Stand: 04.05.2015 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Freundliche Aktienmärkte haben das Interesse an Gold spürbar abklingen lassen. Laut der Researchgesellschaft Thomson Reuters GFMS ging es weltweit mit der Goldnachfrage im ersten Quartal 2015 markant bergab.

Nachfrageeinbruch bei Barren und Münzen

So war bei der physischen Goldnachfrage auf Jahressicht ein Rückgang um 9,2 Prozent von 1.090 auf 990 Tonnen gemeldet worden. Auf der Angebotsseite führte eine leichte Steigerung der Minenproduktion (+1,1 Prozent p.a.) bei gleichzeitigem Rückgang der Sekundärproduktion (-8,3 Prozent) zu einem um 0,6 Prozent rückläufigen Goldangebot. Besonders stark brach das Nachfrageinteresse bei Goldbarren und -münzen ein, wo gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreswert ein Minus von 17,1 Prozent von 285 auf 236 Tonnen zu Buche schlug.

Deutsche Goldnachfrage gestiegen

Besonders interessant: Deutsche Anleger haben sich diesem Trend entzogen und schraubten die deutsche Goldnachfrage bei Barren und Münzen von 22,0 auf 23,0 Tonnen nach oben. Der schwache Euro und die drohende Staatspleite Griechenlands dürften dabei eine wichtige Rolle gespielt haben.

Doch an den internationalen Goldmärkten wird dies allenfalls als Randnotiz wahrgenommen. Kein Wunder, schließlich übertrifft der Goldhunger der insgesamt mehr als zwei Milliarden Chinesen und Inder den Goldappetit der Deutschen um mehr als das siebzehnfache. Im ersten Quartal gingen laut GFMS 43,2 Prozent der globalen Nachfrage auf das Konto von Indien (179,5 Tonnen) und China (246,8 Tonnen). Damit erwies sich das Reich der Mitte - zumindest in den ersten drei Monaten - als weltweit goldhungrigste Nation.

Unter den Notenbanken war im ersten Quartal eine besonders schwache Nachfrage zu beobachten. Diese reduzierte sich im Berichtszeitraum um 27,4 Prozent p.a. von 124 auf 90 Tonnen. Für das laufende Jahr prognostizieren die GFMS-Experten einen durchschnittlichen Goldpreis von 1.170 Dollar und liegen damit unter einer im April durchgeführten Reuters-Umfrage unter 38 Goldanalysten, die im Konsens einen durchschnittlichen Goldpreis von 1.206 Dollar erwarten.

Für 2016 halten die Analysten von GFMS einen durchschnittlichen Goldpreis von 1.250 Dollar wahrscheinlich und übertreffen damit den im Rahmen einer Reuters-Umfrage unter 34 Experten ermittelten Erwartungswert von 1.239 Dollar signifikant.

Goldangebot globalWo landet das globale Goldangebot?

Angst vor höheren Zinsen bremst Gold

Das Wohl und Wehe ist weiterhin relativ stark von den Zinserwartungen der Investoren abhängig. Die Kursentwicklung in der vergangenen Handelswoche hat dies eindrucksvoll bewiesen. Zunächst hofften nämlich die Marktakteure im Zuge schwacher US-Konjunkturdaten, dass die US-Notenbank eher geduldigere Töne anschlagen könnte. Nachdem der Tenor des Fed-Statements diese Erwartungen nicht erfüllte, war sie wieder da - die Angst vor steigenden Zinsen. Weil sich die Fed weiterhin die Option offen hält, die erste Anhebung der US-Leitzinsen seit über neun Jahren bereits im Juni durchzuführen, geriet das gelbe Edelmetall erheblich unter Druck und rutschte wieder unter die Marke von 1.200 Dollar. Da die US-Notenbanker bereits seit Monaten über höhere Leitzinsen reden, darf man durchaus gespannt sein, was an den Finanzmärkten passiert, wenn tatsächlich gehandelt wird. Möglicherweise ist der erste Zinsschritt beim Gold bereits eingepreist. Gegen eine zinsbedingte Verkaufswelle bei Gold sprechen mehrere Aspekte. So zeigt zum Beispiel Griechenland, dass ordentliche Zinszahlung und Schuldentilgung auch in Frage gestellt werden kann.

Laut einer Bloomberg-Umfrage unter Investoren, Analysten und Händlern glaubt mittlerweile eine Mehrheit von 52 Prozent an einen Euro-Austritt ("Grexit ") Griechenlands, während 43 Prozent mit einem Verbleib der Griechen in der Eurozone rechnen. Zur Erinnerung: Im Januar lieferte eine solche Umfrage ein völlig anderes Ergebnis. Damals hielten lediglich 31 Prozent einen "Grexit" für wahrscheinlich, zugleich erwarteten 61 Prozent, dass die Griechen den Euro behalten werden. In unsicheren Zeiten - wie wir sie derzeit wohl zweifellos erleben - dürften Sachwerte wie Gold und Silber mit einem Track-Record von mehreren tausend Jahren wohl eher nicht aus der Mode kommen.

Ausblick für die kommende Woche

In der kommenden Woche dürften die Akteure an den Goldmärkten wieder einmal mit Argusaugen den US-Arbeitsmarkt beobachten. Aus dem Jobsektor muss nämlich eine regelrechte Datenflut überstanden werden. Ab Mittwoch dürfte es diesbezüglich heiß hergehen, schließlich stehen an diesem Tag Monatsberichte von ADP und Gallup zur Bekanntgabe an. Am Donnerstag folgt dann noch der Challenger-Bericht über Stellenstreichungen und die wöchentlichen Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe. Für das höchste Maß an Aufmerksamkeit dürfte allerdings der Freitag angekündigte April-Bericht des US-Arbeitsministeriums sorgen. Laut einer vom Wall Street Journal veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich die Arbeitslosenrate von 5,5 auf 5,4 Prozent reduziert und die Zahl neu geschaffener Stellen von 126.000 auf 220.000 erhöht haben. Bei deutlichen Abweichungen von diesen Prognosen drohen an den Goldmärkten entsprechend deutliche Reaktionen.

Goldnachfrage schwächer im ersten Quartal 2015
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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