Stand: 28.12.2016 von © Gold.de Redaktion MA/GW 4 Kommentare

Überraschend hat die Militärregierung von Thailand nun die endgültige Schließung sämtlicher Goldminen angeordnet. Mit Ende dieses Jahres dürfen in dem asiatischen Land keine Goldminen mehr betrieben werden.

Der unter Kontrolle der Militärregierung von Thailand stehende so genannte "Nationale Rat zur Erhaltung des Friedens" hat unter wiederholter Anwendung des umstrittenen Artikels 44 der thailändischen Übergangsverfassung den weiteren Betrieb sämtlicher Goldminen untersagt. Das Dekret tritt mit Wirkung vom 1. Januar 2017 in Kraft. Die Anordnung betrifft alle vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Lizenzen und Konzessionen für den Betrieb von Goldminen in Thailand. Als Grund wird die Sorge um Umwelt und Gesundheit genannt. Die dortigen Goldminenbetreiber weisen diese Behauptung jedoch als haltlos zurück.

Goldminenbetreiber Kingsgate: Goldminen Komplex hatte Konzession bis 2028

Betroffen von der Maßnahme ist vor allem der australische Goldminenbetreiber Kingsgate Consolidated, der über sein thailändisches Tochterunternehmen Akara Resources den so genannten Chatree Goldminen Komplex rund 280 Kilometer nördlich von Bangkok betreibt. Dabei handelt es sich nicht nur um die bei weitem größte, sondern vor allem auch um die einzige kommerziell wirklich rentable Goldmine in Thailand. Unternehmensangaben zufolge wurde die Tagebaumine im Jahr 2001 in Betrieb genommen und die gegenwärtige Konzession läuft eigentlich noch bis zum Jahr 2028.

Demnach belief sich die Jahresproduktion zuletzt auf 125.094 Unzen Gold (ca. 3,9 Tonnen) sowie 850.003 Unzen Silber (ca. 26,44 Tonnen). Laut einem aktuellen Bericht der englischsprachigen Tageszeitung Bangkok Post beschäftigt der Goldminen Komplex hauptsächlich Arbeiter aus der Region. Doch Kingsgate habe prompt auf das Dekret der Militärregierung reagieren und umgehend mehr als 1.000 örtlichen Arbeitern zum Jahresende hin kündigen müssen. Viele von ihnen sollen bereits schon seit mehr als zehn Jahren bei dem Goldminenbetreiber beziehungsweise bei der betreffenden Goldmine angestellt gewesen sein.

Goldmine verwendet weder Arsen noch Mangan

Dieser Entwicklung vorausgegangen war ein schwelender Konflikt zwischen Anwohnern und Akara Resources, dem thailändischen Tochterunternehmen von Kingsgate, welches die betreffende Goldmine betreibt. Offenbar will man bei stichprobenartigen Urin- und Bluttests, die im November 2015 von Dorfbewohnern in der Gegend um die Goldmine entnommen wurden, erhöhte Arsen- und Manganwerte festgestellt haben. Seither gibt es die Befürchtung, dass die Goldmine eine schleichende Gefahr für die Umwelt und die Gesundheit der Bewohner darstellen könnte. In der Folge kam es vermehrt zu Protesten gegen den weiteren Betrieb der Goldmine, wie der Sydney Morning Herald bereits vergangenen Mai berichtet hatte.

Schon damals war die Goldmine für einen Zeitraum von 30 Tagen geschlossen worden, konnte aber anschließend den Betrieb wieder aufnehmen. Dem Bericht zufolge wies der Geschäftsführer von Kingsgate, Ross Smyth-Kirk, die Vorwürfe als haltlos zurück und sagte:

"Es ist sehr wichtig, dass zur Kenntnis genommen wird, dass in der Chatree Goldmine weder Arsen noch Mangan verwendet oder gelagert werden, und zwar zu keinem Zeitpunkt heute oder seit Bestehen der Anlage".

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg vom vergangenen Montag ergänzte Smyth-Kirk: "Das wird bedeutende Konsequenzen haben". Die Regierung von Thailand scheine den Schaden, den sie sich selbst als Zielland internationaler Investitionen antue, nicht zu begreifen.

Thailand: Artikel 44 erlaubt jede Art von Anordnung

In der Tat sind die ausländischen Direktinvestitionen in Thailand seit dem Militärputsch vom Mai 2014 bereits stark zurückgegangen. Während sie 2013 noch die Summe von 16,7 Milliarden US-Dollar erreichten, waren sie in 2015 bereits auf 10,8 Milliarden eingebrochen. Doch der Goldminenbetreiber Kingsgate ist jetzt der erste ausländische Großinvestor überhauapt, der unmittelbar von der Anwendung des Artikels 44 der Übergangsverfassung von Thailand betroffen ist. Und diese Entwicklung wird international beobachtet und könnte künftig weiteres Kapital abschrecken.

Der in Singapur ansässige Analyst Michael Montesano sagte Bloomberg zufolge: "Investoren müssen zur Kenntnis nehmen, das das Land gänzlich in eine Willkürherrschaft gerutscht ist. Große Investitionen werden darin einer Diktatur ausgesetzt, deren Geisteshaltung kaum von auswärtigen Investoren verstanden wird". Der jetzige Premierminister von Thailand, Prayuth Chan-Ocha, hat den umstrittenen und nach dem Militärputsch eingeführten Artikel 44 bereits Dutzende Male zum Einsatz gebracht. Dieser Artikel ermächtigt den ehemaligen General, zu jeder Zeit eigenhändig nahezu jede Art von Anordnung herauszugeben.

Kingsgate kehrt Thailand den Rücken, neue Goldminen in Chile

Unterdessen gab Kingsgate bekannt, dass das Unternehmen mittlerweile wenig Vertrauen in die thailändische Administration habe. Selbst in dem unwahrscheinlichen Fall, dass man den Betrieb des besagten Goldminen Komplexes eines Tages wieder aufnehmen könne, sei man nicht bereit, abermals zu investieren. Deshalb werde man Thailand den Rücken kehren, sagte Geschäftsführer Smyth-Kirk der Bangkok Post. "Es ist eine Schande", so Smyth-Kirk. Es gebe in der betreffenden Goldmine noch sehr viel Gold, das man abbauen könne. Unternehmensangaben zufolge schlummern noch etwas mehr als vier Millionen Unzen Gold (ca. 125 Tonnen) sowie 32,8 Millionen Unzen Silber (ca. 1.020 Tonnen) in dieser Goldmine.  

Somit wurden in den ersten 15 Jahren seit dessen Bestehen erst etwas mehr als ein Viertel der gesamten Lagerstätte ausgebeutet. Doch die Augen von Kingsgate sind längst auf ein neues Projekt im Norden von Chile gerichtet. In den künftigen Silber- und Goldminen von Nueva Esperanza in der chilenischen Atacama-Wüste sollen insgesamt 1,9 Millionen Unzen Gold (gut 59 Tonnen) und 113,4 Millionen Unzen Silber (ca. 3.527 Tonnen) lagern. Und im Gegensatz zu Thailand habe Chile eine Regierung, die etwas von Bergbau und dessen Bedeutung für die Wirtschaft verstehe, ist der Geschäftsführer von Kingsgate überzeugt. Ihm zufolge könnten die neuen Goldminen von Nueva Esperanza ("Neue Hoffnung", Anm.) bereits Anfang 2017 den Betrieb aufnehmen.

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Kommentare [4]
  • von MeapleLeaf | 29.12.2016, 22:59 Antworten

    Respekt an Thailand! Verschenkt keine Rohstoffe/Sachwerte an diese Bande.
    Schützt euer Land und eure Natur, die spätere Generation wird es euch danken.

  • von peace&green | 30.12.2016, 07:36 Antworten

    Sehr aggressiver Ton von Geschäftsführer Smyth-Kirk. Das wird wohl ein anderer Grund sein, als im Artikel ausgeführt.
    Es wäre sehr interessant zu erfahren, an wen und wie viel Akara Resources und Geschäftsführer Smyth-Kirk (thailändisches Tochterunternehmen der australischen Kingsgate Consolidated)
    "Tea money" in Thailand gezahlt haben.
    Dies dürfte jetzt als Vergeltungsmassnahme gegenüber der thail. Militärjunta doch möglich sein.
    Aus den thailändischen regionalen news ist noch mehr bekannt. Viele Immigranten müssen dort unter erbärmlichen und menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten. Menschenhändler verdienen daran.
    Die regionale Bevölkerung leidet schon sein vielen Jahren an bisher unbekannten Krankheiten.
    Jetzt geht Kingsgate nach Chile und verwüsten dort das Land.. Dort herrschen ähnliche Verhältnisse wie in Thailand.

  • von KKV | 30.12.2016, 08:07 Antworten

    Stimmt aber alles nicht: http://www.thaivisa.com/forum/topic/957867-new-bill-allows-gold-mines-to-stay-open-despite-‘shutdown’/

  • von stockminer | 09.01.2017, 23:22 Antworten

    go kingsgate go, make me rich

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