Stand: 17.10.2017 von Jörg Bernhard 5 Kommentare

In der abgelaufenen Handelswoche kämpfte der Goldpreis intensiv mit der Marke von 1.300 Dollar und überwand diese vor dem Wochenende in eindrucksvoller Manier. Analysten von Goldman Sachs äußerten sich indes tendenziell pessimistisch.

Goldman Sachs erwägt Bitcoin-Abteilung

Obwohl die Finanzmärkte bereits seit Längerem keinen markanten Kurseinbruch gesehen haben, kann man die rekordhohen Preise in diversen Anlageklassen auch als Aversion gegenüber Papiergeld interpretieren.

In Deutschland sollte man sich darüber nicht wundern, schließlich verlieren Anleger mit Bundesanleihen -  bereinigt um die Inflation - Jahr für Jahr Geld und reduzieren dadurch ihr Vermögen.

Sachwerte wie Aktien und Immobilien stehen daher weiterhin hoch im Kurs. Selbst virtuelle Währungen ohne Substanz sind - weil sie nicht von Staaten bzw. Notenbanken geschaffen bzw. kontrolliert werden - als Fluchtwährung derzeit sehr gefragt.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs denkt derzeit sogar über die Einführung einer Bitcoin - Geschäftseinheit nach. Während JPMorgan-Chef Jamie Dimon einen Monat zuvor die Kryptowährung noch als „Betrug“ bezeichnet hatte, liebäugelt der Branchenprimus mit dem Kauf und Verkauf dieser - nennen wir es einmal - neuen Anlageklasse.

Die Statements beider Banken bezüglich der Zukunft von Bitcoins haben deren Kurs sowohl belastet (JPMorgan) als auch beflügelt (Goldman Sachs). Privatanleger sollten es aber tunlichst vermeiden, das Schaffen einer Bitcoin-Abteilung bei Goldman Sachs als Adelung einer Kryptowährung zu interpretieren, schließlich sind die US-Banker in den vergangenen Jahrzehnten nicht durch ihre konservative Geschäftspolitik, sondern vor allem durch ihre enorme Risikobereitschaft aufgefallen.

Nur zur Erinnerung: Bevor die US-Immobilienblase 1997 platzte hatte man eine eigene Geschäftseinheit für Mortgage-Backed-Securities (MBS) ins Leben gerufen, deren Papiere in den Jahren danach vor allem als „Giftmüll“ bezeichnet wurden.


Vergleich der Goldpreis - Entwicklung / Bitcoinpreis - Entwicklung von 2016 - 2017


Gegenüber Gold, der ältesten Krisenwährung der Welt, äußerten sich Analysten von Goldman Sachs hingegen eher pessimistisch. Während noch im September mit Blick auf das Jahresende ein Kursziel von 1.250 Dollar prognostiziert wurde, geht man nun von einem Rückschlag in Richtung 1.100 Dollar aus.

Argumentiert wurde vor allem technisch, weil das gelbe Edelmetall zuvor an den im Bereich von 1.380 Dollar angesiedelten Widerständen gescheitert war. Außerdem rechnen die Experten der Bank mit einem Ende der Dollarschwäche, was allgemein als Belastungsfaktor für Gold interpretiert wird.

Allzu sehr sollten sich Anleger deshalb jedoch nicht beunruhigen lassen, schließlich gelten die der US-Regierung besonders nahe stehenden Investmentbanker nicht gerade als Goldfans. Nur zur Erinnerung: Anfang 2015 berichtete Gold.de schon einmal über die Meinung der Goldman Sachs-Analysten zu Gold. In dem damaligen Artikel wurde für 2017 ein Kursziel von 1.050 Dollar ausgerufen. Aktuell übertrifft der Goldpreis diese Prognose um über 23 Prozent. Vielleicht sollte man sich erst Sorgen um den Goldpreis machen, wenn die „Goldmänner“ ins Bullenlager wechseln sollten.

Ausblick für die laufende Woche

Nach einer feiertagsbedingten einwöchigen Abstinenz chinesischer Investoren profitierte der Goldpreis von deren Rückkehr an die Märkte.

An der Shanghai Gold Exchange schlug sich dies in deutlich gestiegenen Umsätzen nieder. Bei den besonders liquide gehandelten Ein-Kilogramm-Barren war zum Beispiel ein durchschnittlicher Tagesumsatz von 22.296 kg erzielt und damit der vor der Feiertagswoche registrierte Vergleichswert um fast 12 Prozent übertroffen worden.

In den kommenden Tagen stehen mit dem chinesischen BIP-Wachstum, der Industrieproduktion und den Einzelhandelsumsätzen (Donnerstag) wichtige Konjunkturindikatoren aus dem Reich der Mitte zur Bekanntgabe an.

Während man Chinas Investoren derzeit einen verstärkten Goldappetit attestieren kann, hält sich der Staat mit Goldkäufen eher zurück. Diesen Schluss legt zumindest die jüngste Statistik des World Gold Council zur Entwicklung der Goldreserven im September nahe.

Zum zehnten Mal in Folge haben die Chinesen ihre offiziellen Goldreserven im abgelaufenen Monat nicht aufgestockt. Wie so oft, kann über die Gründe für diese Zurückhaltung nur spekuliert werden. Grundsätzlich sind Chinesen aber für ihre ausgeprägte Preissensitivität bekannt.

Goldman Sachs: Bitcoin hui, Gold pfui
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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Kommentare [5]
  • von Bitcoin | 17.10.2017, 10:23 Antworten

    Mir würde noch in der Schule gelernt in Zukunft gibt es kein Geld mehr jeder lebt nach seinen Bedürfnissen also nach Goldman Sachs

  • von Graf von Henneberg | 17.10.2017, 11:36 Antworten

    Ist ja auch nachvollziehbar. An Gold als Metall ist nicht zu verdienen. Da ist es besser, die Menschen auf Aktivitäten zu lenken, bei denen auch bei den Banken ordentlich was hängen bleibt.

  • von Al Bundy | 17.10.2017, 12:33 Antworten

    Wer auf den fahrenden Bitcoin-Zug noch aufspringt kann nur unter die Räder kommen.
    Eine Anlage in Gold halte ich für sinnvoller,max. 15 bis 20% vom Gesamtvermögen.
    DAX auf 13000 Punkten,wer da investiert ist lacht auf die ewig gestrigen.
    Die Mehrheit der Deutschen wartet mit Sparbuch,Giro und Festgeld auf Zinserhöhungen,ausländische Investoren kassieren die fetten Aktiengewinne und Dividenden.
    Der deutsche Michel freut sich über die Krümmel.

    • von UweHH | 20.10.2017, 16:53 Antworten

      Begründet sehe ich die flapsige Aussage:"noch aufspringen...etc" nicht. Eher die Panikmache der Un-Wissenden? Tatsache: man ist erst am Beginn des Ganzen.Der Bitcoin ist ja nur EIN Produkt der Blockchain, und da geht es lang.

  • von Al Bundy | 23.10.2017, 19:43 Antworten

    Als Unwissender Otto-Normalverbraucher frage ich mich welchen Nutzen haben für mich Bitcoins und Co?
    In der Finanzbranche werden neue Modeartikel mit viel Werbung an den Mann gebracht die späterer mit Totalverlust enden.(Den letzten beissen die Hunde)
    Beispiele: Neuer Markt, Cargolifter und Telekom vor einigen Jahren, heute Bitcoin und Tesla.
    Zuerst ein starker nicht nachvollziehbarer Preisanstieg,dann folgt die Gier,dann kommt der Crash und die Party ist zu Ende.

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