Stand: 11.12.2018 von Jörg Bernhard 22 Kommentare

Den Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs wird im Rohstoffsektor eine starke Expertise nachgesagt. Deren Meinung wird in der Finanzwelt daher ein besonders starkes Gewicht eingeräumt. Vor dem Jahreswechsel raten sie zum Kauf von Gold.

Goldman Sachs-Analysten sehen Kursziel von 1.350 Dollar

So soll das gelbe Edelmetall im kommenden Jahr von spätzyklischen Käufen profitieren. Das heißt: Nachdem in den vergangenen Jahren vor allem die Anlageklassen Aktien, Immobilien und Anleihen von der Liquiditätsflut der Notenbanken profitiert hatten, sehen die Rohstoffexperten nunmehr erhebliches Aufwärtspotenzial bei Öl und Gold. 

Auf Sicht von drei Monaten wird bei Goldman Sachs mit einem Goldpreis von 1.250 Dollar gerechnet, während das Sechsmonatsziel der Analysten bei 1.300 Dollar liegt. Für die kommenden zwölf Monaten wurde sogar ein Anstieg auf 1.350 Dollar in Aussicht gestellt. Auf Basis der aktuellen Marktdaten entspräche dies einer Wertsteigerung um acht Prozent.

Goldchart bis Dezember 2018
Goldchart bis Dezember 2018: 1 Jahr im Rückblick

Gold könnte nach Ansicht der Goldman-Analysten davon profitieren, dass sich das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr abschwächt. In diesem Fall dürften Anleger verstärkt auf defensive Anlageformen setzen. Des Weiteren merkten die Experten an, dass Zentralbanken weiterhin ihre Goldbestände erhöhen könnten. Dies sollte dann den Goldpreis zusätzlich stützen. 

Der World Gold Council wies in diesem Zusammenhang im Rahmen seines jüngsten Quartalsberichts „Gold Demand Trends“ darauf hin, dass sich die Nettokäufe der Notenbanken im dritten Quartal gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreswert um 22 Prozent auf 148,4 Tonnen erhöht haben.

Goldman Sachs hat 2018 Gold-ETFs abgestoßen

Besonders interessant: In den vergangenen zwölf Monaten hat die US-Investmentbank ihr Engagement beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares tendenziell zurückgefahren. 

So meldete Mitte November die US-Wertpapieraufsicht Securities and Exchange Commission (SEC), dass sich die von Goldman Sachs gehaltenen ETF-Bestände Ende September auf mehr als 1,13 Millionen Stück im Wert von 133 Millionen Dollar belaufen haben. Ein Jahr zuvor hielt Goldman Sachs etwa 1,27 Millionen Anteilsscheine mit einem Marktwert von 154 Millionen Dollar. 

Zum Vergleich: Die Positionen der beiden größten Einzelinvestoren Graham Capital Management und FIL Ltd. hatten bei Quartalsende einen Marktwert von mehr als einer Milliarde Dollar, dürften dank der signifikanten Verteuerung des Goldpreises mittlerweile aber deutlich mehr wert sein.

Vielversprechende Charttechnik bei Gold

Das Wichtigste vorweg: Nach einer ausgesprochen miserablen ersten Jahreshälfte kann man dem Goldpreis unterhalb von 1.200 Dollar einen ausgesprochen soliden charttechnischen Boden attestieren. Ein bisschen Hoffnung auf einen Trendwechsel nach oben scheint ebenfalls gerechtfertigt zu sein, schließlich deutet sich bei der mittelfristigen 100-Tage-Linie ein Trendwechsel nach oben an. Außerdem wurde die charttechnische Widerstandszone bei 1.240 Dollar markant übertroffen. Ein unter Chartisten als Kaufsignal geltendes Überwinden der bei 1.257 Dollar angesiedelten 200-Tage-Linie würde das Marktsentiment zusätzlich aufhellen. 

Doch aufgepasst: Bei Gold erwiesen sich solche Kaufsignale in den vergangenen fünf Jahren häufig als „Bullenfalle“, sprich Fehlsignal. Richtig Fahrt aufnehmen dürfte der Krisenschutz, sobald eine echte Fluchtbewegung in Gold zu beobachten ist. Gründe hierfür wären reichlich vorhanden.

Ausblick für die laufende Woche

Die heutige Abstimmung über den Brexit-Deal könnte dem Goldpreis nach der mehrmonatigen Bodenbildung auf reduziertem Niveau neues „Leben einhauchen“. Ob die britischen Abgeordneten das Abkommen zum Austritt aus der EU bestätigen, ist alles andere als sicher.

Auch die Reaktion der Finanzmärkte – insbesondere bei Gold – dürfte somit durch ein hohes Maß an Unsicherheit gekennzeichnet sein. In den vergangenen Monaten wurde der Dollar seinem Ruf als „sicherer Hafen“ eher gerecht als Gold. 

Sollte sich Großbritannien allerdings für den ungeordneten Brexit entscheiden, könnte dies zu einem Umdenken führen. Die Talfahrt des gelben Edelmetalls in den vergangenen Jahren hat bei vielen enttäuschten Investoren zu einem signifikanten Abbau der Goldquote geführt.

Dies könnte sich nun als Fehler für all diejenigen erweisen, die den strategischen Gedanken aus den Augen verloren und lieber auf das Erzielen schneller Spekulationsgewinne geschielt haben.

Gold: Warum rät Goldman Sachs zum Kauf?
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [22]
  • von Constantin | 15.03.2019, 18:24 Antworten

    Gold ist Geld überall auf der Welt..zu allen Zeiten ..von Ramses bis Merkel..

  • von MIRKO | 02.03.2019, 16:27 Antworten

    Hallo erst mal in der Runde habe eure kometare gelesen finden ich gut.Jetzt habe ich auch eine frage. Wollte ca 20.000 Euro mal anlegen in Gold. Ich überlege als hinn und her.Weil die Meinungen hier groß verschieden ist . Auf der Bank anlegen in Aktien oder so ich weiß nicht was richtig wäre.

  • von gerhardhaasis | 06.01.2019, 15:34 Antworten

    Nehmen wir mal an. Einer hat im Jahr 19o7 1000 RM auf einem Sparbuch angelegt. Der Andere hat für ebenfalls 1000 RM Gold in irgend einer Form gekauft. Der Stand heute ist folgender: Das Geld auf dem Sparbuch ist schon 50 Jahre bei Null. Während der Goldanleger ein kleines Vermögen gemacht hat. Das ist die Realität und sonst Garnichts.

  • von nöthi | 25.12.2018, 12:40 Antworten

    Gold war schon vor tausend jahren reizvoll und begehrt.Daran wird sich auch nichts ändern.


  • von Horst Burmeister | 24.12.2018, 17:21 Antworten

    Der Goldpreis wird 2019 steigen:
    1. Diem USA muss bis 2020 Bundesbankgold (300t) bei uns abliefern und schafft dadurch Goldnachfrage.
    2. EZB wird künftig weniger italienische und französische Staatsanleihen kaufen (dürfen),
    statt dessen den Eurokurs durch Goldkäufe stützen.
    3. Euro/Dollar Kursverhältnis wird wegen der unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklung den Dollar stärken. Das bedeutet, der Eurokurs für Gold steigt.

  • von Goldmann | 14.12.2018, 09:58 Antworten

    Nach Golde drängt,
    Am Golde hängt
    Doch alles. Ach wir Armen. J.W.von Goethe

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