Stand: 11.06.2021 von Dr. Jürgen Müller
... oder einen noch immer unterdrückten Goldpreis.
Goldmodelle implizieren höhere Papierwerte

In unserem Buch "Gold: 10.000 Dollar?" habe ich 2016 zusammen mit dem Amerikaner Gary Christenson ein Buch mit dem von ihm entwickelten Goldmodell veröffentlicht, welches auf Grundlage von nur drei Parametern den Papiergoldpreis sehr gut replizieren konnte:

  • a) Schuldenstand der USA
  • b) Ölpreis (Crude Oil)
  • c) Aktienindex S&P 500

Mit einigen empirischen Anpassungen und arithmetischen Glättungen kam das in der folgenden Abbildung 1 dargestellte Ergebnis heraus.

Goldpreismodell nach G. Christenson 1971 - 2015

Abb. 1: Goldpreismodell nach G. Christenson 1971 - 2015
(Quelle: Christenson & Müller: "Gold 10.000 Dollar?" Kopp-Verlag 2016)

Seit dem Börsengang von Gold im Jahr 1971 konnte die - geglättete - Goldpreiskurve mit einer Korrelation von 0,98 erstaunlich gut modelliert werden.

In einer mittleren Prognose-Variante gingen wir in einem nächsten in 2015/2016 von folgenden Vorgaben für das Modell aus:

  • - US Staatsschulden steigen um 12% p.a. (in 2020 waren es knapp 20%)

  • - Der S&P 500 fällt auf 800 Punkte (er stieg auf 4.200 Punkte)

  • - Ölpreis steigt auf 110 Dollar (aktuell 75 Dollar)

Bereits mit diesen moderaten Vorgaben errechneten sich Goldpreise > 3.000 Dollar/Unze, s. Abb. 2.

Goldmodell G. Christenson "mittleres Szenario"

Abb.2: Goldmodell G. Christenson "mittleres Szenario"
(Quelle: Christenson & Müller: "Gold 10.000 Dollar?" Kopp-Verlag 2016)

In einer "Blow-Off" Variante errechneten sich Preise > 9.000 Dollar die Unze.

Mit dem sog. "Lighthouse Gold Model" von Eddy Elfenbein existiert ein weiteres Modell, welches sogar auf nur einer einzigen Variablen beruht. Die (zugegebenerweise etwas sperrig zu formulierenden) Regeln des Modelles lauten wie folgt:

  • a) Wenn die realen Zinsen, gemessen durch die amerikanischen 3-Monat Staatsanleihen

    ("T-Bills") minus dem US-Konsumentenpreisindex, unter 2 Prozent liegen, steigt Gold mit einem Faktor von 6,5 zur Differenz zu diesen 2 Prozent.

    Will heißen: Liegen die realen Zinsen bei z. B. 0 Prozent, steigt Gold um 13 Prozent. Liegen Sie bei - 1 Prozent, steigt Gold um 3 x 6,5 = 19,5 Prozent.

  • Umgekehrt b) Liegen die realen Zinsen über 2 Prozent, fällt Gold mit der 5-fache Rate der Differenz zu diesen 2 Prozent.

    Wieder zwei Beispiele: Liegt die reale Verzinsung bei 3 Prozent, fällt Gold um 5 Prozent. Liegt sie bei 4 Prozent, fällt Gold um 10 Prozent.

Auch mit diesen zwei simplen Regeln, konnte der Goldpreis bis zum Hochpunkt 2011 sehr gut modelliert werden, wie die folgende Graphik illustriert.

Goldpreismodell nach Eddy Elfenbein, Lighthouse

Abb. 3: Goldpreismodell nach Eddy Elfenbein, Lighthouse

Gemäß diesem Modell sollte der Goldpreis in unserer heutigen Negativzinswelt bei knapp 12.000 Dollar liegen und nicht nur bei 1.900.

Stellt sich die philosophische Frage: Ist das Modell oder der Goldpreis falsch?

In diesem Zusammenhang werden in der Graphik 2 rechts auch vier sehr interessante Punkte für Erklärungsmodelle genannt.

  • 1. Streuung der Nachfrage nach physischer Ware aufgrund der Gold-ETFs:


    Viele Investoren investieren nicht in physische Ware direkt, sondern gehen den bequemeren Weg der ETFs.

    Die Vorteile aus deren Sicht: Schnelle und ständige Handelbarkeit.

    Die Nachteile, dass man z. B. nicht direkter Eigentümer des Metalles wird (wie z. B. hierzulande bei Inhaberschuldverschreibungen), fallen bei diesen Investoren nicht ins Gewicht, obwohl es am Ende des Tages sehr vermutlich genau darauf ankommen wird: Das Metall im eigenen Eigentum zu halten und ggf. als Sondereigentum abgetrennt bei allfälligen Lager- oder Serviceanbietern.

  • 2. Leasing der Zentralbanken:


    Das Buch "Die Gold-Verschwörung" von Ferdinand Lips aus dem Jahr 2003 zeichnet sehr detailliert die Historie der Leasing-Geschäfte der Zentralbanken nach. Ein nach wie vor spannendes und interessantes Buch, welches mir auf dem Weg zu meinem neuen Weltbild seinerzeit sehr hilfreich war. (Kleine Anekdote am Rande: Ich war/bin so begeistert von dem Buch, dass ich dem Autor persönlich danken wollte und einen Brief verfasste, der an "Ferdinand Lips, Goldexperte, Schweiz" adressiert war und so auch tatsächlich ankam. Seine Tochter meldete sich seinerzeit "im Auftrag" zurück und richtete dankende Grüße aus).

    Kurz gesagt: Das völlig nutzlos rumliegende Gold wurde (wird?) von den Zentralbanken verliehen, um den laufenden Bedarf am Markt zu decken und somit einer physischen Knappheit vorzubeugen und den Preis immer wieder "einzufangen".

  • 3. Preismanipulationen:


    Den statistischen Beweis für die Interventionen an den Edelmetallmärkten führte Dimitri Speck bereits 2010 in seinem sehr guten Buch "Geheime Goldpolitik". Durch die Papiergeschäfte an den führenden bzw. der führenden Warenterminbörsen Comex (New York Commodities Exchange) wird Nachfrage durch Fiat-Papierunzen gedeckt.

    In 2021 zeigen die Statistiken der Comex jedoch, dass immer mehr Marktteilnehmer am Ende eine physische Lieferung wollen, als eine monetäre Zahlung.

  • Auslieferungsmengen an der Comex 2000 - 2021

    Abb. 4: Auslieferungsmengen an der Comex 2000 - 2021
    (Bildquelle: goldbroker.com/news/comex-has-become-physical-gold-delivery-hub-2184)

    Ab einem bestimmten Punkt, ab dem physische Lieferungen nicht mehr dargestellt werden können, sollte man denken, dass sich dieser Markt auflösen wird.

    Vermutlich wird die Comex im Vorfeld bereits neue Regeln erlassen, um dieses eminente Ende hinauszuzögern. Der Analyst Ted Butler schreibt seit Jahrzehnten gegen die Comex-Machenschaften an. Er wird am Ende recht behalten.

  • 4. Dispersion in Krypto-"Währungen":


    Viel vagabundierendes Geld wird durch den Krypto-Hype wie ein Staubsauger angezogen und steht damit für andere Anlageklassen wie die Edelmetalle nicht mehr (bzw. noch nicht) zur Verfügung.

    Beim Thema Kryptowährung scheiden sich die Geister. Selbst Freunde des Sachwertes wie der Autor Marc Friedrich sehen in Kryptos die größte Chance aller Zeiten, während sachlichere Analysten wie z. B. Claus Vogt eher skeptisch gestimmt sind und eine Blase vermuten.

Ich persönlich - sollte jemand an meiner unmaßgeblichen privaten Meinung interessiert sein - neige eher zu letzterem Erklärungsmodell.

Wie Bits und Bytes, wie auch immer gebildet und/oder errechnet, einen nachhaltigen inneren Wert darstellen können sollen, erschließt sich mir nicht. Am Ende werden diese "Währungen" wie unlängst in der Türkei verboten werden.

Wenn man sich die vier genannten Gründe anschaut, kann man in der Tat auf den Gedanken kommen, dass einiges - von wem auch immer - unternommen wurde, um Geld von physischen Edelmetallen fernzuhalten.

Dies führt zur Frage, inwieweit Goldpreise jenseits der 10.000er Marke überhaupt vorstellbar bzw. realistisch wären. Diese Frage kann relativ simpel dadurch beantwortet werden, wenn man sich den Goldpreis in Relation zur umlaufende Geldmenge betrachtet.

Ratio Gold zu M0-Geldbasis in Mrd. Dollar 1918 - heute

Abb. 5: Ratio Gold zu M0-Geldbasis in Mrd. Dollar 1918 - heute
(Quelle: www.macrotrends.net/2485/gold-to-monetary-base-ratio)

In den Jahren 1934 und 1980 stieg diese Relation jeweils bis auf 5 an. Im Augenblick liegt dieser Wert bei ca. 0,31 (1.900$ Unze Gold / 6.042 Milliarden US$ M0-Geldbasis). Dies bedeutet, um einen Goldpreis von 10.000 Dollar/Unze zu erreichen, müsste die Ratio nur auf moderate 1,7 steigen, was geschichtlich betrachtet, wie Abb. 5 zeigt, noch keinesfalls ein Maximum darstellen würde.

6.042 mal 5 würden 30.000 Dollar bedeuten. Ich sage nicht, dass diese Kurse erreicht werden, die dargestellt Ratio sagt uns nur, dass dieses Verhältnis in der Geschichte bereits 2x der Fall war. Und die Zentralbanken dieser Welt hören ja nicht auf, das Wasserrad mit immer neuer Liquidität am rotieren zu halten.

Wie bei so vielen Themen unserer heutigen Zeit, scheinen wir in einer beispiellosen Illusionsblase zu leben. Am Beispiel Covid ist dies mittlerweile besonders deutlich zu sehen.

Bildbeschreibung --> was es zu sehen gibt

Abb. 6: Covid-19 Sterberate Deutschland vs. Schweden
In Schweden Schulen und Geschäfte stets offen, keinerlei Maskenpflicht,
Quelle: twitter.com/SHomburg/status/1398893968272801792

Selbst der Wirtschaftsinformationsdienst Creditreform schreibt in einem aktuellen Newsletter:

"Die vermeintlich positiven Konjunkturdaten dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stabilität nicht aus der Wirtschaft selber kommt, sondern auf die fortdauernde Geldflut der Regierung zurückgeht. Überbrückungshilfen, Kurzarbeitergeld und allerlei Schonfristen wirken, aber der Preis dafür ist hoch und wird erst in der Zukunft (und nach der Bundestagswahl) gezahlt.".

Wehret den Sirenen und lassen Sie sich am Mast Ihres Lebensschiffes festbinden. Kaufen Sie physische Edelmetalle, die sich in Ihrem Eigentum befinden. Es steht sonst zu befürchten, dass Ihnen zumindest ein namhafter Teil Ihrer gesamten Lebensleistung weggenommen wird.

Die Edelmetalle sind nach den hier vorgestellten Zahlen und Modellen noch immer massiv unterbewertet.

Odysseus am Mast seines Schiffes umgeben von Sirenen, Mythologie

Abb. 7: Odysseus am Mast seines Schiffes
Bildquelle: de.wikipedia.org/wiki/Sirene_(Mythologie)
Dr. Jürgen Müller
Einkaufsgemeinschaft für Sachwerte GmbH
www.goldsilber.org
Autor: Dr. Jürgen Müller
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von Noah | 11.06.2021, 22:54 Antworten

Die Geldflut wird uns mitreißen. Besorgt Euch Hühner und Saatgut und legt etwas Gold als Ballast in den Rumpf.
Fasten seat belts, wie oben beschrieben :)

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"