Gold: 3.964,10 € -0,23 %
Silber: 79,04 € -1,31 %
Stand: 17.11.2025 von Jörg Bernhard
Laut Daten des World Gold Council wurde in den ersten Monaten des Jahres 2025 unter anderem bei der Barren- und Münznachfrage ein markanter Zuwachs gegenüber den Vorjahren verzeichnet. Anleger sollten dies als Warnung interpretieren.
Goldnachfrage explodiert: Was der globale Kaufrausch bedeutet

Höchste Barren- und Münznachfrage seit 2013

In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres stellte sich bei Goldbarren und -münzen eine Nachfrage von 936,4 Tonnen ein. Damit wurde der vergleichbare Vorjahreswert um 9,5 Prozent übertroffen und der höchste Wert seit 2013 (1.321,1 Tonnen) erzielt.

Zur Erinnerung: 2019 verbuchte dieses Marktsegment von Januar bis September eine Goldnachfrage von lediglich 565,3 Tonnen (siehe Grafik).

Barren- & Münz-Nachfrage in den ersten neun Monaten

Globale Nachfrage bei Barren & Münzen während der ersten neun MonateQuelle: World Gold Council

In diesem Zusammenhang überrascht der Sachverhalt, dass Goldbarren und -münzen robuster nachgefragt wurden als dies bei physisch hinterlegten Gold-ETFs der Fall war. Dort gab es nämlich in den Jahren 2021 bis 2024 stets Abflüsse zu vermelden, die von 244,3 Tonnen (2023) bis 6,4 Tonnen (2024) reichten.

Doch das Interesse an goldenen Barren und Münzen fiel regional stark unterschiedlich aus.

Während bspw. in den USA die diesjährigen Neunmonatszahlen mit 31,9 Tonnen die Vorjahresperiode um mehr als 45 Prozent unterschritten haben, verzeichnete Indien einen Zuwachs um 12,9 Prozent auf 184,4 Tonnen und China sogar ein Plus von 23,9 Prozent auf 313,0 Tonnen.

Besonders interessant: In der Region Europa (ohne Osteuropa) stellte sich im Marktsegment Barren & Münzen gegenüber dem Vorjahr ein regelrechter Kaufrausch um über 91 Prozent auf 84,3 Tonnen und in Deutschland explodierte die Nachfrage sogar um 285 Prozent auf 31,2 Tonnen.

Investoren werden offensichtlich nervöser

Grundsätzlich haben Investoren 2025 verstärkt in Gold investiert. Stark verunsicherte Naturen vertrauten auf physischen Goldbesitz, der frei von Kontrahentenrisiken ist. Andere wiederum favorisierten die kostengünstiger und liquider handelbare ETF-Alternative.

Laut WGC haben sich deren Goldbestände seit dem Jahreswechsel in Nordamerika um 372 auf 1.996,2 Tonnen erhöht, während für Europa (plus 111 auf 1.436,0 Tonnen) und Asien (plus 148 auf 334,2 Tonnen) zumindest mengenmäßig geringere Zuwächse gemeldet wurden.

Dies lässt vor allem einen Schluss zu: In Europa und Asien genießen Goldbarren und Goldmünzen einen höheren Stellenwert als dies in den USA der Fall zu sein scheint. Doch möglicherweise setzte jenseits des Atlantiks nach den Erfahrungen mit dem mittlerweile beendeten Shutdown ein Umdenken ein.

So wies z.B. die nationale Münzprägeanstalt US Mint für den Monat Oktober einen massiven Absatz von American-Eagle Goldmünzen aus. Die an Großhändler abgegebene Goldmenge übertraf mit 21.000 Unzen das Vorquartal (9.000 Feinunzen) um 133 Prozent und das im August registrierte Jahrestief (2.500 Unzen) sogar um 740 Prozent.

Fazit: Wenn Investoren in den kommenden Monaten bzw. Jahren ihren Goldanteil weiter aufstocken, dürfte dies dem Goldpreis höchstwahrscheinlich neue Rekordhochs bescheren.

Einige Banken haben in diesem Jahr in Erwartung dieses Szenarios ihre Goldpreisprognosen besonders stark nach oben revidiert. Auf lange Sicht wurde sogar ein Anstieg auf 10.000 Dollar in Aussicht gestellt.

Ausblick für die laufende Woche

Die jüngste Goldpreisschwäche war vor allem auf die nachlassende Hoffnung auf eine Zinssenkung der US-Notenbank Fed am 10. Dezember zurückzuführen. Nach ihrer Sitzung am 29. Oktober sank die Wahrscheinlichkeit für ein solches Szenario von über 90 auf aktuell lediglich 45 Prozent.

Der Gedanke dahinter: Wenn die Zinsen nicht gesenkt werden, entstehen für Goldbesitzer aufgrund des Zinsverzichts Opportunitätskosten, was die Attraktivität des gelben Edelmetalls reduziert.

Doch diese Annahme sollten Investoren aus folgenden Gründen als Trugschluss interpretieren.
  1. Hohe Renditen deuten laut den Lehren des Kapitalmarktes auch auf ein erhöhtes Risiko hin.
  2. Wachsende Schuldenberge und Haushaltsdefizite gefährden in erster Linie Anleihen und Währungen, während der Substanzwert Gold erfahrungsgemäß davon profitiert. In Anbetracht der Tatsache, dass Ende Januar bereits der nächste Shutdown folgen könnte, dürfte der Besitz von Gold auf lange Sicht deutlich sinnvoller sein als Anleihen oder Aktien, die stets einem Kontrahentenrisiko ausgesetzt sind. In einem Worst-Case-Szenario könnte dieses sogar zu einem Totalverlust führen.
Details zu den Daten, Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.

Profilbild von Jörg Bernhard
Stand: 17.11.2025
geschrieben von:
Freier Wirtschaftsjournalist mit Schwerpunkt Börseninvestments
Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird. Die Netiquette für Kommentare hab ich gelesen. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Unsere Datenschutzerklärung.
von NV | 19.11.2025, 08:53 Uhr Antworten

Danke, interessant. Aber der Goldkurs-Absturz soll durch veränderte Erwartungen der US-Leitzinsen bewirkt worden sein? Das halte ich (zugegebenerweise als Laie) für einen schlechten Witz. Manche behaupten, dass risiko-affine Finanzakteure dringend Cash brauchten und daher Gold verkauften... nun, dass klingt ebenfalls nicht besonders plausibel. Warum, bitteschön, ist es so schwierig diese enormen Kursstürze plausibel zu erklären?

von Peter L Ustig | 17.11.2025, 22:30 Uhr Antworten

Eine Frage drängt sich einem immer mehr auf..."wann platzen letztendlich die Bubbles und wann ziehen die Großinvestoren im Dominoeffekt ihre Investitionen aus dem abstrakten Markt der "Luftschlösser" zurück?

Niemand vermag es vorherzusagen, jedoch kann "gesunder Menschenverstan" hierbei zur Klarsicht nützlich sein sofern vorhanden.

Das "System der Gier" hat sich geschichtlich gesehen auf Dauer nie wirklich und ohne Nebenwirkungen ausgezahlt.
Bekanntlich ist "die Gier" eine der Todsünden,was die Menschheit scheinbar im Laufe der Jahrhunderte verlernt hat zu berücksichtigen.

Ganz dem Spruch entsprechend:
..."Nach mir die Sintflut"
...

Wie wird sich der Geist der Gesellschaft entschieden... für Krieg/Sklaverei/Unterdrückung oder Frieden/Freiheit/Verhandlung über ein "gerechtes Miteinander"
...?

Dies vermag selbst die Glaskugel nicht zu offenbaren. 😉

Copyright © 2009-2026 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inkl. MwSt. (mit Ausnahme von Anlagegold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Stand: 00:15:49 Uhr