Stand: 09.09.2019 von Jörg Bernhard 6 Kommentare

In den USA hinkt der Absatz von Goldmünzen der starken Entwicklung des Goldpreises eindeutig hinterher. Ähnlich mau auch der Absatz in Australien. Bei deutschen Anlegern dagegen ist das Kaufinteresse an Goldmünzen sehr hoch.

Maue US-Goldmünzenverkäufe im August

So meldete zum Beispiel die US Mint für den Monat August – trotz der rasanten Goldpreisentwicklung – die Auslieferung von lediglich 8.000 Feinunzen Gold in Form von American-Eagles-Goldmünzen.

Zum Vergleich: Im August 2018 betrug die Menge noch 21.500 Unzen. Also ein deftiger Absatzeinbruch von 63 Prozent (siehe Tabelle).

Auch bezogen auf die monatliche Durchschnittsmenge der ausgelieferten American Eagles zeigt sich der August 2019 sehr schwach. Zum Vergleich: In 2018 waren es durchschnittlich 20.500 Feinunzen, die pro Monat ausgeliefert wurden. Umgerechnet also ein Rückgang von 60 Prozent.

Verkäufe von American-Eagles-Münzen in Gold und Silber

Monat Gold Silber
Jan 2018 58.500 3.235.000
Feb 2018 5.500 942.500
Mrz 2018 3.500 915.000
Apr 2018 4.500 915.000
Mai 2018 24.000 380.000
Jun 2018 24.500 435.000
Jul 2018 35.000 885.000
Aug 2018 21.500 1.530.000
Sep 2018 20.500 2.897.500
Okt 2018 24.500 1.430.000
Nov 2018 20.500 1.645.000
Dez 2018 3.000 490.000
Jan 2019 65.500 4.017.500
Feb 2019 13.000 2.057.500
Mrz 2019 11.500 850.000
Apr 2019 10.000 1.196.000
Mai 2019 4.000 866.000
Jun 2019 4.500 1.035.000
Jul 2019 5.500 1.240.000
Aug 2019 8.000 1.007.000

Die australische Perth Mint ist mit Blick auf ihre Goldmünzen Verkäufe im August von einem „Goldrausch“ ebenfalls meilenweit entfernt. Mit 21.766 Feinunzen wurde der Vormonat zwar um 0,8 Prozent übertroffen, im August 2018 verkauften die Australier hingegen mehr als 38.900 Feinunzen. Somit kann man auch hier einen starken Absatzeinbruch in Höhe von 44 Prozent p.a. konstatieren.

Anders bei Silbermünzen. Ein markantes Nachfrageplus meldete die Perth Mint hier. Die Münzprägeanstalt verzeichnete gegenüber dem Vormonat einen Zuwachs von 987.040 auf 1,17 Millionen Unzen (+18,5 Prozent).

Bei der US Mint fiel indes auch der Verkauf von American Silver Eagles eher mau aus. Mit etwas mehr als einer Million Feinunzen wurde der Vormonat um fast 19 Prozent und die durchschnittlichen Monatsverkäufe des Jahres 2018 sogar um 23 Prozent unterschritten.

Gold.de verzeichnet Rekordinteresse an Goldmünzen

In Deutschland befindet sich der Edelmetallhandel gegenwärtig in einer regelrechten Boomphase. Dies zeigen die Auswertungen von Gold.de. Die Nachfrage nach Goldmünzen war im August 2019 auf Jahreshöchststand und damit so hoch wie seit 3 Jahren nicht mehr. Ein ähnlich hohes Interesse an Goldmünzen registrierte das Gold-Vergleichsportal zuletzt zum Jahreswechsel 2016 auf 2017.

Im Juli konnte Gold.de zunächst aufgrund des stark gestiegenen Goldpreis hohes Verkaufsinteresse sowohl bei Altgold als auch bei Anlagegold verzeichnen. Scheinbar nutzten etliche Bürger und Anleger die gestiegenen Kurse, um Ihre Goldmünzen und Barren zu hohen Preisen zu verkaufen. Im August stieg dann das Kaufinteresse auf Rekordhöhen. Die Top 3 der am meisten nachgefragten Goldmünzen waren der 1oz Krügerrand, gefolgt von 1oz Maple Leaf und dem 1/2 Goldeuro. Bei den Goldbarren führte beim Käuferinteresse der 100 Gramm Barren vor dem 1oz und dem 10 Gramm Barren.

Zu beobachten war laut Angaben des Portals auch ein zeitweiser Anstieg der Aufgelder für den Krügerrand. Dies ist meist ein Zeichen dafür, dass der Nachschub für die Händler etwas ins Stocken gerät. Im Ankauf wurde der 1oz Krügerrand teils für mehr als 5 Euro gegenüber dem Spotpreis zurückgekauft.

Der auf Gold.de zu beobachtende Trend wird untermauert von Äußerungen des Edelmetallhändlers pro aurum. In einem Interview war von Gründer und Gesellschafter Robert Hartmann zu vernehmen, dass seit Ende Juli das Kaufinteresse an Goldmünzen und Goldbarren wieder eindeutig überwiege. Ungefähr 90 Prozent der pro-aurum-Kunden seien auf der Käuferseite.

„Wir sehen in allen Niederlassungen so viele Neukunden wie seit sechs Jahren nicht mehr. Der August war ein absoluter Rekordmonat.“ (Robert Hartmann)

Was sind die Gründe? Möglicherweise sind deutsche Anleger besorgter als US-Investoren und verspüren deshalb einen stärkeren Appetit auf physisches Gold in Form von Münzen und Barren. In den ersten September Tagen ist die Kauflaune nach physischem Gold jedenfalls weiterhin hoch, so Gold.de

Ausblick für die laufende Woche

An den Goldmärkten scheint das Schutzbedürfnis der Anleger – und damit auch die Goldnachfrage – weiterhin stark ausgeprägt zu sein. Die jüngsten Gewinnmitnahmen sollten als ganz normale und somit gesunde technische Korrektur angesehen werden.

Am Donnerstag dürften die Marktakteure vor allem die Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi genaustens verfolgen. Man darf gespannt sein, ob der Italiener konkrete Maßnahmen ankündigen oder lediglich „taubenhafte Töne“ von sich geben wird.

Ab November wird ohnehin die Französin Christine Lagarde das Ruder bei der EZB übernehmen. Auch unter ihrer Führung ist mit einem Ende der Nullzinspolitik nicht zu rechnen.

Hierfür spricht auch die Erwartungshaltung, dass die US-Notenbank Fed am 18. September eine erneute Zinssenkung verkünden wird. So zeigt das FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group derzeit eine Wahrscheinlichkeit von über 91 Prozent an, dass es in der nächsten Woche einen Zinsschritt nach unten geben wird.

Deutschen Sparern dürfte diese Entwicklung gar nicht gefallen, Goldbesitzer profitieren hingegen von den geringeren Opportunitätskosten, schließlich fällt der Verzicht auf null Zinsen bzw. Negativzinsen erfahrungsgemäß besonders leicht.

Goldmünzen Absatz: Deutschland Top, USA Flop
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird.
Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Mir ist bekannt, dass beleidigende, diffamierende Kommentare oder Werbung für Dritte nicht erwünscht sind.
Hier finden Sie unsere Datenschutzerklärung.
Kommentare [6]
  • von Mr.Silver | 11.09.2019, 15:19 Antworten

    Da wir der Narrenzirkus der ganzen Welt sind, und unser Wohlstand für Klimaquatsch und sonstigen Zeug geopfert wird, ist der Euro am zerfallen. Ein Short Run auf den Euro wird auch bald noch kommen. Mal sehen wie weit er fallen kann. Gold und Silber ist eine bessere Währung.

  • von Dr. M. Rubensberg | 10.09.2019, 22:26 Antworten

    Guten Abend, die amerikanische Bevölkerung ist eben noch sehr systemtreu und sie verdienen aktuell mit Aktien noch glänzend dazu. Sie glauben dieser Zustand geht ewig weiter und alle (Investierten) werden immer reicher. Dennoch sind auch einige Amerikaner sehr goldafin und sichern sich mit physischen Metallen ab. Es wird sich ja zeigen ob die vorsichten Deutschen oder die weniger vorsichten Amerikaner am Ende die richtige Anlagestrategie verfolgen. Danke für die Berichterstattung.

  • von Hansi | 10.09.2019, 20:27 Antworten

    "Wir sehen in allen Niederlassungen so viele Neukunden"
    Ich frage mich, was hier als "Neukunde" bezeichnet wird? Da werden die meisten keine Daten angeben, also ist fast jeder ein "Neukunde". Wenn die 2000€ Grenze kommt, werden sie wahrscheinlich noch mehr "Neukunden" haben, weil die Leute dann öfter für anonyme Käufe kommen müssen. Mich sieht Pro Aurum jedenfalls im Fall Silber nicht mehr. Da wurde ich bereits vor 2 Jahren mit Milchflecken mit Fingerabdruckcharakter bestraft. Auf spätere Nachfrage hieß es dann, dass Maples mit Milchflecken nur mit Abschlag angekauft werden... ( Wenn ich es darauf angelegt hätte, hätte ich wahrscheinlich sogar den pösen Lageristen ausfindig machen können XD ).
    Und wie ermittelt Gold.de ein "hohes Interesse"? Ich klicke hier auf der Seite zum Vergleich und aus Interesse immer gerne herum, auch besuche ich dann manchmal die Händlerseiten, um die Beschreibung nachzulesen. Käufe generiere ich daraus aber nicht viel oder manchmal über ganz andere Quellen. Auch wer sich das eine oder andere Luxusgut nicht leisten kann, wird sich dennoch dafür interessieren. Hat das dann eine Aussagekraft? Der Händler weis dank verhinderten Referer bei mir immerhin nicht, dass ich von Gold.de komme.

    • von Peter Hörzu | 11.09.2019, 10:22 Antworten

      Sie gehören auch noch zu denen die glauben, unerkannt durchs Internet zu kommen :-)

      • von Hansi | 11.09.2019, 20:15 Antworten

        100% Sicherheit gibt es nie und schaffe ich es auch nicht, weil ich keinen VPN Tunnel verwenden will. Dies ist mir aber immerhin bekannt. Also bis außer die IP (wechselt wöchentlich automatisch) und den Standort meines Einwahlknotens haben die Seiten von mir nur Fakedaten, laufen selbst in Isolierung und verstümmelt (Profiling, Surfverhalten Erfassung extrem erschwert und Skripte laufen nur eingeschränkt). Wenn es wirkliche Datenkraken sind, dann erkennen die, das ich deren Statistik (z.B. Google Analytics) in falsche Bahnen führe und filtern mich aus. Das muss aber öfter am Tag passieren und es ist nicht klar, ob es mehrere Personen sind, denn ich bin nicht der einzige mit diesem Vorgehen.
        Ganz nach dem Motto: Hauptsache ich bin einen Tick besser ausgestattet als mein Nachbar, sodass der Einbrecher die leichtere Wahl trifft.
        Wenn man sich Mühe gibt, kann man auch heute noch viel für den Datenschutz tun :-)
        Ich bleibe dabei, dass die Statistik von Gold.de nicht belastbar ist.
        Des Weiteren ist mir noch eingefallen: Ist es denn auch aussagekräftig, wenn ich einen deutschen Händler nach seinen Kunden frage, und dieser nicht nach deutschen oder ausländischen Kunden differenziert? Dann kann ich doch nicht behaupten, die "deutschen Anleger" sind verstärkt interessiert. Es könnten ja auch Ausländer in Deutschland sein.

    • von ich | 11.09.2019, 00:55 Antworten

      Deswegen habe ich alle meine Münzen gegen Barren getauscht und war froh, als ich die Münzen los war! Verstehe überhaupt nicht warum alle Welt so verrückt nach Münzen ist, da hat man am Ende so viel Ärger und Verluste. Das Argument, man kann Münzen leichter verkaufen weil die Stückelung kleiner ist, ist auch nicht schlüssig, denn bei so einer verschlossenen Master-Box, tja, wieviel Kilo sind das? Dann könnte man argumentieren, dass man dann eben die Tuben raus nimmt, aber wo ist da dann der Vorteil gegenüber einem Barren? Und wenn man jetzt noch argumentiert, die Tube aufzumachen, und die Münzen einzeln verkaufen zu können, ja, dann sehen sie scheiße aus weil Milchflecken und Verluste. Nee nee, ich hole nur noch verschieden große Barren.

Copyright © 2009-2019 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"