Stand: 16.11.2016  0 Kommentare

Die weltweite Nachfrage nach Gold ist laut den „Gold Demand Trends“ des World Gold Council im 3. Quartal 2016 um 10 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gefallen. Der wichtigste Grund für das verhaltene Interesse war der starke Anstieg des Goldpreises. Entsprechend legte auf der Angebotsseite das Volumen beim Goldrecycling deutlich zu, während die Minenproduktion einen Rückgang um 4 Prozent verzeichnete.

Goldnachfrage und Goldangebot: 3. Quartal 2016 im Überblick

(Angaben in Tonnen) Q3 2015 Q3 2016 Veränderung*
Gesamtnachfrage 1.104,8 992,8 -10 %
Goldschmuck 621,6 493,1 -21 %
Technologie 82,8 82,4 -1 %
Investment gesamt 232,4 335,7 44 %
davon Barren und Münzen 295,8 190,1 -36 %
davon ETPs** -64,3 145,6 ***
Zentralbanken 168,0 81,7 -51 %
Gesamtangebot 1.127,2 1.1727 4 %
Goldminen 865,6 831,8 -4 %
Recycling 261,6 340,9 30 %

*gegenüber Q3 2015 **Exchange Traded Products   ***nicht berechenbar Goldnachfrage in einzelnen Bereichen

Goldschmuck

Die weltweite Nachfrage nach Goldschmuck lag im 3. Quartal bei 621,6 Tonnen. Das entspricht einem deutlichen Rückgang um 21 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Für den Großteil des Rückgangs waren China und Indien verantwortlich. Beide Länder vereinen weit über die Hälfte der weltweiten Schmucknachfrage.

In China ging die Nachfrage von 180,6 Tonnen im Vorjahresquartal um 22 Prozent auf 141,5 Tonnen zurück. Neben dem hohen Goldpreis im 3. Quartal sieht der World Gold Council den Rückgang auch in veränderten Vorlieben der chinesischen Konsumenten begründet. Neben traditionellem Goldschmuck aus 24 Karat Gold – in China auch als „Chuk Kam“ bezeichnet – gewinnt Schmuck aus 18 Karat Gold an Popularität. Der Trend wird von den Schmuckherstellern massiv unterstützt, da der geringere Goldanteil höhere Gewinnmargen verspricht.

Der Nachfragerückgang in Indien war in absoluten Zahlen und prozentual noch ausgeprägter als im benachbarten China. Nach 214,1 Tonnen im 3. Quartal 2015 fiel die die Nachfrage von Juli bis September 2016 mit 154,7 Tonnen um 28 Prozent niedriger aus. Hohe Preise bei zugleich stark ausgeprägten Preisschwankungen in der indischen Landeswährung Rupie sorgten insbesondere in den ländlichen Regionen des Landes für Verunsicherung und Kaufzurückhaltung. Hinzu kam eine sinken Entwicklung der Reallöhne im ländlichen Indien.

Den größten Anteil an der sinkenden indischen Nachfrage hatten laut dem World Gold Council allerdings Maßnahmen der indischen Regierung, die von der verbindlichen Punzierung für Goldschmuck bis zu Einfuhrsteuern für das Edelmetall reichen.

In den Staaten des Mittleren Ostens zeigt sich ein ähnliches Bild wie in China und Indien. Die Nachfrage ging hier um 24 Prozent auf 42,1 Tonnen zurück. Vergleichsweise stabil war die Entwicklung mit einem Rückgang um 1 Prozent auf 12,6 Tonnen in Europa und mit einem Rückgang um ebenfalls 1 Prozent auf 26,2 Tonnen in den USA.

Schmucknachfrage: Top 10 Länder im 3. Quartal 2016

Platz Land Schmucknachfrage (t) Veränderung*
1 Indien 154,7 -28 %
2 China 141,5 -22 %
3 USA 26,2 -1 %
4 Saudi-Arabien 12,7 -23 %
5 Iran 11,0 6 %
6 Russland 10.6 -15 %
7 Türkei 9,4 -22 %
8 Indonesien 8,8 -6 %
9 Hong Kong 8,3 -39 %
10 VAE** 7,8 -23 %

*gegenüber Q3 2015 **Vereinigte Arabische Emirate

Technologie

Die Nachfrage aus dem Technologiesektor war mit einem Rückgang um 0,5 Prozent auf 82,4 Tonnen annähernd stabil. Der Nachfrage für elektronische und elektrotechnische Anwendungen ging um 1 Prozent auf 65,1 Tonnen zurück, was in erster Linie auf den geringeren Bedarf an Golddrähten für Leiterplatten in Smartphones zurückzuführen ist.

Der Bedarf an Gold aus der Zahnmedizin setzte seinen langfristigen Abwärtstrend fort und war im 3. Quartal mit 4,4 Tonnen um 6 Prozent rückläufig. In sonstigen Industrien war ein Anstieg um 2 Prozent auf 12,8 Tonnen festzustellen. Wichtigster Treiber waren die gestiegene Nachfrage nach Goldbeschichtungen, vor allem in Indien.

Investment

Die Investmentnachfrage nach Gold war im 3. Quartal klar in eine schwache physische Nachfrage nach Goldbarren und Goldmünzen sowie eine ungewöhnlich starke Nachfrage nach ETPs (börsengehandelten Goldprodukten) wie ETFs (Exchange Traded Funds) und ETCs (Exchange Traded Commodities) festzustellen.

Die physische Nachfrage ging von 295,8 Tonnen im Vorjahresquartal um 36 Prozent auf nur noch 190,1 Tonnen zurück. Bei den ETPs standen Abflüsse von 64,3 Tonnen im Vorjahresquartal starke Zuflüsse von 145,6 Tonnen gegenüber. Daraus ergibt sich ein Anstieg der gesamten Investmentnachfrage um 44 Prozent auf 335,7 Tonnen.

Bei den Zuflüssen in ETPs war eine deutliche Verlagerung des regionalen Schwerpunkts festzustellen. Während nordamerikanische Fonds in fünf der sechs Monate des ersten Halbjahres den Löwenanteil der Zuflüsse stellten, haben seit Juli europäische Produkte klar die Führung übernommen. Ihr Anteil an den Zuflüssen lag bei 78 Prozent gegenüber 33 Prozent im ersten Halbjahr.

Die stärksten prozentualen Zuwächse unter den physisch besicherten Fonds verzeichneten die iShares Physical Gold aus dem Vereinigten Königreich mit einem Anstieg um 433 % auf 59,0 Tonnen. Die Bestände im deutschen ETC Xetra-Gold legten um 85 Prozent auf 109,7 Tonnen zu. Die SPDR Gold Shares aus den USA blieben mit einem Zuwachs um 38 Prozent auf 948,0 hinsichtlich der gehaltenen Goldmenge aber klarer Marktführer und den physisch besicherten Goldprodukten.

Die Nachfrage nach Goldbarren und Goldmünzen war in nahezu allen Märkten rückläufig. In China fiel die Nachfrage um 23 Prozent auf 41 Tonnen, in Indien um 30 Prozent auf 40,1 Tonnen, in Europa um 37 Prozent auf 37,1 Tonnen und in den USA besonders deutlich um 43 Prozent auf 17,4 Tonnen. Lediglich in einem einzigen Land – Pakistan – stieg die Nachfrage nach Barren und Münzen um 7 Prozent auf bescheidene 3,7 Tonnen.

Wie auch beim Goldschmuck ist die Kaufzurückhaltung bei Barren und Münzen auf den hohen Goldpreis im 3. Quartal zurückzuführen. Der Markt wird von Privatanlegern dominiert, die in erster Linie günstige Preise als Kaufgelegenheiten nutzen. Das Gegenteil trifft auf die meist trendfolgend agierenden institutionellen Anleger zu, die den Löwenanteil der Investitionen in börsengehandelte Goldprodukte stellen.

Der im 4. Quartal wieder gefallene Goldpreis bestätigt die beiden gegenläufigen Trends. Das Edelmetall hat sich von seinem Hoch im Juli bei 1.370 Tonnen auf unter 1.230 Dollar im November verbilligt. Die vorübergehende Erwartung anziehender Goldpreise infolge einer Trump-Präsidentschaft in den USA haben sich bisher nicht bestätigt.

Entsprechend rechnet der World Gold Council für das 4. Quartal mit einer deutlichen Abkühlung bei der Nachfrage nach ETPs und einem Rebound bei der Konsumentennachfrage, zu der neben Barren und Münzen auch Goldschmuck gerechnet wird.

Börsengehandeltes Gold: Top 10 Physisch besicherte Gold-ETPs

Platz ETP Land Volumen (t) Veränderung*
1 SPDR Gold Shares USA 948,0 38 %
2 iShares Gold Trust USA 226,7 41 %
3 ETFS Physical Gold Vereinigtes Königreich 150,6 46 %
4 ZKB Gold ETF Schweiz 143,6 8 %
5 Xetra-Gold Deutschland 109,7 85 %
6 Gold Bullion Securities Vereinigtes Königreich 106,8 52 %
7 Source Physical Gold Vereinigtes Königreich 97,0 96 %
8 iShares Physical Gold Vereinigtes Königreich 59,0 433 %
9 Sprott Physical Gold Trust USA 55,0 42 %
10 Central Fund of Canada Kanada 52,0 -1 %
ETPs gesamt 2.335.6 39 %

*gegenüber Q3 2015

Zentralbanken

Die Nettokäufe der Zentralbanken lagen im 3. Quartal bei 81,7 Tonnen, was einem Rückgang um 51 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Mehr als die Hälfte der Zukäufe entfielen auf Russland, das seine Goldreserven in den Monaten Juli bis September um 43 Tonnen erhöhte. Bis zum Jahresende will die Zentralbank des Landes die Bestände um insgesamt 200 Tonnen aufstocken. Auf dem 2. und 3. Platz folgten China mit Zukäufen von 15,2 Tonnen und Kasachstan mit 10 Tonnen.

Voraussichtlich wird sich der seit 2009 anhaltende Trend zu steigenden Goldbeständen der Zentralbanken in absehbarer Zukunft fortsetzen. Einer Umfrage des World Gold Council zufolge gaben 89 Prozent der Zentralbanken an, die Goldbestände in den kommenden drei Jahren entweder zu halten oder zu erhöhen. Nur bei elf Prozent der Zentralbanken sind Veräußerungen des gelben Edelmetalls geplant.

Staatliche Goldreserven: Top 10 im September 2016

Platz Land Goldreserven (t) Goldanteil an Gesamtreserven
1 USA 8.135,5 76 %
2 Deutschland 3.377,9 70 %
3 IWF 2.814,0 k. A.
4 Italien 2.451,8 69 %
5 Frankreich 2.435,8 65 %
6 China 1.838,5 2 %
7 Russland 1.542,7 16 %
8 Schweiz 1.040,0 6 %
9 Japan 765,2 3 %
10 Niederlande 612,5 65 %

Goldangebot

Das Goldangebot lag im 3. Quartal mit 1.172.7 um 4 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Das Angebot an neu gefördertem Minengold war mit einem Rückgang um 0,5 Prozent auf 846.8 Tonnen nahezu unverändert. Dem Anstieg der Goldförderung in Kanada um 1 Tonne und in Indonesien um 6 Tonnen standen ein Rückgang um 6 Tonnen in den USA und um 3 Tonnen in der Mongolei gegenüber.

Der Anstieg des Gesamtangebots ist auf das zunehmende Volumen von recyceltem Gold zurückzuführen. Goldbesitzer nutzen die hohen Preise im 3. Quartal, um sich in großem Umfang von ihren Beständen zu trennen. Nach 261,6 Tonnen Im Vorjahresquartal lag das Angebot an recyceltem Gold im 3. Quartal 2016 bei 340,9 Tonnen, was einem Anstieg um 30 Prozent entspricht.

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