Stand: 31.08.2021 von Jörg Bernhard
Heutzutage gibt es zahlreiche Wege, ein Goldinvestment zu tätigen. Dabei wird vor allem zwischen Papiergold und dem physischen Kauf goldener Barren oder Münzen unterschieden. Indirekte Investments via Goldminen werden dabei häufig vernachlässigt.
Goldminen: Verfügen Goldminenaktien über Nachholpotenzial?

Goldminen und ihre Hebelwirkung gegenüber Gold

Aktien aus dem Goldminensektor werden mit Blick auf Gold zwei Eigenschaften nachgesagt.

Erstens: Zwischen beiden Formen der Geldanlage herrscht eine stark positive Korrelation. Das heißt: Geht es mit dem Goldpreis bergauf (bergab), dürften sich Goldminenaktien ebenfalls verteuern (verbilligen). Diese Wechselwirkung sollte keine Überraschung darstellen, schließlich führt ein steigender Goldpreis zu verbesserten Umsatzperspektiven des Goldminenunternehmens.

Zweitens: Goldminen werden zudem eine Hebelwirkung gegenüber dem gelben Edelmetall nachgesagt, was eine erhöhte Renditechance, zugleich aber auch ein höheres Verlustrisiko mit sich bringt. Die Kursschwankungsintensität des Goldpreises fällt jedoch um einiges geringer aus als ein breit diversifiziertes Investment in Goldminen.

Mit dem von der Terminbörse Chicago Board Options Exchange (CBOE) konzipierten Gold ETF Volatility Index (GVZ) und dem Gold Miners ETF Volatility Index (VXGDX) kann man beide Investmentrisiken gut miteinander vergleichen. Während der "reine Krisenschutz" aktuell eine Volatilität von 15,3 Prozent aufweist, kommt das Pendant der "indirekten Variante" (Goldminen) mit 30,5 Prozent ungefähr auf das Doppelte.

Wichtig zu wissen: Im Goldminensektor wird zwischen den Geschäftsmodellen Förderung und Exploration, also der Entdeckung und Erschließung von Goldminen unterschieden, wo allerdings häufig höhere Kursrisiken lauern.

Für alle Anleger, die Gold in erster Linie als langfristigen Krisen-, Vermögens- und Inflationsschutz betrachten, bietet sich als Kerninvestment Gold und zur Beimischung Goldminen an. Letztere sollten über ein möglichst hohes Maß an Diversifikation verfügen. Dies lässt sich über Goldminen-Investmentfonds oder entsprechende Exchange Traded Funds (ETF) realisieren.

Weil sich ETFs auf existierende Aktienindizes beziehen, entscheiden nicht Fondsmanager, sondern die Indexstruktur über die konkrete Zusammensetzung des Portfolios. Solche passiven Investments führen stets zu geringeren Kosten und können für die Anleger zu besseren Anlageergebnissen führen. Ein solcher ETF sollte unbedingt physisch replizierend (enthält Aktien) und nicht von synthetischer Natur (garantiert lediglich Indexperformance) sein.

Um mit einem aktiv verwalteten Aktienfonds besser zu fahren, müssen dessen Fondsmanager eine Outperformance erzielen, um die Kostennachteile zu kompensieren. In der unten aufgeführten Tabelle sind zwei Goldminen-ETFs exemplarisch aufgeführt.

Mit Goldminen-ETFs indirekt in Gold investieren

Name ISIN Kurs Marktwert Gebühr (TER) Replikation Aktienanzahl
Lyxor NYSE Arca Gold BUGS (DR) ETF LU0488317701 21,29 € 366,3 Mio USD 0,65% physisch 26
iShares Gold Producers UCITS ETF IE00B6R52036 12,13 € 1.937 Mio USD 0,55% physisch 61
Quelle: www.lyxoretf.de und www.ishares.com; Stand: 30.08.2021
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Fazit: Sowohl der NYSE ARCA Gold Bugs Index als auch der S&P Commodity Producers Gold hinken derzeit dem Goldpreis hinterher und notieren zudem weit unter ihren Allzeithochs. Somit kann man beiden ein erhebliches Nachholpotenzial attestieren.

Ausblick für die laufende Woche

Die Rede von US-Notenbankchef Jerome Powell auf dem virtuellen Notenbanker-Symposium von Jackson Hole (vergangenen Freitag) hat den Goldpreis deutlich über die Marke von 1.800 Dollar gehievt. Nun darf man gespannt sein, wie sich die anstehende Datenflut vom US-Arbeitsmarkt auf den Krisenschutz Gold auswirken wird.

Am Mittwoch wird der ADP-Monatsbericht veröffentlicht, gefolgt vom Challenger-Bericht über Stellenstreichungen und den wöchentlichen Erstanträgen auf US-Arbeitslosenhilfe (beide Donnerstag).

Als absolutes Highlight dürfte sich aber einmal mehr der für Freitag anberaumte Monatsbericht des US-Arbeitsministeriums erweisen. Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich die Arbeitslosenrate von 5,4 auf 5,2 Prozent reduziert haben und die Zahl neu geschaffener Stellen von 943.000 auf 728.000 gesunken sein.

Traditionell richtet die Fed ihr Hauptaugenmerk auf die Lage am Arbeitsmarkt. Je stärker sich dieser entwickelt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Anleihekäufe der Fed zurückgefahren werden. Da gegenwärtig pro Monat 120 Milliarden Dollar an Steuergeldern "investiert" werden, sollte jedem Anleger klar sein, dass ein solcher "Geldregen" irgendwann zumindest nachlassen muss. Und selbst, wenn dieser Fall eintreten sollte, wäre dies auf lange Sicht absolut kein Verkaufsargument für Gold.

Autor: Jörg Bernhard
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von Alfred | 31.08.2021, 16:48 Antworten

Goldminen als gehebeltes Gold? Mag sein, aber wer tut sich dies noch an, wenn es immer eine Gegenpartei und die Aktie/ETF's noch als eigene Risikogruppe gibt. Da dürfte physisches Silber dann wirklich die bessere Alternative ohne Gegenpart sein.

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