Stand: 15.10.2019 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Notenbanken verspürten auch im August einen markanten Goldappetit. So meldete der World Gold Council per Saldo Nettokäufe in Höhe von 57,3 Tonnen nachdem im Monat zuvor noch ein Wert von lediglich 12,8 Tonnen registriert worden war.

2019 kauften Notenbanken über 450 t Gold 

Registrierte Goldkäufe ab einer Tonne fielen mit 62,1 Tonnen fast um den Faktor 13 höher aus als die im August registrierten Verkäufe (4,8 Tonnen). Per Saldo haben sich damit die Nettokäufe von 12,8 Tonnen (Juli) auf 57,3 Tonnen mehr als vervierfacht.

Ein besonders starkes Kaufinteresse legten im August die Notenbanken folgender Länder an den Tag:

  • Türkei (plus 41,8 Tonnen)
  • Russland (plus 11,3 Tonnen)
  • China (plus 5,9 Tonnen) 
  • Katar (plus 3,1 Tonnen)

Lediglich zwei weitere Zentralbanken kauften mehr als zwei Tonnen Gold. Dabei handelte es sich um die beiden ehemaligen Sowjetrepubliken Kasachstan (plus 2,6 Tonnen) und Usbekistan (plus 2,2 Tonnen). 

Mit Blick auf die Entwicklung des Gesamtjahres wird eines völlig klar:

Viele Notenbanken sehen offensichtlich nach wie vor eine große Notwendigkeit ihre Goldquote weiter nach oben zu fahren. Seit Ende Dezember haben nämlich 14 „Währungshüter“ ihre Goldbestände erhöht, während lediglich zwei Länder ihren Goldbesitz zurückgefahren haben.

Bislang belaufen sich die Nettokäufe auf über 450 Tonnen (siehe Tabelle). Die Chance, dass wir dieses Jahr die stärksten Notenbankenkäufe seit Ende des Bretton-Wood-Abkommens sehen werden, stehen nicht schlecht. Sollte nämlich der Goldhunger dieser Marktakteure in den verbleibenden vier Monaten nicht abebben, würde sich das Kaufvolumen auf 675 Tonnen belaufen. 

Die zehn goldhungrigsten Notenbanken 2019

Zur Erinnerung: im vergangenen Jahr wanderten 651,5 Tonnen in die Tresore der Zentralbanken. 

Kein Ende des globalen Goldappetits in Sicht

Bereits im Jahr 2010 wurde der Paradigmenwechsel im Notenbankensektor eingeläutet und durch einen Wechsel vom Verkäufer ins Käuferlager angezeigt.  Außerdem sollte nicht vergessen werden, dass von 1989 bis 2009 viele Notenbanken ihr Gold – übrigens zu relativ niedrigen Preisen – verkauft haben.

Seit 2010 gab es kein Jahr, in dem diese extrem wichtige Gruppe von Marktakteuren per Saldo mehr verkauft als gekauft haben. Und diese Entwicklung dürfte sich höchstwahrscheinlich eher verstärken als abschwächen. Im Gegensatz zu den weltweit wichtigsten Notenbanken der Welt fällt bei den vier wichtigsten Käufernationen (2019) nämlich der Goldanteil an den Währungsreserven mitunter relativ „dürftig“ aus.

Deren Goldquoten schwanken nämlich zwischen 3,0 Prozent (China) und 20,7 Prozent (Russland), während die vier Länder mit den mengenmäßig höchsten Goldreserven USA (77,3 Prozent), Deutschland (72,9 Prozent), Italien (69,2 Prozent) und Frankreich (62,1 Prozent) auf deutlich höhere Werte kommen. Man kann daher davon ausgehen, dass der globale Goldhunger der Notenbanken erst einmal nicht abebben wird.

Ausblick für die laufende Woche

In der vergangenen Handelswoche wurde der Handelsstreit zwischen China und den USA einmal mehr heiß diskutiert. Nachdem die beiden Konfliktparteien vor dem Wochenende eine Teileinigung verkündet haben, wurde die für Mitte Oktober angekündigte Erhöhung der bisherigen US-Strafzölle von 25 auf 30 Prozent auf chinesische Waren im Wert von 250 Milliarden Dollar erst einmal abgeblasen.

Seit 15 Monaten bekriegen sich die beiden größten Volkswirtschaften der Welt mit Zöllen und Gegenzöllen. Während sich das Wachstum der chinesischen Wirtschaft seit Ausbruch des Handelskonflikts in der Spitze von 6,8 auf 6,2 Prozent p.a. verlangsamt hat, war in den USA eine Abschwächung von 3,2 auf 2,3 Prozent registriert worden.

Von einem Einbruch oder einer Rezession kann man zwar noch nicht sprechen, aber die Perspektiven bezüglich der Weltkonjunktur bleiben angesichts des drohenden No-Deal-Brexit alles andere als rosig. Dies lässt sich auch an der relativen Stärke des Krisenschutzes Gold ablesen.

Technische Korrekturen verliefen bislang „relativ human“, weil auf dem reduzierten Preisniveau regelmäßig neues Kaufinteresse aufkam. Wer seine Goldinvestments in erster Linie als Vermögensschütz oder gar Altersvorsorge betrachtet, sollte sich von immer wieder einsetzenden Gewinnmitnahmen nicht nervös machen lassen.

Angesichts der unzähligen Krisenherde bleibt Gold ein absolutes Must-Have.
Goldhunger der Notenbanken verstärkt sich
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"