Stand: 15.05.2018 von Jörg Bernhard 1 Kommentare

Das im Edelmetallsektor angesehene Analysehaus Thomson Reuters GFMS veröffentlichte in der vergangenen Woche seine jährlich erscheinende Studie „GFMS Gold Survey“ und lieferte einen Ausblick für die Perspektiven des Goldmarktes.

Gold fungiert weiterhin als Absicherungsinstrument

Auf der 85 Seiten starken Studie liefern die GFMS-Analysten umfangreiches Datenmaterial, wie sich die verschiedenen Segmente des Goldmarktes im vergangenen Jahr entwickelt haben (siehe Tabelle).

Gold: Angebot und Nachfrage in den vergangenen zehn Jahren

2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017

globales Angebot:

Minenangebot 2467 t 2651 t 2771 t 2868 t 2882 t 3076 t 3180 t3222 t 3251 t 3247 t
Hedging (Preissicherung) -357 t -234 t -106 t 18 t -40 t -39 t 108 t 21 t 32 t -41 t
Recycling 1388 t 1765 t 1743 t 1698 t 1700 t 1303 t 1159 t 1180 t 1306 t 120 t
insgesamt: 3497 t 4182 t 4407 t 4584 t 4543 t 4340 t 4446 t 4422 t 4590 t 4415 t

globale Nachfrage:

Schmuckbranche 2355 t 1866 t 2083 t 2099 t 2066 t 2726 t 2559 t 2464 t 1953 t 2214 t
Industrie 479 t 426 t 480 t 470 t 432 t 428 t 411 t 376 t 366 t 380 t
Notenbanken -235 t -34 t 77 t 457 t 544 t 409 t 466 t 443 t 269 t 366 t
Barren & Münzen 939 t 866 t 1263 t 1617 t 1407 t 1871 t 1162 t 1160 t 1043 t 1028 t
ETFs und ähnliche Produkte 321 t 623 t 384 t 189 t 279 t -879 t -155 t -117 t 539 t 177 t

Quelle: GFMS Thomson Reuters

Zahlreiche Grafiken und Tabellen bereichern die Studie zweifellos, als besonders interessant erwiesen sich aber vor allem die Analystenprognosen für das laufende Jahr. Mit Blick auf die Perspektiven des Goldpreises erwarten die Experten einen arithmetischen Mittelwert von 1.360 Dollar und halten noch in diesem Jahr einen temporären Kurssprung in Richtung 1.500 Dollar für möglich. Geopolitische Risiken in Zusammenhang mit der Politik Donald Trumps und die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten sowie der ungelöste Brexit werden nach Ansicht der GFMS-Analysten die wichtigsten Triebfedern bleiben.

Auch die relativ hoch bewerteten Aktienmärkte unterstützen die Rolle des Goldpreises als Risikoabsicherung. Für den ETF-Sektor prognostizieren die Analysten einen Anstieg der Nettozuflüsse von 177 auf 350 Tonnen. Bei den Nettokäufen der Notenbanken überwiegt ebenfalls ein optimistischer Tenor. Dank China sollen sich diese per Saldo von 366 auf 400 Tonnen erhöhen. Beim Handel von Goldbarren und Goldmünzen wird – erstmals seit vier Jahren – wieder mit einem Absatzplus gerechnet, wobei der Verkauf von Münzen 2018 eher nachlassen dürfte.

Wegen des steigenden Goldpreises wird im Schmucksektor mit einer um drei Prozent rückläufigen Nachfrage gerechnet. 2017 wurden in diesem Segment 2.214 Tonnen verarbeitet, was einem Anteil von über 55 Prozent an der globalen Goldnachfrage entsprach.

Auf der Angebotsseite dominierten 2017 die negativen Vorzeichen. Bei der Goldminenproduktion gab es einen marginalen Rückgang von 3.251 auf 3.247 Tonnen (-0,1 Prozent) zu vermelden, im Recyclingsektor fiel das Minus 1.306 auf 1.210 Tonnen (-7.4 Prozent) deutlich höher aus.

Bereits einige Monate zuvor hatte das World Gold Council (WGC) seine Zahlen zur Goldnachfrage veröffentlicht. Sie zeigen im Wesentlichen ein ähnliches Bild, auch wenn es im Detail Abweichungen gibt. Grund dürften unterschiedliche Berechnungsmodi sein. Zur Veranschaulichung daher nochmal die WGC Zahlen als Grafik:

Weltweite Goldnachfrage Stand April 2018

Aufteilung weltweite Goldnachfrage nach World Gold Council/WGC

Für das laufende Jahr rechnen die GFMS-Analysten wieder mit einem steigenden Minenangebot. Mit höheren Fördermengen rechnen sie insbesondere in Russland, während für China immerhin eine Stabilisierung in Aussicht gestellt wird. Im vergangenen Jahr hat China mit 426,1 Tonnen weltweit am meisten Gold zu Tage gefördert, während russische Minen mit 270,7 Tonnen auf Platz Drei gelandet sind.

Ausblick für die laufende Woche

In der aktuellen Marktphase buhlen zwei „sichere Häfen“ um die Gunst der Anleger: US-Staatsanleihen und Gold.

Und blickt man auf die Entwicklung wichtiger Aktienmärkte scheint sich der Sachwert Aktie wieder einmal durchzusetzen. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen kämpfen weiterhin mit der „magischen Marke“ von drei Prozent.

Einige Analysten haben diese Hürde als Grenzwert eingestuft, ab der Kapital im großen Stil von Aktien in Anleihen umgeschichtet werden könnte. Blickt man allerdings auf die Kursentwicklung wichtiger Aktienindizes scheint das Vertrauen in die Notenbanken geradezu grenzenlos zu sein.

Die Fed hat seit Dezember 2015 den Leitzins für die weltweit wichtigste Volkswirtschaft um 1,5 Prozentpunkte erhöht. Im Krisenfall könnte sie somit ihr altbewährtes Instrument zur Rettung der Finanzwelt in Form von Zinssenkungen erneut einsetzen.

Bei der EZB sieht die Lage völlig anders aus, schließlich kauft sie (voraussichtlich bis September) Monat für Monat weiterhin Anleihen im Wert von 30 Milliarden Euro auf und verfolgt somit weiterhin eine relativ expansive Geldpolitik.

Die Aussicht, dass die Renditen europäischer Anleihen weiterhin eher mager ausfallen dürften, hat den Euro in den vergangenen Wochen erheblich geschwächt. Gegenüber dem Dollar ist er am 9. Mai sogar auf den tiefsten Stand seit viereinhalb Monaten gefallen. Doch handelt es sich dabei um eine nachhaltige Dollarstärke?

Als Weltleitwährung dürfte die US-Währung eher an Bedeutung verlieren als zulegen. Russen und Chinesen setzen seit Jahren auf eine andere Währung, die Krisenwährung Gold. Die beiden Länder haben zwar große Defizite hinsichtlich demokratischer Grundwerte im eigenen Land, ihre Meinung zum Thema Gold macht unter dem Aspekt der globalen Schuldenexplosion aber durchaus Sinn.

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Goldnachfrage - Studie von GFMS - Reuters jetzt veröffentlicht
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [1]
  • von Dummkopf^2 | 16.05.2018, 18:12 Antworten

    @ Autor: Ist es noch möglich, in der ersten Tabelle wie bei "globales Angebot" auch bei "globale Nachfrage" ganz unten die "insgesamt"-Zeile mit einzublenden? Meine Fähigkeit zum Kopfrechnen ist leider nicht so gut ausgeprägt, dass ich die Werte im Kopf addieren und dann noch untereinander im Verhältnis vergleichen kann ;-) Danke. Aber sonst guter Artikel.

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