Stand: 10.02.2015 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

In China und bei ETFs war in der vergangenen Handelswoche zwar erhebliches Kaufinteresse zu beobachten, beim Goldpreis machte sich dies dennoch nicht positiv bemerkbar. Vor dem Wochenende stürzte das gelbe Edelmetall aufgrund robuster als erwarteter Arbeitsmarktdaten sogar unter die 200-Tage-Linie regelrecht ab.

Schweizer exportieren vor allem nach Asien

Am 19. Februar findet das chinesische Neujahrsfest statt und läutet das Jahr des Holz-Schafs bzw. der Holz-Ziege ein. Traditionell nimmt im Vorfeld der Feierlichkeiten der Goldappetit der Chinesen meist zu - so auch in diesem Jahr. Allein in der abgelaufenen Handelswoche kletterte an der Shanghai Gold Exchange der Umsatz an Ein-Kilogramm-Goldbarren von 108.925 auf 138.208 kg (+26,9 Prozent).

Dass in Asien ein besonders ausgeprägter Goldappetit existiert, ist schon seit Jahren zu beobachten. Viel Gold fließt von West nach Ost. Dies belegte auch die von der Eidgenössischen Zollverwaltung Anfang Februar veröffentlichte Statistik Schweizer Goldexporte.

Im Dezember 2014 kamen die vier größten Abnehmer schweizerischen Goldes allesamt aus Asien und vereinten damit eine Exportquote von über 70 Prozent auf sich. Mehr als 53 Prozent der Goldexporte gingen nach China und Hong Kong und fast 10 Prozent landete in Indien (siehe Grafik). Deutschland musste sich aufgrund einer Goldmenge von fast fünf Tonnen mit Rang 8 begnügen.

Asiatischen Anlegern kann man auf jeden Fall ein besonders inniges Verhältnis zu Gold nachsagen. Mitte November meldete der World Gold Council wieder einmal einen ausgeprägten Goldappetit der Asiaten. Obwohl in China (inkl. Hongkong und Taiwan) und Indien - den beiden goldhungrigsten Nationen der Welt - im dritten Quartal 2014 die Goldnachfrage gegenüber der vergleichbaren Vorjahresperiode mit 419,2 Tonnen ein Minus im zweistelligen Prozentbereich hinnehmen musste, repräsentierten die beiden Regionen mit fast 54 Prozent den Löwenanteil des globalen Goldbedarfs in Höhe von 779,8 Tonnen.

Die in Asien stärker ausgeprägte Goldaffinität hat mehrere Gründe. Während hierzulande Gold vor allem als Krisenwährung und Versicherungsschutz und weniger als Statussymbol fungiert, ist das im asiatischen und arabischen Raum etwas anders.

Goldexporte Schweiz 2014
Goldexporte der Schweiz im Dezember 2014

Asiaten bevorzugen Goldschmuck

So attestierte GFMS Thomson Reuters, der Datenlieferant des World Gold Council, dem europäischen Schmucksektor im dritten Quartal 2014 eine Goldnachfrage von lediglich 7,3 Tonnen, während der Bedarf zur Münz- und Barrenproduktion mit 64,6 Tonnen um ein Vielfaches höher ausfiel.

In China und Indien stellt sich die Situation völlig anders dar. Dort stammt nämlich der Löwenanteil der Goldnachfrage aus der jeweiligen Schmuckbranche. In China (inkl. Hong Kong und Taiwan) landeten 157,1 Tonnen in der Schmuckproduktion und 37,1 Tonnen in Barren und Münzen. Ein ähnliches Übergewicht des Bereichs Schmuck war in Indien zu beobachten, wo 182,9 Tonnen in "ästhetische Statussymbole" und lediglich 42,2 Tonnen in "langweilige Barren und Münzen" floss.

Diese Schmuckvorliebe dürfte auch historisch bedingt sein, schließlich ist den Chinesen der Besitz von Goldbarren erst seit 2004 erlaubt. Generell dürfte zudem klar sein, dass es selbst chronisch klammen Regierungen kaum gelingen dürfte, den Besitz von privatem Goldschmuck zu verbieten.

Bei Münzen und Barren wäre ein Besitzverbot sicherlich kein Ding der Unmöglichkeit. Zur Erinnerung: Selbst die USA - wo Freiheit traditionell ein besonders hoher Stellenwert nachgesagt wird - war der private Besitz von Gold in der Zeit von 1933 bis 1974 verboten.

Chinas wachsende Bedeutung an den Goldmärkten

Im Goldhandel gewinnt China mehr und mehr an Bedeutung. Dies lässt sich an diversen Tendenzen ablesen. So stehen zum Beispiel die Chancen der Chinesen, beim neu konzipierten Goldpreis-Fixing der London Bullion Market Association mit von der Partie zu sein, nicht schlecht. Ab April sollen nämlich elektronische Auktionen das in Verruf geratene bisherige System der telefonischen Kursfeststellung ersetzen.

Für die Shanghai Gold Exchange war 2014 zudem ein weiteres Rekordjahr. Seit September dürfen auch ausländische Investoren via Freihandelszone chinesisches Gold handeln. Nach schwachem Start hat sich in diesem Segment das Interesse spürbar belebt. Allein in der vergangenen Woche wurden hier 15.240 kg und damit immerhin elf Prozent der vergleichbaren Inlandsnachfrage gehandelt.

ETF-Investoren haben wieder Lust auf Gold

Doch aus einer anderen "Ecke" gibt es seit dem Jahreswechsel ebenfalls ein wachsendes Interesse zu berichten. So verzeichnete der weltgrößte Gold-ETF SPDR Gold Shares in der Woche zum 6. Februar bei der gehaltenen Goldmenge einen Anstieg von 758,37 auf 773,31 Tonnen (+2,0 Prozent). Dies stellt immerhin den höchsten Stand seit Ende September dar. Erheblichen Verkaufsdruck kam jedoch vor dem Wochenende auf, nachdem der US-Arbeitsmarktbericht besser als erwartet ausgefallen war.

Der überraschend starke Anstieg der neu geschaffenen Stellen auf 257.000 und die auf 329.000 nach oben revidierten Zahlen für die Vorwoche drückte den Goldpreis aus charttechnischer Sicht unter die 200-Tage-Linie, was als starkes Verkaufssignal gilt.

Goldexporte Schweiz und Nachfrage aus Asien
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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