Reserven könnte weiter steigen.

Das ist etwa doppelt so viel wie der Durchschnitt der vorangegangenen Dekade. Damit ist Gold längst nicht mehr nur ein passiver historischer Bilanzposten, sondern wieder ein aktives Instrument der Währungs- und Reservepolitik.

Gerade in einer Phase geopolitischer Spannungen, wachsender fiskalischer Risiken, hoher Staatsschulden und wiederkehrender Inflationssorgen erfüllt Gold mehrere Funktionen gleichzeitig: Es ist liquide, nicht beliebig vermehrbar, nicht direkt von der Zahlungsfähigkeit eines Schuldners abhängig und weltweit akzeptiert.

Für den Goldpreis ist diese Entwicklung strukturell relevant. Wenn Zentralbanken dauerhaft als strategische Käufer auftreten, entziehen sie dem Markt physisches Angebot. Das unterscheidet ihre Nachfrage fundamental von kurzfristigen ETF-Strömen oder spekulativen Terminmarkt-Positionen.

Zentralbanken kaufen nicht wegen eines kurzfristigen Chartsignals, sondern zur Stabilisierung ihrer Reservearchitektur. Genau deshalb ist diese Nachfrage besonders preissensibel nach oben: Sie verschwindet nicht automatisch, nur weil Gold bereits stark gestiegen ist.

Eigene Goldreserven: Rekordanteil will weiter aufstocken

Noch spannender als die Einschätzung zur globalen Entwicklung ist die Frage, was die einzelnen Zentralbanken mit ihren eigenen Beständen vorhaben. Hier liefert die Umfrage ein klares Rekordsignal: 45 Prozent der Befragten erwarten, dass die Goldreserven ihrer eigenen Institution in den kommenden zwölf Monaten steigen werden. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebung und liegt leicht über dem Vorjahreswert von 43 Prozent. Nur 1 Prozent rechnet mit sinkenden Goldbeständen, während 54 Prozent keine Veränderung erwarten.

Umfrageergebnisse zu den eigenen GoldreservenQuelle: World Gold Council

Diese Zahlen sind deshalb so wichtig, weil sie eine mögliche Fortsetzung der realen Kaufwelle bestätigen. Es handelt sich nicht nur um eine abstrakte Einschätzung, dass „andere“ Zentralbanken kaufen könnten.

Fast jede zweite befragte Zentralbank sieht auch für die eigene Bilanz einen Ausbau der Goldreserven. Besonders stark bleibt der Trend laut Umfrage bei Zentralbanken aus Schwellen- und Entwicklungsländern. Das passt zu den vergangenen Jahren, in denen viele Länder ihre Reserven breiter aufstellen wollten, um weniger abhängig von einzelnen westlichen Währungen, Zahlungswegen und geopolitischen Risiken zu sein.

Gold profitiert dabei von einer besonderen Eigenschaft: Es ist ein Reserveaktivum ohne Kontrahentenrisiko. Eine US-Staatsanleihe ist zugleich Forderung gegenüber dem amerikanischen Staat. Eine Bankeinlage ist eine Forderung gegenüber einer Bank. Gold dagegen ist kein Zahlungsversprechen eines Dritten, sondern ein direkter Vermögenswert. Genau diese Eigenschaft wird in einer multipolareren Weltordnung wichtiger.

Für viele Notenbanken ist Gold daher nicht nur Inflationsschutz, sondern auch eine Form monetärer Souveränität. Je stärker geopolitische Konflikte, Sanktionen und Finanzmarktfragmentierung in die Reservepolitik hineinwirken, desto naheliegender wird eine höhere Goldquote.

Warum Gold? Krise, Diversifikation und Inflationsschutz

Die Motive der Zentralbanken zeigen, warum der Goldtrend kein kurzfristiges Modephänomen ist. Laut Umfrage nennen 90 Prozent der Befragten die starke Performance von Gold in Krisenzeiten als relevanten Grund für die Goldhaltung. 84 Prozent verweisen auf Gold als langfristigen Wertspeicher beziehungsweise Inflationsschutz, 83 Prozentauf seine Funktion als effektiver Portfolio-Diversifikator.

Gold kann von zunehmenden geopolitischen und handelspolitischen Spannungen profitieren.

Damit stehen genau jene Eigenschaften im Zentrum, die Gold seit Jahrhunderten zu einem monetären Sonderfall machen.

Umfrageergebnisse zu den Eigenschaften von GoldQuelle: World Gold Council

Gerade für Notenbanken zählt nicht nur Rendite, sondern vor allem Sicherheit, Liquidität und Stabilität. Gold wirft zwar keine laufenden Zinsen ab, aber es besitzt dafür keine Ausfallwahrscheinlichkeit.

In Zeiten, in denen Zinsniveaus, Schuldenquoten, Handelskonflikte und geopolitische Spannungen gleichzeitig auf der Agenda der Reserveverwalter stehen, wird diese Eigenschaft zunehmend wertvoll.

Die Umfrage zeigt zudem, dass geopolitische Instabilität inzwischen noch stärker in den Fokus rückt. 88 Prozent der Befragten nennen sie als relevantes Thema für Reserveentscheidungen, bei den Schwellen- und Entwicklungsländern sogar 95 Prozent.

Auffällig ist auch die unterschiedliche Gewichtung zwischen Industrieländern und EMDE-Zentralbanken. Während viele Industrieländer Gold teils historisch bedingt bereits in großen Mengen halten, nutzen Schwellenländer Gold stärker als strategisches Aufhol- und Diversifikationsinstrument.

Für sie ist Gold nicht nur ein Krisenanker, sondern auch ein Baustein zur Verringerung struktureller Dollar-Abhängigkeit.

Die starke Relevanz von Gold als geopolitischer Risiko-Hedge bestätigt diesen Trend. Gold wird damit zur Versicherung gegen eine Welt, in der Währungsreserven nicht mehr nur nach Rendite und Liquidität beurteilt werden, sondern zunehmend auch nach politischer Neutralität und Verfügbarkeit im Krisenfall.

Dollar unter Druck: Gold gewinnt in den Reservebilanzen

Die Umfrage enthält ein starkes Signal für die künftige Architektur der globalen Währungsreserven: 74 Prozent der Befragten erwarten, dass der Anteil des US-Dollars an den weltweiten Reserven in fünf Jahren moderat oder deutlich niedriger liegen wird.

Zugleich glauben 84 Prozent, dass Gold in fünf Jahren einen höheren Anteil an den gesamten Reserven ausmachen wird.

Das bedeutet nicht, dass der US-Dollar seine Rolle als dominante Reservewährung kurzfristig verliert. Aber es zeigt, dass die Zentralbanken eine schrittweise Verschiebung erwarten:

Der US-Dollar dürfte dominant bleiben, aber mit geringerem Anteil als heute.“

Paradigmenwechsel US-Dollar vs. Gold

Diese Entwicklung ist ökonomisch und politisch hoch relevant. Der Dollar bleibt wegen der Tiefe des US-Anleihemarktes, der Liquidität und der globalen Handelsverflechtung schwer ersetzbar. Doch genau diese Dominanz wird zunehmend differenzierter betrachtet.

Je stärker Staatsverschuldung, Sanktionspolitik, Haushaltsdefizite und politische Polarisierung in den USA diskutiert werden, desto attraktiver wird ein neutraler Reservebaustein. Gold ist dabei nicht die Währung eines konkurrierenden Landes, sondern ein supranationaler Vermögenswert.

Interessant ist auch, dass Euro und Renminbi laut Umfrage nicht im gleichen Maße als Gewinner einer Dollar-Umschichtung gesehen werden. Viele Befragte erwarten dort eher stabile Anteile. Das spricht dafür, dass Gold einen Teil der Diversifizierungsfunktion übernimmt, die andere Papierwährungen nur begrenzt leisten können.

Für die Zentralbanken ist Gold somit nicht einfach eine Alternative zum Dollar, sondern eine Alternative zum gesamten System kreditbasierter Reserveaktiva.

In einer Welt zunehmender Fragmentierung könnte genau diese Eigenschaft entscheidend werden: Gold ist politisch neutraler, physisch knapp und bilanziell unabhängig von der Bonität eines Emittenten.

Goldkauf, Lagerung und Kontrolle:
Zentralbanken denken operativer

Neben der strategischen Nachfrage zeigt die Umfrage auch eine wichtige operative Entwicklung: Zentralbanken behandeln Gold zunehmend als eigenständigen Reservebaustein.

76 Prozent der Befragten verwalten Gold separat von anderen Reserveaktiva. 75 Prozent nennen Gold als strategischen Vermögenswert als Grund für diese separate Behandlung. Das zeigt: Gold liegt nicht einfach nur aus historischen Gründen in den Tresoren, sondern wird in vielen Institutionen bewusst als Sonderposition geführt.

Operative Entwicklung von Gold bei ZentralbankenQuelle: World Gold Council

Auch bei der physischen Form dominieren weiterhin London Good Delivery Bars. 62 Prozent der Befragten nennen sie als bevorzugte Form bei physischen Käufen, 93 Prozent halten Goldbestände bevorzugt in dieser Form.

Das unterstreicht die Bedeutung internationaler Standards, Handelbarkeit und Liquidität. Gleichzeitig rückt die Frage der Lagerung stärker in den Vordergrund. Die Bank of Englandbleibt mit 57 Prozent der beliebteste Verwahrort, doch 49 Prozent nennen auch heimische Lagerung. Zudem gaben 9 Prozent an, ihre inländische Lagerung in den vergangenen zwölf Monaten erhöht zu haben, während 10 Prozent ihre Auslandsverwahrung breiter diversifiziert haben.

Besonders interessant ist die Finanzierung neuer Goldkäufe. Die Hälfte der Befragten will neue Käufe über heimische Kaufprogramme in lokaler Währung finanzieren,38 Prozent über den Verkauf bestehender Reserveaktiva (z.B. US-Staatsanleihen). Das ist ein wichtiger Hinweis: Goldkäufe müssen nicht zwingend durch zusätzliche Dollarliquidität finanziert werden.

Vor allem Länder mit eigener Goldproduktion können heimische Fördermengen direkt in Zentralbankreserven transformieren. Dadurch entsteht eine Verbindung zwischen Rohstoffpolitik, Währungspolitik und strategischer Reserveverwaltung.

Fazit & Ausblick: Gold wird zum Gegenpol des US-Dollars

Die Umfrage des World Gold Council zeigt eine überraschende strukturelle Verschiebung in den Bilanzen der Zentral- und Notenbanken. Der US-Dollar bleibt zwar die wichtigste Reservewährung der Welt, aber seine relative Dominanz wird zunehmend hinterfragt.

74 Prozent der befragten Zentralbanken erwarten einen niedrigeren Dollar-Anteil in den globalen Reserven innerhalb der nächsten fünf Jahre. Gleichzeitig erwarten 84 Prozent einen höheren Goldanteil. Das ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer veränderten Weltordnung.

Gold erfüllt Funktionen, die Papierwährungen nur begrenzt leisten können: Es ist nicht beliebig vermehrbar, besitzt kein direktes Ausfallrisiko, ist weltweit akzeptiert und funktioniert in Krisen als Vertrauensanker. In einer Phase geopolitischer Spannungen, wachsender Staatsschulden, wiederkehrender Inflationsrisiken und zunehmender Finanzfragmentierung gewinnt dieser Charakter an Bedeutung. Für Zentralbanken ist Gold damit nicht nur ein Rohstoff, sondern ein strategisches Reserveinstrument.

In den kommenden Jahren dürfte Gold daher weiter an Bedeutung gewinnen – allerdings nicht als vollständiger Ersatz für den US-Dollar, sondern als wachsendes Gegengewicht.

Die Reservebilanzen der Zentralbanken werden voraussichtlich multipolarer: weniger einseitige Dollarabhängigkeit, mehr Diversifikation, mehr physische Kontrolle und ein höherer Anteil neutraler Vermögenswerte.

Für den Goldmarkt bedeutet das: Die Zentralbanknachfrage bleibt ein struktureller Preistreiber. Solange geopolitische Unsicherheit, Schuldenprobleme und Zweifel an der Stabilität des Papiergeldsystems bestehen, dürfte Gold in den Tresoren der Notenbanken weiter an Gewicht gewinnen.

Profilbild von Hannes Zipfel
Stand: 17.06.2026
geschrieben von:
Ökonom, Journalist mit Schwerpunkt Wirtschaft und Finanzmärkte
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von Gerold Jost | 19.06.2026, 11:01 Uhr Antworten

ICH habe Gold gekauft und im Moment ungefähr 10.ooo€ verloren. Muss das Vermögen in etwa 2 Jahren in Anspruch nehmen, wie wahrscheinlich ist , dass ich die Summe wieder bekomme, die ich ursprünglich eingesetzt habe oder mehr? Ich weiß, dass es für die Antwort keine Garantie gibt.

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