Stand: 18.05.2021 von Jörg Bernhard
Eine turbulente Handelswoche liegt hinter uns und hat Investoren die virulenten Risiken so mancher Anlageklasse eindrucksvoll vor Augen geführt. In stürmischen Zeiten stufen Investoren traditionell Gold als "sicheren Hafen" und "solide Ankerwährung" ein.
Goldkauf: Risiken bleiben überschaubar

Bewährte Kennzahl für Investmentrisiken

Mit Hilfe der finanzmathematischen Risikokennzahl Volatilität lassen sich Chancen und Risiken eines Investments relativ einfach abschätzen. Dabei gilt es allerdings zwischen zwei Berechnungsmethoden zu unterscheiden:

So zeigt zum Beispiel eine historische 250-Tage-Volatilität das Kursschwankungsrisiko auf Basis der vergangenen 250 Tage (zwölf Monate) auf. Bei kurzfristiger Betrachtung liegt meist ein Zeitraum von 30 Tage (ein Monat) zugrunde.

In der Finanzwelt nutzen Investoren aber meist eine andere Art von Kursschwankungsintensität, nämlich die erwartete bzw. implizite Volatilität. Sie wird auf Basis von Optionspreisen ermittelt und zeigt somit an, welches Investmentrisiko aktuell an den Terminmärkten eingepreist bzw. erwartet wird.

Das Wichtigste vorweg: Beim Goldpreis fällt derzeit sowohl die historische als auch die erwartete Volatilität – verglichen mit anderen Anlageklassen – relativ niedrig aus. Bei der historischen 30-Tage-Volatilität zeigt das gelbe Edelmetall derzeit einen Wert von 10,6 Prozent an, während das Pendant für die vergangenen 250 Tage Volatilität bei 14,6 Prozent notiert. Generell kann man eine niedrige Vola als vorteilhaft und daher als Kaufargument ansehen.

Der US-Terminbörsenbetreibers Chicago Board Options Exchange (CBOE) hat zahlreiche Volatilitätsindizes entwickelt, mit denen man unterschiedliche Anlageklassen bzw. Basiswerte sehr gut miteinander vergleichen kann. So wird zum Beispiel der CBOE-Gold-Volatilitätsindex (GVZ) auf Basis von Optionspreisen diverser Gold-ETFs berechnet und fortlaufend veröffentlicht. Aktuell bewegt sich diese Risikokennzahl bei 16,8 Prozent, womit Gold ein deutlich geringeres Risiko als andere Investments ausweist.

Besonders interessant: In den vergangenen 12 Monaten schwankte der Goldvolatilitätsindex lediglich zwischen 15,1 und 29,0 Prozent und wies damit – verglichen mit der Konkurrenz – zudem die geringste Bandbreite aus (siehe Tabelle).

Rangliste verschiedener Volatilitätsindizes (Angstbarometer)

CBOE-Volatilitätsindizes aktuell Jahrestief Jahreshoch
1.) Gold (GVZ) 16,8% 15,1% 29,0%
2.) Dow-Jones (VXD) 17,3% 14,4% 40,8%
3.) S&P-500 (VIX) 20,4% 16,3% 40,8%
4.) Nasdaq-100 (VXN) 25,0% 20,5% 43,4%
5.) Russell-2000 (RVX) 27,2% 23,0% 51,1%
6.) Goldminen (VXGDX) 34,2% 29,9% 66,5%
7.) Silber (VXSLV) 34,3% 27,6% 79,7%
8.) Rohöl (OVX) 36,5% 32,8% 64,9%
Stand: 17.05.2021; Quelle: Chicago Board Options Exchange
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Richtige Einordnung der Kennzahl Volatilität

Grundsätzlich sollte man Volatilität folgendermaßen interpretieren: Je höher sie ausfällt, desto höhere Renditechancen bzw. Verlustrisiken sind mit einem Investment verbunden. Bei der Interpretationsmöglichkeit eröffnen sich zwei Ansätze:

Zum einen kann man die historische Entwicklung der jeweiligen Vola untersuchen und zum anderen kann man die Volatilität von Gold mit anderen Anlageklassen vergleichen. In den vergangenen zwölf Monaten schwankte der CBOE-Goldvolatilitätsindex in einer Range von 15 bis 29 Prozent. Unter historischen Gesichtspunkten kann man dem Krisenschutz daher gegenwärtig ein relativ niedriges Risiko attestieren.

Vergleicht man das Risiko eines Goldinvestments (17,2 Prozent) mit anderen Anlageklassen wie zum Beispiel Rohöl (36,5 Prozent), Silber (34,3 Prozent) oder Goldminen (34,2 Prozent) dürfte man beim Besitz von Gold erheblich ruhiger schlafen.

Und in der gegenwärtigen Marktphase kann man das gelbe Edelmetall sogar als weniger riskant ansehen als ein Investment in den S&P 500-Index. Mit über 20 Prozent fällt dessen Volatilitätsindex VIX trotz seiner Diversifikation auf die 500 bedeutendsten Unternehmen der USA um einige Prozentpunkte höher aus.

Ausblick für die laufende Woche

Wow, in der vergangenen Woche übertraf in den USA die April-Inflationsrate mit 4,2 Prozent p.a. sowohl den Vormonatswert (2,6 Prozent p.a.) als auch den Erwartungswert der Analysten (3,6 Prozent p.a.) recht deutlich.

Damit dürfte eines vollkommen klar sein: Mit Staatsanleihen bester Bonität kann man nicht mehr das verdienen, was die Inflation "auffrisst". Deshalb sollte jedem Anleger bewusst sein, dass Geldvermögen Jahr für Jahr an Kaufkraft verliert.

Auf Basis der gegenwärtigen Geldentwertung belaufen sich bei einem Geldvermögen von 100.000 Dollar die vorprogrammierten Verluste auf 4.600 Dollar, während sich in Deutschland der Besitz von 100.000 Euro angesichts einer aktuellen Inflationsrate in Höhe von zwei Prozent p.a. um "lediglich" 2.000 Euro reduziert.

Ausgleichen lassen sich diese Verluste nur dann, wenn man bereit ist, das Risiko von Kursschwankungen einzugehen. Bei Gold kann man das Verhältnis zwischen Kurschance und Verlustgefahr als relativ attraktiv bzw. gesund bezeichnen (siehe oben).

Autor: Jörg Bernhard
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"