Stand: 20.04.2017 von Egmond Haidt 0 Kommentare

Der Goldpreis hat in den vergangenen Monaten eine beeindruckende Rally hingelegt. Angesichts des kräftigen Rückenwinds müsste der Aufwärtstrend aber noch deutlich mehr Fahrt aufnehmen.

Gold bald wieder über 1300 Dollar?

Die Goldpreis-Entwicklung nimmt zusehends das Hoch vom November 2016 bei knapp über 1.300 Dollar je Unze ins Visier: Für Rückenwind sorgten zuletzt geopolitische Spannungen. So gab es Meldungen, die US-Regierung denke darüber nach, bei einem nordkoreanischen Raketentest die Rakete abzuschießen. Das würde zu einer deutlichen Verschärfung der Spannungen zwischen den USA und Nordkorea führen, weil völlig unklar ist, wie der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un auf eine derartige Maßnahme reagieren würde. 

Zuletzt hatte Trump bereits Russland mit dem überraschenden US-Luftangriff auf Syrien schwer verärgert. Zunehmende geopolitische Spannungen sorgen aber dafür, dass Investoren in den sicheren Edelmetall-Hafen flüchten und Gold kaufen.

Trump will schwachen Dollar

Der Goldpreis hatte zuletzt zudem von zwei anderen Seiten Rückenwind: vom sinkenden Dollar und den sinkenden US-Zinsen. US-Präsident Donald Trump hatte einmal mehr gewarnt, dass der Dollar "zu stark" werde und ihn damit nach unten geredet. Der schwache Dollar belaste die Exportchancen der US-Unternehmen, weil ihre Produkte im Ausland teurer würden, während ausländische Produkte in den USA billiger würden. 

Dabei ist der Dollar-Index seit Anfang Januar klar im Rückwärtsgang. Der Index spiegelt die Entwicklung des Dollar gegenüber sechs Währungen wider, wie Euro, Yen, britischem Pfund und Schweizer Franken. Im Gegensatz zu seinen Wahlkampfreden hat Trump zudem gesagt, dass er an niedrigen Zinsen interessiert sei. "Ich mag eine Geldpolitik niedriger Zinsen, ich muss ehrlich mit Ihnen sein", sagte Trump in einem Interview mit dem Wall Street Journal. Viele Rentner und andere Sparer, die gehofft hatten, die Zinsen würden aufgrund der Zinserhöhungsserie der US-Notenbank allmählich steigen und ihnen ein bisschen mehr Zinseinnahmen für den Konsum in die Taschen spülen, dürften von Trumps neuesten Aussagen ziemlich enttäuscht sein.

USA kann keine höheren Zinsen verkraften

Dabei kommen Trumps Aussagen für alle jene, die rechnen können, keineswegs überraschend. Die USA hat Staatsschulden von 19,85 Billionen Dollar, wobei der durchschnittliche Zinssatz zuletzt bei lediglich 2,26 Prozent lag. Ein Zinsanstieg um lediglich 100 Basispunkte (einen Prozentpunkt) würde zu zusätzlichen Zinsbelastungen von kann 200 Mrd. Dollar pro Jahr führen. Wie sollen die USA das bezahlen, ohne noch mehr Schulden zu machen? Dabei waren die Schulden im Jahr 2016 bereits um 1,05 Billionen Dollar gestiegen. 

Allerdings sieht es derzeit danach aus, dass die Schulden auf absehbare Zeit nicht stärker steigen dürften als bislang, weil Trumps mögliche billionenschwere Steuerreform und die Infrastrukturreform möglicherweise erst am Jahresende beschlossen werden dürften. Damit fehlen der Wirtschaft aber die dringend notwendigen Impulse, während sich das Wirtschaftswachstum weiter abschwächt und die US-Notenbank dennoch die Zinsen erhöht.

Zinsen zeigen deutliche Abkühlung der Konjunktur an

So waren die Neubaubeginne im März um 6,8 Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken. Gleichzeitig ist der Citigroup Economic Surprise Index, der widerspiegelt, ob die US-Konjunkturdaten besser oder schlechter ausfallen als erwartet, auf ein Fünf-Monats-Tief abgerutscht. Die sich deutlich eintrübenden Konjunkturperspektiven zeigen die US-Zinsen klar an. So sind jene für zehnjährige Anleihen mit 2,2 Prozent auf das niedrigste Niveau seit November abgerutscht. 

Für zusätzlichen Abwärtsdruck bei den US-Zinsen hat gesorgt, als die britische Regierungschefin Theresa May am 18. April völlig überraschend Neuwahlen für den 8. Juni angekündigt hatte. In einem unsicheren Umfeld flüchten Investoren in US-Staatsanleihen, woraufhin sich die Talfahrt bei den Zinsen beschleunigt hat.

Manipulation am Goldmarkt

Sinkende Zinsen und ein sinkender Dollar bedeuten aber enormen Rückenwind für den Goldpreis. Seit Jahresanfang steht ein Kursplus von 11,4 Prozent zu Buche. Dass es nicht noch deutlich größer ist, dafür sorgen immer mal wieder massive Goldverkäufe, die absolut keinen Sinn machen. So hatte "jemand" am 18. April kurz vor der Börseneröffnung in den USA mehr als 22.000 Gold-Futures im Wert von fast drei Mrd. Dollar auf den Markt geworfen und so den Preis kurzfristig deutlich nach unten gedrückt. Derartige Verkäufe machen angesichts des Umfelds – sprich sinkender Dollar, sinkende Zinsen und zunehmende geopolitische Spannungen – aber keinerlei Sinn. Wenn es ein normaler Investor wäre, würde er den Verkauf über mehrere Stunden oder gar Tage strecken, um einen möglichst guten Preis zu bekommen, zumal er ohnehin auf dem Weg nach oben ist. 

So viele Futures innerhalb weniger Minuten auf den Markt zu werfen, hat nur einen Sinn: den Preis künstlich nach unten zu drücken. Etwas Derartiges könnte man auch als Goldpreis Manipulation bezeichnen.

Die Perspektiven für den Goldpreis werden von Tag zu Tag besser. Trump wird alles dafür tun, damit der Dollar weiter fällt. Gleichzeitig dürfte Trump Druck auf die US-Notenbank ausüben, damit sie die Zinsen nicht weiter anhebt. In dem Umfeld dürfte der Goldpreis in den nächsten Monaten steigen. Das dürfte selbst wiederkehrende Manipulationen am Futures-Markt kaum verhindern können.

Goldmarkt Manipulation? Gold steigt trotz Krisen nur gering
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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