Stand: 31.08.2016 von Jörg Bernhard 4 Kommentare

An den Goldmärkten wird dem gelben Edelmetall seit Jahrzehnten eine negative Korrelation zu Dollar, Zinsen und Aktien nachgesagt. Einige dieser "Gesetzmäßigkeiten" bekommt Gold derzeit leicht zu spüren.

Das vermeintliche Problem der Opportunitätskosten

Eines dürfte jedem Anleger klar sein: Anleihen bester Bonität bieten ihren Besitzern derzeit eindeutig zu geringe Zinsen. Bereinigt um die Inflationsrate fallen hier Jahr für Jahr negative Realzinsen an, wodurch allein in Deutschland Vermögenswerte in Milliardenhöhe vernichtet werden. Die Niedrigzinspolitik und die zahlreichen Anleihe-Kaufprogramme der weltweit wichtigsten Notenbanken waren hierfür hauptverantwortlich. Viele Kapitalmarktexperten attestieren dem Markt für Triple-A-Staatsanleihen daher den Charakter einer riesigen Blase. Weil das gelbe Edelmetall weder Zinsen noch Dividenden abwirft, gelten steigende Zinsen generell als potenzieller Belastungsfaktor für Gold – je höher der Verzicht auf diese Einnahmen ausfällt, desto unattraktiver scheint ein Goldinvestment.

Dieser Schein kann aber trüben, schließlich können höhere Zinsen mit Blick auf das damit verbundene Risiko weiterhin unangemessen niedrig sein. Während das Angebot an Gold nicht beliebig vermehrt werden kann, trifft dieser Umstand dank modernster Drucktechnik bei Geld nicht zu. Nur zur Erinnerung: Allein die Europäische Zentralbank kauft pro Monat Staats- und Unternehmensanleihen im Volumen von 80 Milliarden Euro auf, während laut World Gold Council von April bis Juni die globale Goldminenförderung auf einen Gegenwert von lediglich 11 Milliarden Dollar pro Monat kam. Während in der Vergangenheit einige Staatsanleihen oder Aktienunternehmen ihren Besitzern einen Totalverlust beschert haben, blieb dieses Schicksal der Alternativwährung Gold bislang stets erspart. Gerade dieser Aspekt macht Gold als Versicherungsschutz gegen die nächste Finanzkrise interessant.

Terminspekulanten treten auf die Bremse

Institutionelle Investoren haben über Käufe von ETFs bzw. Gold-Futures den Goldpreis Anfang Juli auf den höchsten Stand seit über zwei Jahren getrieben. An den Terminmärkten kletterte der Optimismus großer und Terminspekulanten am 26. Juli sogar auf ein neues Allzeithoch von über 399.000 Kontrakten.

Nur zur Erinnerung: Ein Gold-Future bewegt – zumindest auf dem Papier – den Gegenwert von 100 Feinunzen Gold.

Diese Zuversicht hat in den vergangenen Wochen empfindlich gelitten und mittlerweile zu einer auf 317.475 Futures reduzierten Netto-Long-Position geführt, was einem Rückgang von immerhin 20 Prozent entspricht. Die größten Umschichtungen waren während dieses Zeitraums unter den Großspekulanten (Non-Commercials) zu beobachten. Deren Netto-Long-Position hat sich nämlich innerhalb von vier Wochen von 368.955 auf 294.609 Kontrakte reduziert (-20,2 Prozent). Kleinspekulanten (Non-Reportables) wurden ebenfalls skeptischer und haben ihre Netto-Long-Position innerhalb eines Monats von 30.068 auf 22.866 Futures (-24,0 Prozent) zurückgefahren.

Nur zur Erinnerung: Ende Dezember fiel die Zuversicht großer und kleiner Terminspekulanten erheblich geringer aus. Während Großspekulanten eine Netto-Long-Position von 19.102 Kontrakten auswiesen, waren Kleinspekulanten mit 3.767 Kontrakten netto short, also mehrheitlich pessimistisch gestimmt.

Charttechnische Spannung steigt

Das Wichtigste vorweg: Das Anfang des Jahres generierte Trendwechselsignal lässt den Krisenschutz Gold weiterhin glänzend dastehen, schließlich gab es damals gleich drei charttechnische Kaufsignale zu vermelden.

Erstens: Der Goldpreis überwand relativ mühelos sowohl die 100- als auch die 200-Tage-Linie.

Zweitens: Beide Durchschnittslinien wechselten von einem Abwärts- in einen Aufwärtstrend.

Drittens: Das gelbe Edelmetall gelang ein deutlicher Ausbruch aus dem mehrjährigen Abwärtstrend. Im Zuge der in den Sommermonaten zu beobachtenden Korrekturphase hat das übergeordnete Chartbild noch keine markanten "Kratzer" abbekommen. Damit dies so bleibt, sollte die im Bereich von 1.300 Dollar verlaufende Unterstützungszone erfolgreich verteidigt werden (siehe Grafik).

GoldpreisCchartanalyse

Ausblick für die laufende Woche

Weil Fed-Chefin Janet Yellen und ihre Kollegen immer wieder die Bedeutung des US-Arbeitsmarktes und der US-Inflation als besonders wichtige Konjunkturindikatoren hervorgehoben haben, dürften die nächsten Handelstage besonders spannend werden. Denn in der zweiten Wochenhälfte stehen diesbezüglich einige wichtige Termine auf der Agenda. Der Startschuss fällt am Mittwoch, wenn der Augustbericht der Research-Firma ADP zur Lage am US-Arbeitsmarkt veröffentlicht wird. Am Donnerstag folgt dann noch der Challengerbericht über Stellenstreichungen sowie die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Das Hauptaugenmerk dürften die Investoren aber auf den für Freitag angekündigten Monatsbericht des US-Arbeitsministeriums richten. Laut einer von der Nachrichtenagentur Bloomberg veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich die Zahl neu geschaffener Stellen von 255.000 (Juli) auf 180.000 reduziert haben. Ein deutlich stärkeres höheres Jobwachstum wäre eher schlecht für Gold und könnte auch unter dem charttechnischen Blickwinkel zum Belastungsfaktor für Gold werden.

Goldpreis: Zinssorgen lassen Krisenschutz weniger glänzen
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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Kommentare [4]
  • von Stefan | 31.08.2016, 10:12 Antworten

    Wenn die FED endlich mal reinen Tisch macht und die Zinsen nochmals anhebt werden Gold und Silber im Chart wohl einen Korrektur nach unten machen. Dieses Wischi-Waschi-Spiel der FED wird nun schon seit vielen Monaten gespielt. Fragt sich was mehr Schaden anrichtet, diese ständigen wagen Aussagen oder endlich mal Fakten schaffen.

    Auf jeden Fall wird Gold & Silber bei zukünftige Sorgen an der Börse wieder stark gefragt sein.

  • von Goldmann | 01.09.2016, 09:45 Antworten

    Der Wahlsieg der AFD wird Das gelbe Metall weiter beflügeln.

  • von meerettich | 02.09.2016, 02:07 Antworten

    Zins-Angst als Begründung für fallende Goldpreise ist völliger BLÖDSINN !

    Von 1966 (Hoch im Dow Jones) bis 1980 stiegen die US Staats-Schulden auf damals exzessive 1.000 Mrd $ und die Zinsen für 10 J Treasury Bonds stiegen auf ca. 15%.

    Wenn der weitere Anstieg der Schulden mit sinkenden Zinsen einher ging, so war seit 35 Jahren doch wohl was mit dem Gesetz von Angebot u. Nachfrage nicht in Ordnung?

    2016 betragen die US-Schulden ca. 20.000 Mrd.$. Wie hoch werden die, heute auf 1,5% nach unten MANIPULIERTEN Zinsen (10 j. Treasury Bonds) wohl diesmal steigen, um die ausufernde Schuld-Geld-Menge wieder in den Griff zu bekommen?
    Zins-Angst als Begründung für fallende Goldpreise ist völliger Blödsinn. Immerhin liegen zwischen 1966 (Hoch im Dow Jones) und 1980 (Hoch im Gold) ganze 14 Jahre... bei gleichzeitig 15 % Zinsen (T-Bonds) ?? !

  • von Karsten | 03.09.2016, 12:25 Antworten

    Ich bin ganzer deiner Meinung ..meerettich... das billige
    Geld muss ja irendwann mal auch aus dem Markt genommen werden. Sobald die Zinsen steigen, würden einige Staaten Bankrott anmelden, viele können schon jetzt nicht die Zinsen tilgen und benötigen ständig neues Geld. Europa ist Pleite und somit auch gescheitert. Mit dem billigen Geld erkaufen sich die EZB und Co. nur Zeit.....und die Uhr Tickt.........

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