Stand: 07.01.2019 von Egmond Haidt 0 Kommentare
Während die Turbulenzen an den weltweiten Börsen zunehmen, schichten Investoren verstärkt Geld in Gold um. Offenbar verbessert sich das Umfeld für das Edelmetall deutlich. Die weitere Entwicklung des Goldpreises dürfte nicht zuletzt von der des US-Anleihenmarkts abhängen.

Auf das höchste Niveau seit Mitte Juni 2018 ist der Goldpreis geklettert. Für Rückenwind hat zuletzt die Gewinnwarnung von Apple für das vierte Quartal gesorgt. Der drittgrößte Smartphone-Hersteller der Welt hat vor allem wegen des schwachen iPhone-Geschäfts in China den Ausblick für das vergangene Quartal kräftig gesenkt. Die Meldung hat die Sorgen der Investoren vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft und damit der Weltwirtschaft verstärkt, woraufhin der Dollar gegenüber dem Yen eingebrochen ist.

Im Gegenzug hat sich der Anstieg des Goldpreises beschleunigt. Wenn sich Investoren Sorgen über die Weltwirtschaft und damit den weltweiten Finanzmarkt machen, flüchten viele Anleger in den sicheren Hafen Gold, genau diese Bewegung ist derzeit sehr gut zu beobachten.

Sorgen der Investoren vor einer US-Rezession wachsen

Das Umfeld für Gold hat sich in den vergangenen Monaten erheblich verbessert, wie der Kursanstieg klar zeigt. Dafür gibt es eine Menge Gründe.

  • So ist weiterhin keine Lösung im Handelskrieg zwischen den USA in China in Sicht, weshalb sich die Konjunktur in China trotz der Maßnahmen der Notenbank zusehends abkühlt.

  • Gleichzeitig wächst bei Investoren die Angst, dass die US-Wirtschaft im laufenden Jahr in eine Rezession abrutschen könnte, weil die Fed mit ihren anhaltenden Zinserhöhungen die hochverschuldete US-Wirtschaft viel zu sehr belastet.

  • Zuletzt sind die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen auf knapp über 2,6 Prozent gesunken, womit sie auf dem niedrigsten Niveau seit Ende Januar 2018 liegen.

Dabei hat die US-Notenbank Fed die Leitzinsen seit damals um 100 Basispunkte (1,0 Prozentpunkte) angehoben. In dem Umfeld hätten die Zinsen für zehnjährige Anleihen üblicherweise um mindestens 100 Basispunkte steigen müssen. Dass die Zinsen stattdessen auf Zwölf-Monats-Tiefs gesunken sind, zeigt, wie sehr sich die langfristigen Perspektiven für die US-Wirtschaft eingetrübt haben.

US-Anleihenmarkt sendet starke Warnsignale

Gleichzeitig ist der Zinsaufschlag für zehnjährige US-Anleihen gegenüber zweijährigen auf 16 Basispunkte abgerutscht und notiert somit in der Nähe des niedrigsten Niveaus seit August 2007. Der Anleihenmarkt schätzt damit die Perspektiven für die US-Wirtschaft als so schlecht ein, wie seit mehr als elf Jahren nicht mehr.

Wenn man von den Zinsen für zehnjährige Anleihen jene für zweijährige abzieht, entfernt man die Inflationskomponente und es bleibt nur noch die Wachstumskomponente übrig.

Viele Investoren befürchten, dass die Zinsstrukturkurve schon bald invers werden könnte, dass die Zinsen für zehnjährige Papiere also niedriger wären als jene für zweijährige. Das wäre ein sehr sicheres Rezessionssignal, war doch vor den vergangenen neun Rezessionen in den USA die Zinsstrukturkurve immer invers.

Während Fed-Chef Jay Powell und seine Kollegen für das laufende Jahr zwei Zinserhöhungen signalisieren, hat der Markt für Fed Funds Futures, also Derivate auf die US-Leitzinsen, Zinserhöhungen praktisch ausgepreist. Das Markt geht also davon aus, dass es im laufenden Jahr keine einzige Erhöhgung geben wird.

„Starke US-Wirtschaft“ ist eine Erfindung von Trump, der Fed und den Massenmedien

Vielmehr dürften in den nächsten Monaten die Zinsen für zehnjährige Anleihen weiter sinken und die Kurve allmählich invers werden. In dem Umfeld dürften Investoren darauf setzen, dass die Fed möglicherweise bereits im Herbst eine Kehrtwende einleiten und ein neues Gelddruckprogramm namens QE4 ankündigen könnte. Dann wäre das Gerede über die „starke US-Wirtschaft“ endgültig vorbei.

Die Wirtschaft war im vergangenen Jahr keineswegs stark, sie ist lediglich von der kräftigen Steuersenkung von Donald Trump beflügelt worden, während neben dem Staat auch die privaten Haushalte und die Unternehmen Schulden gemacht haben als gäbe es kein Morgen.

Allein die Regierung in Washington hat zwischen Ende 2017 und Ende 2018 horrende 1,3 Billionen Dollar an neuen Schulden gemacht – und das in einem Umfeld, in dem die Wirtschaft gebrummt hat, unglaublich! 

Weil das Strohfeuer allerdings im laufenden Jahr vorbei ist, ist die Wirtschaft schwächer als je zuvor, weil das Verhältnis von Schulden zur jährlichen Wirtschaftsleistung noch höher ist als je zuvor.

Kurz zusammengefasst:

Ich gehe davon aus, dass der Kurseinbruch beim S&P500 und beim DAX weitergeht, woraufhin Investoren weiter in Gold flüchten dürften.

Zweitens sollte der Dollar beim Heraufziehen einer US-Rezession allmählich nach unten drehen, woraufhin der Goldpreis von einer zweiten Seite Rückenwind bekäme.

Drittens dürften die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen im Rückwärtsgang bleiben, was ebenfalls den Goldpreis stützen würde, zumal sinkende US-Zinsen den Dollar nach unten ziehen dürften, weil weniger Geld aus dem Ausland in US-Anleihen fließen dürfte.

Die nächsten Monate werden zeigen, ob es zu einem nachhaltigen Anstieg der Notierung des Edelmetalls kommen wird.

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Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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