Stand: 30.04.2019 von Jörg Bernhard 7 Kommentare

Trotz freundlicher Aktienmärkte bunkerten laut einer aktuellen Veröffentlichung des World Gold Council europäische Gold-ETCs mit 1.121 Tonnen so viel Gold wie noch nie. Offensichtlich vertrauen verunsicherte Investoren nach wie vor auf dessen Fähigkeiten als Krisen-, Vermögens- und Inflationsschutz.

Starkes Goldinteresse in Europa

Der Siegeszug dieser Form von Goldinvestment begann im Jahr 2003. Im Herbst 2012, als das gelbe Edelmetall mit 1.753 USD sein Rekordhoch markiert hatte, belief sich deren hinterlegte Goldmenge auf weniger als 1.000 Tonnen. Bis Ende 2015 gab es dann einen "Aderlass" unter 600 Tonnen zu beobachten. In den nachfolgenden Jahren ging es dann aber wieder steil bergauf und neue Rekordmarken wurden wie am Fließband produziert. Rekordhohe Zuflüsse in Höhe von 281 Tonnen gab es für 2016 zu vermelden. 

Von 2016 bis 2018 erlebten vor allem physisch besicherte Goldpapiere aus Großbritannien und Deutschland einen regelrechten Boom. Laut World Gold Council waren für diesen Positivtrend drei Faktoren hauptverantwortlich. Neben negativen Realzinsen und geopolitischen Risiken löste auch die erhöhte Volatilität an den Finanzmärkten einen Run auf das gelbe Edelmetall aus.

Auch die politische Entwicklung in Europa dürfte dabei eine wichtige Rolle gespielt haben. Wichtige Mitgliedsstaaten wie Deutschland, Frankreich, Italien und diverse osteuropäische Länder kreierten regelmäßig Negativschlagzeilen. Dies alles hat dazu geführt, dass der weltweite Marktanteil nordamerikanischer Gold-ETCs seit Dezember 2015 von 60 auf 50 Prozent gesunken und im Gegenzug die Quote der europäischen Pendants von 35 auf 45 Prozent gestiegen ist. 

Die nachlassende wirtschaftliche Dynamik in der Eurozone und die Aussicht auf anhaltend niedrige Zinsen könnte nun der Garant für eine anhaltend hohe Goldnachfrage sein.

Risiken in Europa größer als in den USA?

Das Schutzbedürfnis scheint in Europa von nachhaltiger Natur zu sein. Die Stimmungsschwankungen sowie die damit verbundenen Zu- und Abflüsse fallen nämlich weniger heftig aus als jenseits des Atlantiks. Der World Gold Council hat hierfür mehrere Gründe ausgemacht. 

Zum einen sorgen sich Europäer sowohl um die globale Lage auch als auch um die innereuropäischen Probleme. Weil sich die europäische Wirtschaft schwächer entwickelt als die der USA und sich die politischen Perspektiven sowie die geldpolitischen Aussichten ausgesprochen turbulent darstellen, gelten die Sorgen als ausgesprochen hartnäckig. 

Außerdem wird bei Gold-ETCs "Made in USA" häufig über Optionen der Hebel angesetzt, was sich dann entsprechend auf die Assets under Management (gehaltene Goldmenge) stark auswirken kann.

Globale Marktanteile europäischer und nordamerikanischer Gold-ETFs

Globale Marktanteile europäischer und nordamerikanischer Gold-ETFs
Quelle: World Gold Council + eigene Bearbeitung GOLD.DE



Ausblick für die laufende Woche

Der Mai steht vor der Tür und die alte Börsenregel "Sell in May and go away" dürfte in der Presse wieder verstärkt beansprucht werden. Die Frage lautet allerdings: Was soll verkauft werden, Aktien, Anleihen, Immobilien oder gar Gold? 

In den vergangenen acht Jahren verbreitete der Mai mit Blick auf die Entwicklung des Goldpreises wenig Glanz. Positive Vorzeichen gab es lediglich in den Jahren 2015 (+0,3 Prozent) und 2017 (+0,6 Prozent) zu vermelden. Ansonsten herrschte meist eine verstärkte Verkaufslaune, was sich vor allem in den Jahren 2012 (-6,2 Prozent), 2013 (-6,1 Prozent) und 2016 (-5,0 Prozent) in massiven Kursverlusten niederschlug. 

Unter saisonalen Aspekten mag die Zeit für einen Goldkauf möglicherweise nicht optimal sein. Wer jedoch das zweifellos vorhandene Timingrisiko reduzieren möchte, könnte zum Beispiel einmal pro Quartal oder einmal pro Halbjahr ein Goldinvestment tätigen. Ohnehin bietet sich bei Gold an, das tägliche Marktrauschen eher auszublenden und den Krisenschutz vor allem als Langfristinvestment zu betrachten.

Eine Nutzung als Spekulationsobjekt dürfte größere Probleme bereiten, schließlich weiß man nie, auf welchen Einflussfaktor (Dollar, Zinsen oder Marktvolatilität) der Goldpreis auf kurze Sicht besonders stark reagieren wird. Die Interpretation als alternative Krisenwährung dürfte verängstigten Investoren weniger schlaflose Nächte bereiten als ein Long- oder Short-Engagement auf Gold. 

In den kommenden Handelstagen könnten diverse Einkaufsmanagerindizes und die anstehende Datenflut vom US-Arbeitsmarkt neue Impulse für den Kurzfristtrend des Goldpreises liefern. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese einen Kursverfall bzw. -anstieg nach sich ziehen, liegt bei 50 Prozent und zeugt somit von einem erheblichen Maß an Unsicherheit

Goldbestände europäischer ETCs auf Rekordniveau
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [7]
  • von goldfisch | 30.04.2019, 23:40 Antworten

    Wie kann Herr Bernhard behaupten, dass im Herbst 2012 der Goldpreis bei 1753 Euro sein hoch gefunden hätte. Wenn das Allzeithoch bei Gold nur bei ca 1.380 Euro liegt?

    • Gold.de Redaktion   Gold.de - Redaktion | 09.05.2019, 12:10 Antworten

      Vielen Dank für Ihren Hinweis. Wurde von Euro auf USD geändert!

  • von goldfisch | 01.05.2019, 23:14 Antworten

    Niemand hat behauptet, dass es schlimm ist. Aber das Allzeithoch in US-Dollar lag bei gerundet 1908 Dollar. Es Es bringt natürlich niemanden um, aber wenn man solch einen Test schreibt, sollten die genannten Zahlen wenigstens stimmen.

    • von Lupe | 02.05.2019, 15:35 Antworten

      Goldfisch: Wow, Sie reagieren aber echt gereizt! Ich bitte doch nur um ein wenig Nachsicht mit Herrn Bernhard, DASS kann doch mal passieren und ist doch wirklich nicht so schlimm... oder?

  • von eberhard zurwinkel | 02.05.2019, 11:07 Antworten

    Achtung im Dezember Goldeinkauf bei 1000 Dollar möglich.

    • von Lupe | 02.05.2019, 15:11 Antworten

      Das mit den 1000 Dollar wird wohl hoffentlich nicht eintreten. Wäre wohl ne kleine Katastrophe für die Edelmetallbesitzer.
      Solange wie die Bestien, Falschspieler, Kriegstreiber, machtgierigen und menschenverachtenden Despoten wie Donald T., Wladimir P., Recep. E und viele andere durchgeknallte Kranke die Weltgeschicke versuchen zu manipulieren, wird DAS wohl nicht eintreten. Und nicht zu vergessen, das "BREXIT-DESASTER" ist auch noch nicht vom Tisch... Es ist nur vertagt...

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