Stand: 29.01.2017  0 Kommentare

Es geht um fast 2.000 Tonnen Gold und damit um eines der größten unerschlossenen Goldvorkommen der Welt. Jetzt will Russland die Abbaurechte für die betreffenden Goldminen im Westen von Sibirien versteigern. Doch im Vorfeld der Auktion zeichnet sich bereits ab, dass das Geschäft womöglich eine abgemachte Sache ist - und die künftigen Goldminen zu Schleuderpreisen an den Mann gebracht werden.

Wenn am Donnerstagmorgen (26.01.17) in Moskau die Auktion für die Abbaurechte der gewaltigen Goldminen nahe der westsibirischen Stadt Suchoi Log beginnt, werden mit großer Sicherheit nur zwei Bieter anwesend sein. Das Bewerberfeld für die schon seit Langem bekannten Goldlagerstätten fällt allerdings nicht deshalb so dünn aus, weil es am allgemeinen Interesse internationaler Investoren fehlt. Vielmehr liegt die schwache Beteiligung an den strengen Beschränkungen, die der Versteigerung von Seiten der russischen Regierung auferlegt worden sind.

Da es sich bei diesen Goldminen um so genannte "strategische Ressourcen" von Russland handelt, muss jede Bietergruppe zu mindestens 25 Prozent von einem staatlichen Unternehmen aus Russland kontrolliert werden. Eine Auflage, die sich, wie sich nun zeigt, derzeit kein ausländischer Investor aufbürden will - wenngleich die Lagerstätten im wahrsten Sinne des Wortes zu Schleuderpreisen ausgerufen werden.

Fast 2.000 Tonnen Gold zu je 2,15 Euro pro Unze

Der Ausgangspreis für die Versteigerung der Abbaurechte soll bei 8,6 Milliarden Rubel (ca. 135 Millionen Euro) liegen. Der Umfang der dort lagernden Goldvorkommen wird dagegen auf rund 62,5 Millionen Unzen (knapp 1.944 Tonnen) geschätzt, heißt es in einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters vom vergangenen Montag (23.01.17). Damit entspricht der ausgerufene Preis nur etwas mehr als 2,15 Euro pro Unze Gold. Bei ähnlichen Ausschreibungen anderswo ist durchaus das Zehnfache dieses Preises üblich.  

Allerdings stammen die Schätzungen über den Umfang der dortigen Goldvorkommen noch aus den 1960er Jahren, und seither wurden keine weiteren Explorationen durchgeführt. Um den tatsächlichen Wert der künftigen Goldminen bei Suchoi Log zu ermitteln, müssen also neue und umfangreiche Bohrungen vorgenommen werden. Der gesamte Investitionsbedarf für die Erschließung und die Goldförderung wird auf mindestens weitere 4,5 Milliarden Euro taxiert.

Joint Venture: "Enger Vertrauter von Wladimir Putin"

Noch bevor die Auktion eröffnet gehen Beobachter allerdings davon aus, dass der Zuschlag für die Abbaurechte der noch unerschlossenen Goldvorkommen mit großer Sicherheit an ein dafür gebildetes Joint Venture zwischen dem russischen Goldminenbetreiber Polyus Gold International und der im Jahr 2007 gegründeten Staatskorporation Rostec fallen wird. Diese Bietergruppe sei der klare Favorit für den Zuschlag, sagte ein Analyst laut Bericht.

Demnach verfüge Polyus nicht nur über den notwendigen langen finanziellen Atem, um ein solches Projekt überhaupt stemmen zu können. Mit Rostec als Partner könne sich der Goldminenbetreiber zudem auf staatliche Unterstützung beim Ausbau der benötigten Infrastruktur verlassen. Darüber hinaus soll der Generaldirektor von Rostec, Sergej Tschemesow, ein "enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin" sein, hieß es weiter.

Versteigerung der Goldminen eine abgemachte Sache?

Bei der zweiten Bietergruppe handelt es sich derweil ebenfalls um ein zwar finanzkräftiges Joint Venture zwischen einer russischen Großbank und einem wohlhabenden Geschäftsmann aus Russland. Doch keinem der hier Beteiligten werden einschlägige Erfahrungen im Bergbau attestiert. Allerdings ist die besagte Großbank wiederum einer der größten Kreditgeber von Polyus und könnte somit in Form einer staatlich besicherten Kreditvergabe profitieren - und deshalb an einem hohen Auktionspreis interessiert sein.

Nicht zuletzt deshalb wird hinter vorgehaltener Hand spekuliert, dass die Versteigerung der betreffenden Goldminen bereits im Vorfeld eine abgemachte Sache gewesen sein könnte. Die zweite Bietergruppe sei nur deshalb zusammengestellt worden, da es an zahlungskräftigen Mitbewerbern fehle und eine Versteigerung von strategischen Ressourcen Russlands mit nur einem Bieter als unwirksam erklärt werden müsste.

Staatsräson: Bieter 1, Bieter 2 und Wladimir Putin

Tatsächlich ist jetzt eine Situation entstanden beziehungsweise geschaffen worden, von der alle Beteiligten auf viele Jahre hinaus profitieren werden. Denn im Anschluss an die nun tatsächlich vor lediglich zwei Bietern stattfindende Auktion wird eine russische Bank (Bieter 2) einen äußerst lukrativen und über Rostec besicherten Großkredit vergeben können. Und mit diesen Geldern können schließlich - ebenfalls staatlich besichert - die Abbaurechte für eine der weltweit größten Goldlagerstätten zu Schleuderpreisen eingekauft sowie weitere Investitionen finanziert werden (Bieter 1).

Darüber hinaus darf man sich in Moskau nicht nur auf einen kurzfristigen Geldregen in dreistelliger Millionenhöhe freuen. Wenn die neuen Goldminen im Westen von Sibirien erstmal den Betrieb aufgenommen haben, dann werden über viele Jahre Steuern und Abgaben in Milliardenhöhe fällig. Ganz gleich, ob es sich hier nun um handfeste Absprachen oder einen gemanagten Zufall handelt, ob unlauter oder nicht. Wenn es um Gold geht, kann die Staatsräson von Wladimir Putin mit wenigen Worten beschrieben werden - so wenig wie nur möglich aus der Hand zu geben. 

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