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Stand: 04.05.2026 von Jörg Bernhard
Die aktuellen „Gold Demand Trends“ des World Gold Council für das erste Quartal 2026 zeigen ein gemischtes Bild für den Goldmarkt. Während einige Nachfragebereiche deutlich zulegen, geraten andere spürbar unter Druck. Wie Privatanleger das Zahlenwerk interpretieren sollten.
Goldnachfrage Q1 2026: Investment boomt, Schmuck bricht ein

Ein zentraler Belastungsfaktor bleibt die rückläufige Nachfrageim Schmucksektor(siehe Tabelle). Vor allem die hohen Goldpreise dämpfen die Kauflaune vieler Konsumenten – insbesondere in China (-32 Prozent p.a.). In wichtigen Märkten greifen Käufer seltener zu oder weichen auf leichtere beziehungsweise günstigere Edelmetalle aus.

Dieser Trend ist typisch für Phasen hoher Preise: Schmuck wird weniger als Konsumgut nachgefragt und verliert deshalb an Dynamik.

World Gold Council: Globaler Goldmarkt in Q1 2026

Nachfrage (in Tonnen)Q1 2025Q1 2026Diff. (% p.a.)
Schmuckproduktion434,6335-22,9 %
Schmuckverkauf391,2299,7-23,4 %
Lagerbestände Schmuck43,535,3-18,9 %
Technologie80,481,61,5 %
Elektronik67,169,33,3 %
Andere Industrien11,311-2,7 %
Dentalbranche2,12-4,8 %
Investment563,6535,6-5 %
    Barren & Münzen333,6473,642 %
    Physische Barren265397,750,1 %
    Offizielle Münzen45,9484,6 %
    Medaillen22,727,922,9 %
    ETFs und ähnliche Produkte229,962-73 %
Notenbanken237243,72,8 %
Goldnachfrage (ohne OTC)1315,61195,9-9,1 %
OTC u.a.-110,635,1
Gesamtnachfrage (in Tonnen)1250112312,1 %
Minenproduktion863,6884,72,4 %
Hedging (Preisabsicherung)-7-19,7
Recycling348,53665 %
Gesamtangebot1205,112312,1%
Quelle: World Gold Council

Barren- und Münznachfrage im Plus

Im Gegensatz dazu zeigt sich der Investmentsektor relativ robust. Anleger setzen verstärkt auf Gold als Absicherung gegen Unsicherheiten wie Inflation, geopolitische Spannungen und volatile Finanzmärkte. Besonders gefragt sind klassische Anlageformen wie Goldbarren und Goldmünzen (+42 Prozent p.a.). Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass Gold weiterhin als sicherer Hafen wahrgenommen wird.

Auch der ETF-Sektor trägt zur stabilen Investmentnachfrage bei. Nach schwächeren Phasen (2021 bis 2024) verzeichnen börsengehandelte Goldfonds seit sieben Quartalen in Folge Zuflüsse. Mit plus 62 Tonnen unterschreiten diese ihren vergleichbaren Vorjahreswert allerdings um 73 Prozent. Die gestiegenen Goldbestände sind vor allem auf die Region Asien zurückzuführen. Mit 84 Tonnen wird dort der Rekordwert des Vorquartals (+91 Tonnen) nur knapp verfehlt.

Starke Käufe gibt es auch unter den Notenbanken zu beobachten. Mit 243,7 Tonnen wurde auf Jahressicht ein leichter Zuwachs erzielt.

Der Technologiesektor spielt dagegen nach wie vor eher eine untergeordnete Rolle. Die industrielle Nachfrage nach Gold bleibt stabil, zeigt aber keine größeren Wachstumsimpulse. Für den Gesamtmarkt sowie für den Goldpreis ist dieser Bereich daher weniger entscheidend.

Gesamtnachfrage ohne OTC rückläufig

Trotz der starken Investmentnachfrage ergibt sich unter dem Strich ein Rückgang der Gesamtnachfrage – zumindest wenn außerbörsliche (OTC-)Transaktionen ausgeklammert werden. Die positiven Effekte aus dem Investmentbereich können die schwache Schmucknachfrage nicht vollständig ausgleichen, wenngleich der Markt derzeit stärker von Investoren als von Konsumenten getrieben wird.

Wichtig zu wissen: Auf der Angebotsseite zeigt sich ein nahezu stagnierendes Bild. Mit der Minenproduktion geht es trotz neuer Goldpreisrekorde lediglich leicht nach oben, was auf strukturelle Herausforderungen wie steigende Kosten und begrenzte neue Projekte zurückzuführen ist. Gleichzeitig nimmt das Recycling stärker zu, da hohe Preise Anreize schaffen, Altgold zu verkaufen. Insgesamt gleichen sich diese Effekte weitgehend aus, sodass das Gesamtangebot kaum wächst.

Fazit: Die gestiegene Nachfrage bei Barren und Münzen sowie das anhaltend hohe Interesse von ETF-Investoren und Notenbanken lässt vor allem einen Schluss zu – Die Marktunsicherheit nimmt eher zu als ab.

Ausblick für die laufende Woche

Die Uneinigkeit bei der vergangenen Fed-Sitzung liefert den besten Beweis, dass die aktuelle Marktlage ziemlich besorgniserregend ist. Bei der Abstimmung über die Zinsentscheidung gab es vier Gegenstimmen. Drei US-Notenbanker wollten in dem offiziellen Statement die Aussicht auf Zinssenkungen komplett streichen, weil man eher mit einem künftigen Anheben der Zinssätze rechne. Einer plädierte indes für eine sofortige Zinssenkung. Letztendlich verwies der aus dem Amt scheidende Fed-Chef Jerome Powell, dass man sich mit 8 zu 4 Stimmen für ein Beibehalten des aktuellen Zinsniveaus entschieden habe.

In den kommenden Handelstagen dürfte nun die anstehende Datenflut vom US-Arbeitsmarkt für erhöhte Aufmerksamkeit sorgen. Los geht's am Mittwoch mit dem ADP-Monatsbericht, gefolgt vom Challengerbericht über Stellenstreichungen und den wöchentlichen Erstanträgen auf US-Arbeitslosenhilfe (beide Donnerstag). Am Freitag folgt dann noch der April-Bericht des US-Arbeitsministeriums. Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll die Arbeitslosenrate bei 4,3 Prozent verharren und die Zahl neu geschaffener Stellen von 178.000 auf 60.000 regelrecht eingebrochen sein.

Details zu den Daten, Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.

Angesichts der jüngsten Rekordhochs wichtiger US-Aktienindizes hat man den Eindruck, dass Nachrichten und Aktienkurse derzeit nicht so recht zusammenpassen.

Profilbild von Jörg Bernhard
Stand: 04.05.2026
geschrieben von:
Freier Wirtschaftsjournalist mit Schwerpunkt Börseninvestments

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