Stand: 21.01.2020 von Jörg Bernhard 5 Kommentare

Im Januar hat sich der physische Goldhandel nach der regelrechten Kaufpanik zum Jahreswechsel und im Zuge der gestiegenen Kriegsgefahr zwischen dem Iran und den USA wieder spürbar beruhigt. Das heißt: keine extrem langen Warteschlangen, weniger Lieferprobleme und niedrigere Aufgelder.

Turbulenter Goldhandel zum Jahreswechsel

Diverse Medien berichteten über lange Warteschlangen vor den Filialen deutscher Goldhändler und auf der Website der öffentlich-rechtlichen ARD war sogar zu lesen, dass „Deutsche im Goldfieber“ seien.

Beim zum Jahreswechsel zu beobachtenden Run auf Gold gab es aber nicht den einen, sondern einen vielseitigen Mix an Gründen. Dieser brachte für viele Goldkäufer in den vergangenen Wochen erhebliche Nachteile mit sich. 

Zum einen waren diverse Gattungen nicht mehr sofort lieferbar, was insbesondere Barkäufer geärgert haben dürfte. Besonders ärgerlich: Aufgrund der regelrecht explodierten Nachfrage haben sich die Prämien der Barren und Münzen gegenüber dem reinen Materialwert deutlich erhöht.

So kletterten die Aufgelder zeitweise auf weit über fünf Prozent, bei einigen Händlern übertrafen zum Beispiel bei Ein-Unzen-Goldmünzen die Verkaufspreise die Rücknahmepreise zeitweise sogar um sieben Prozent.

In normalen Zeiten pendeln diese so genannten Spreads zwischen zwei und drei Prozent. 

Gesetzgeber generiert zusätzliche Kauflaune

Deutsche Anleger, denen im internationalen Vergleich ein besonders inniges Verhältnis zu Gold nachgesagt wird, verspürten Ende Dezember eine besonders starke Kauflaune, weil ab dem 1. Januar die Bargeldgrenze für anonyme Goldkäufe von 10.000 auf 2.000 Euro stark reduziert wurde.

Zur Erinnerung: Im Juni 2017 erfolgte bereits ein Absenken der Bargeldgrenze von 15.000 auf 10.000 Euro. Im November vergangenen Jahres wurde dann die nächste Stufe der finanziellen Repression beschlossen.

Überschreitet ein physisches Edelmetallgeschäft heutzutage die Grenze von 2.000 Euro, ist der Händler verpflichtet die Personalien des Käufers festzustellen, die Daten aufzubewahren und im Verdachtsfall an die Behörden zu melden.

Als Grund für die gesetzliche Initiative wurde vor allem die Bekämpfung der Geldwäsche angeführt.

In einer kleinen Anfrage mehrerer FDP-Politiker teilte die Bundesregierung Anfang September allerdings mit, dass im Jahr 2018 von 77.252 Verdachtsmeldungen 175 einen Bezug zum Edelmetallhandel hatte, was einer Quote von lediglich 0,2 Prozent entspricht. 

Grundsätzlich besteht weiterhin die Gefahr, dass die Regierungen weltweit den Kampf gegen Bargeld und Gold fortsetzen werden. In dieses Bild passt auch das Bestreben der EZB, die Vor- und Nachteile einer eigenen Digitalwährung auszuloten.

Übrigens: Die Rahmenbedingungen für Bargeld verschlechtern sich bereits seit Jahren – auch in Europa.

Zum Beispiel werden von der EZB keine neuen 500-Euro-Banknoten hergestellt bzw. ausgegeben. In einigen europäischen Ländern existieren bereits seit Jahren relativ niedrige Bargeldgrenzen. In einem europäischen Land ist Bargeld sogar fast schon ausgestorben, nämlich in Schweden. Und dies, obwohl dort 1661 Papiergeld in Form von Banknoten erfunden wurde.

Ausblick für die laufende Woche

Trotz der jüngsten Korrekturphase weist der Goldpreis für Januar weiterhin ein markantes Plus in Höhe von 2,9 Prozent auf. Vom höchsten Stand seit fast sieben Jahren (8. Januar) hat er mittlerweile aber über 47 Dollar verloren.

Am Donnerstag dürften sich die Akteure an den Goldmärkten vor allem für die erste Sitzung der Europäischen Zentralbank im neuen Jahr stark interessieren. In deren Vorfeld hat die EZB-Präsidentin Christine Lagarde die anderen Ratsmitglieder darum gebeten, sich nicht zur angekündigten Überprüfung der Strategie der Zentralbank öffentlich zu äußern.

Am Donnerstag wird das Ergebnis der Sitzung (13.45 Uhr) veröffentlicht und danach eine Presskonferenz (14.30 Uhr) abgehalten. Es ist mit einem breiten Themenspektrum zu rechnen, schließlich will sich die Nachfolgerin von Mario Draghi auch um Klimapolitik kümmern – als ob Geldpolitik, Konjunktur und Inflation nicht genug Kopfzerbrechen bereiten.

Noch mehr Aufmerksamkeit dürfte Ende des Monats dann Fed-Chef Jerome Powell erfahren. In den USA gilt derzeit sogar eine Zinserhöhung mit 16,1 Prozent wahrscheinlicher als eine Zinssenkung (0 Prozent).

Höchstwahrscheinlich (83,9 Prozent) wird an der Zinsschraube aber gar nicht gedreht. Das heißt für den Goldpreis, dass die Opportunitätskosten weiterhin überschaubar und somit vorteilhaft bleiben werden.

Goldhandel: Normalisierung nach Kaufpanik
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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von Elma von Weitershausen | 03.02.2020, 16:32 Antworten

Der Goldkauf soll nach und nach deutlich gedrosselt werden

von Steve O | 28.01.2020, 04:44 Antworten

Der König sagte zum Papst, halte du sie für dumm, ich halte sie arm.
Daran hat und wird sich nie etwas ändern.

von UDO S. | 25.01.2020, 07:39 Antworten

"Am Donnerstag dürften sich die Akteure an den Goldmärkten vor allem für die erste Sitzung der Europäischen Zentralbank im neuen Jahr stark interessieren. In deren Vorfeld hat die EZB-Präsidentin Christine Lagarde die anderen Ratsmitglieder darum gebeten, sich nicht zur angekündigten Überprüfung der Strategie der Zentralbank öffentlich zu äußern."

Das fängt ja gut an, mit der wegen fahrlässigen Umgangs mit öffentlichen Geldern gerichtlich verurteilten Frau Lagarde. Das Volk soll dumm gehalten werden und möglichst nichts zeitnah von dem in Erfahrung bringen, was sich Frau Lagarde und Konsorten, sicherlich wieder Mal zum Nachteil der arbeitenden Bevölkerung und der Sparer, ausgedacht haben.

von Irgendwo aus dem nirgendwo | 22.01.2020, 11:06 Antworten

Mensch Michel,

das hat nix mit der Merkel zu tun, das ist "die Regierung" war es schon davor und wird danach genauso wenn nicht noch schlimmer.
Völlig egal welche Partei, völlig egal, welche Richtung und völlig egal was in welchen Gesetzen steht!
Alle wollen nur unser bestes, also unser Geld unsere Finanzen und alles, was man sonst noch in Wert setzen kann.

Ale möchten sich auf kosten "der kleinen Männern und Frauen" in Deutschland profilieren, egal ob es für irgendwelche Projekte im Ausland oder im Inland ist.
Wenn wenigsten nur mal mehr als die hälfte an die Stellen kommen würden die es brauchen, hätte ja keiner was zu meckern.
Die die es benötigen bekommen immer weniger bis gar nichts, wegen den sogenannten "Behörden", Ämtern, Handaufhaltern und sonstigen Abzockern ja nix.

Somit wollen die nur noch mehr von deinem / unserem "Besten"!

von der deutsche Michel | 21.01.2020, 19:10 Antworten

Wer dieser Merklschen Regierung und ihren Helfern vertraut ist ERLEDIGT !!!!

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"