Stand: 24.02.2014  0 Kommentare

Im Januar hatte die Deutsche Bank angekündigt, sich vom Londoner Gold Fixing zurückzuziehen. Als Fixing bezeichnet man die traditionelle Art der Goldpreisfestsetzung durch fünf Großbanken per Telefonkonferenz. Wie Reuters am 18. Februar 2014 berichtete, bringt sich mit der ICBC (Industrial & Commercial Bank of China) nun eine chinesische Bank als möglicher Nachfolger des deutschen Kreditinstituts in Gespräch.

Mein rechter, rechter Platz ist frei

Zu den fünf Banken zu gehören, die beim Gold Fixing in London den wichtigsten Referenzpreis für das gelbe Edelmetall festsetzen, galt bis vor kurzem als eine mit hohem Prestige verbundene Auszeichnung. Der Ruf des seit 95 Jahren stattfindenden Handelsprozesses hat allerdings in letzter Zeit stark gelitten. Zunehmend gelten die Preisverhandlungen im kleinsten Kreis als zu wenig transparent, nicht mehr zeitgemäß und anfällig für Manipulationen.

Seit Ende letzten Jahres prüfen Regulierungsbehörden wie die deutsche BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) und die britische FCA (Financial Conduct Authority) Manipulationsvorwürfe gegen die am Gold Fixing beteiligten Banken. Als mutmaßliche Folge der Untersuchungen erklärte die Deutsche Bank im Januar offiziell ihren Rückzug vom Gold Fixing. Die verbleibenden vier Banken (HSBC, Barclays, Société Générale und die Bank of Nova Scotia) warten nun darauf, dass sich ein neuer Mitspieler in ihrem Kreis niederlässt.

Wer hat Angst vor BaFin und Co?

Die kritische Aufmerksamkeit der Regulierungsbehörden scheint die ICBC keineswegs abzuschrecken. Es ist das erklärte Ziel des chinesischen Geldhauses, die Edelmetallgeschäfte im Ausland auszuweiten und eine Teilnahme am Gold Fixing würde gut zu diesem Plan passen.

Der Sitz beim Fixing würde voraussichtlich nicht direkt an die ICBC fallen, sondern an die südafrikanische Standard Bank, an deren Londoner Geschäftssparte inklusive des Rohstoffhandels die ICBC einen 60-prozentigen Mehrheitsanteil erwirbt. "Die Standard Bank ist ein sicherer Kandidat", zitiert Reuters eine namentlich nicht genannte Quelle aus dem Umfeld des Londoner Goldmarkts. "Sie wollen den Sitz und sie wäre für die anderen Mitglieder akzeptabel".

Das Market-Making-Member-Problem

Die London Bullion Market Association (LBMA), die den Londoner Goldmarkt organisiert, kennt drei verschiedene Arten der Zugehörigkeit: die Assoziation, die gewöhnliche Vollmitgliedschaft und die Mitgliedschaft als Market-Maker. Die elf Market-Maker haben sich verpflichtet, gegenseitig Kauf- und Verkaufskurse für bestimmte Mindestmengen an Gold zu stellen und so einen jederzeit liquiden Handel zu gewährleisten.

Die am Gold Fixing beteiligten Banken sind alle zugleich Market-Maker und auch der Nachfolger der Deutschen Bank müsste nach den Regeln der LBMA zu diesem kleinen Kreis der Mitglieder gehören. Die verbleibenden sechs Market-Maker, darunter die Schweizer Banken Credit Suisse und UBS sowie Goldman Sachs und JP Morgan Chase aus den USA, haben jedoch keinerlei Interesse an einer Nachfolge der Deutschen Bank gezeigt. Der angebotene Stuhl scheint zu heiß zu sein, um darauf Platz zu nehmen.

Das Interesse der Standard Bank / ICBC kommt also zu einem durchaus günstigen Zeitpunkt. Allerdings sind beide Banken bisher gewöhnliche Vollmitglieder der LBMA. Der voraussichtliche Weg zum Gold Fixing wäre eine formale Aufnahme der Standard Bank als Market-Maker, eine Art Probezeit von mehreren Monaten und nach einstimmiger Empfehlung der anderen Market-Maker schließlich ein Kauf des Sitzes beim Gold Fixing von der Deutschen Bank.

Gold Fixing zum Schnäppchenpreis?

Es wäre kein Leichtgewicht unter den Kreditinstituten, das künftig den weltweiten Referenzpreis für Gold mitbestimmt. An ihren Vermögenswerten und der Marktkapitalisierung gemessen ist die ICBC die größte Bank der Welt. Die Kosten für die Teilnahme am Gold Fixing dürften sich für das chinesische Geldhaus in sehr überschaubaren Grenzen halten. Als die Bank Rothschild im Jahr 2004 ihren Sitz an Barclays verkaufte, verlange sie dafür 1 Million Dollar.

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