Stand: 10.10.2017 von Jörg Bernhard 9 Kommentare

In der vergangenen Woche veröffentlichte der World Gold Council eine aktuelle Studie über den deutschen Goldmarkt der vergangenen zehn Jahre – mit einigen erstaunlichen Erkenntnissen.

Goldappetit in Deutschland wächst

Der internationale Goldminenverband (World Gold Council) attestiert dem deutschen Goldmarkt ein „goldenes Jahrzehnt“ und begründet dies vor allem mit dem deutlich gestiegenen Nachfrageinteresse bei Goldarren, Goldmünzen und physisch besicherten ETCs.

Der Boom begann bereits 2006, also unmittelbar vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers. Danach vervielfachte sich die Nachfrage, wobei ab 2008 stets mehr als 100 Tonnen der oben erwähnten Goldprodukte nachgefragt wurden.

Der vorläufige Höhepunkt wurde mit über 180 Tonnen im vergangenen Jahr erzielt, was vor allem auf den „Kaufrausch“ bei Gold-ETCs zurückzuführen war. Mit dem Ende 2007 erfolgten Marktstart von Xetra-Gold, dem ersten in Deutschland handelbaren physisch besicherten Gold-ETC, kletterte seither deren gehaltene Goldmenge innerhalb von zehn Jahren von null auf 252,1 Tonnen (Q3 2017).

Als Gründe für den Boom im Goldsektor nannten die Goldexperten des World Gold Council natürlich den Beinahe-Kollaps der globalen Finanzsysteme im Herbst 2008, als sich die Bundesregierung aus Angst vor einem Banken-Run genötigt sah, am 5. Oktober 2008 eine Garantie für sämtliche private Bankguthaben auszusprechen.

Auch die im Juli 2012 gehaltene Rede von EZB-Chef Mario Draghi dürfte in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben. Damals erklärte er, dass die EZB alles tun werde, was auch immer nötig sei, um den Euro zu erhalten.

So völlig scheint er den Deutschen die Angst vor einem Scheitern damit allerdings nicht genommen. Die Analysten des World Gold Council führen dies auch auf historische Erfahrungen der Deutschen zurück, schließlich litten sie vor fast 100 Jahren unter einer Hyperinflation und hatten in den vergangenen hundert Jahren acht verschiedene Währungen.

Goldnachfrage pro Kopf höher als in China und Indien

Die allgemeine Skepsis der Deutschen gegenüber Währungen kommt in der Studie in diversen Umfrageergebnissen und Statistiken zum Ausdruck. Besonders interessant war vor allem folgender Sachverhalt: 2016 fiel pro Kopf die Goldnachfrage der Deutschen mit über 1,4 Gramm international am höchsten aus (siehe Grafik), gefolgt von der Türkei (fast 0,9 Gramm), China und den USA (beide ca. 0,65 Gramm), wobei Personen mit hohen Einkommen (27 Prozent) deutlich häufiger zu Gold greifen als die Bezieher niedriger Einkommen (16 Prozent).


Goldnachfrage 2016 nach Ländern


Laut einer Umfrage des Marktforschers Kantar TNS unter über 2.000 deutschen Anleger bekräftigen die Befragten unter anderem folgende Thesen: 

  •  59 % waren der Ansicht, dass Gold auf lange Sicht seinen Wert nicht verlieren  wird.

  •  48 % waren der Meinung, dass man sich mit dem Besitz von Gold auf lange Sicht sicherer fühlen kann.
  •  42 % trauten Gold mehr als Währungen. Dem ist nichts mehr zuzufügen.

Ausblick für die laufende Woche

In Anbetracht der Tatsache, dass die Blue-Chip-Indizes DAX und Dow-Jones in der vergangenen auf neue Allzeithochs geklettert waren, sollte man sich nicht wundern, dass der Krisenschutz etwas vernachlässigt wurde. Aus charttechnischer Sicht sorgt derzeit der Kampf um die 100-Tage-Linie für erhöhte Spannung.

Richtig ungemütlich dürfte es allerdings werden, wenn die langfristige 200-Tage-Linie nachhaltig verletzt wird. Bis dahin heißt es „Abwarten“. Ein anhaltender Abwärtstrend würde allerdings den Timingindikator Relative-Stärke-Index (aktuelle: 46 Prozent) in die überverkaufte Zone abrutschen lassen.

Dies hätte den angenehmen Begleiteffekt, dass die Chance auf ein RSI-Kaufsignal ansteigen würde. Unter fundamentalen Aspekten dürften sich die Akteure in den kommenden Tagen für zwei Events besonders stark interessieren: das Fed-Protokoll und die Inflationszahlen für September.

Laut einer vom Wall Street Journal veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll es in den USA einen kräftigen Inflationsanstieg von 1,9 auf 2,3 Prozent p.a. gegeben haben. Den Blick auf die US-Leitzinsen gerichtet, scheint der nächste Zinsschritt bereits ausgemachte Sache zu sein.

Laut FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group werden wir mit einer Wahrscheinlichkeit von über 93 Prozent Mitte Dezember höhere Leitzinsen als heute sehen.

Goldnachfrage: World Gold Council attestiert Deutschland goldenes Jahrzehnt
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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Kommentare [9]
  • von Erich | 10.10.2017, 13:07 Antworten

    Sachwert Nr.1 sind für mich solide deutsche Aktien,dann folgt Gold.
    World Gold Council ist eine Lobby-Organisation der Goldbergbau Industrie.
    Die Studie hat deshalb für mich keine Bedeutung.

  • von Graf von Henneberg | 10.10.2017, 14:18 Antworten

    Ein Sachwert ist das was man anfassen kann und keine wertmindernde Eigenschaften hat: Edelmetall, Grund und Boden (unbebaut), Wald - mehr gibt es nicht auf dieser Welt.
    Aktien sind bedrucktes Papier und im Ernstfall wertlos.

    • von Der Investor | 10.10.2017, 18:37 Antworten

      Aktien sind Anteile an Unternehmen und haben mir in den letzten 10 Jahren Wertsteigerungen von jährlich 8% gebracht.Im Notfall Verkauf in ein paar Minuten möglich.

      • von Nugget | 10.10.2017, 21:34 Antworten

        Bis negative Nachrichten zu Aktien bei Privatleuten ankommen, ist der größte Schritt der Preisanpassung bereits passiert. Dann geht es darum beim zweiten Anpassungsschritt recht zeitig dabei zu sein.
        Ergo ist der Verlust entsprechend groß, selbst wenn "Verkauf in ein paar Minuten möglich".
        ..Wenn also eine Finanzkrise eintritt ist das Geld, welches man beim schnellen Verkauf der Aktie erhält in der Kaufkraft weit weniger wert als zuvor.. Somit hat man dann weniger Geld als zuvor, und dann besitzt das wenige Geld auch noch eine reduzierte Kaufkraft.

    • von Der Investor | 14.10.2017, 20:22 Antworten

      Grund und Boden ist eine hoch riskante Anlage.Was ist wenn in 10 oder 20 Jahren neben dem schönen Grundstück eine Müllverbrennungsanlage,ein Krematorium oder ähnliches gebaut wird?Ist zwar weit hergeholt aber durchaus möglich.
      Altlasten im Boden und schon ist der Grund und Boden wertlos.
      Wald kaufen ist schwierig bis fast unmöglich.
      Wald muß bewirtschaftet werden,eine rentabele Holzwirtschaft ist ab 70 bis 100 ha möglich,Startpreis ca. 750000€,Rendite unter 5%

  • von Graf von Henneberg | 11.10.2017, 12:14 Antworten

    Man muß immer unterscheiden zwischen echten Werten und Papierwerten, wie Schuldverschreibungen, Aktien usw. Der Notfall bei einer Aktie ist nicht die Kursschwankung, sondern der Umstand, daß der Emmitent aufhört zu existieren (Pleite macht). Dann ist die Aktie wertlos und das Geld wechselt den Besitzer.

    • von Erich | 11.10.2017, 18:05 Antworten

      Zinserhöhungen wird es in den nächsten 10 Jahren nicht geben,vielleicht 1-2%,als Sparer brauche ich zum Inflationsschutz 5% auf mein Festgeld,Tagesgeld,Bausparvertrag uä.Dann kann ich sogenfrei und risikolos alt werden.
      Was soll ich tun?
      Immobilien? Wohne im eigenen schuldenfreien Haus,die Hütte ist für mich wertlos.Vorteil: niemand kann mich hier verteiben.
      Nachteil: kostet Geld für Reparaturen,Verkauf nicht möglich wohne ja darin.
      Zweites Haus kaufen?was ist wenn der Mieter nicht zahlt?welchen Preis kann ich in 20 Jahren erwarten,heute gute Lage später vielleicht neues Asylantenheim daneben.
      Fazit: Zuviel Geld auf eine Karte,Risiko zu hoch.
      Aktien: Breit gestreut in DAX 30 Werte,zb. BASF,Vonovia uä.keine Zockerpapiere,kein ständiges umschichten,
      Ja,zu Aktien,Vorteil: Kein mir bekannter DAX Wert ist je Pleite gegangen,Kursgewinne und Dividenden schützen vor Inflation.
      Risiko: Gier frißt Hirn( vor Jahren Telekom),Ausgleich durch breite Streuung.
      Gold als zweites Standbein ja.
      Silber,nein.Handelsspanne zwischen An- und Verkaufspreis zu groß.Silber müßte um ca. 20% steigen um Einstandspreis zu erhalten.
      Ich rechne in den nächsten 10 Jahren weder mit einer Wirtschaftskrise noch mit einem Krieg in Europa.
      Trotzdem will ich jederzeit kurzfristig, die Möglichkeit haben meine Kapitalanlagen zu Bargeld zu machen,das geht z.Zt. nur mit Aktien und Gold.
      Bei den Aktien unterscheide ich zwischen Spekulanten und Investoren.
      Der Spekulant ist ständig am umschichten,dazu braucht man ein extremes Fachwissen das ich als Kleinanleger nicht habe.
      Ich bin Investor,kaufen und lange halten,5 Jahre, 10 Jahre.
      Kurse im Auge behalten,alle 14 Tage ein Börsenmagazin,auch mal was verkaufen,nicht bei Kursrücksetzern in Panik verfallen.
      Wer das macht hat in den letzten 10 Jahren nach Abzug von Steuern und Inflation eine Rendite von über 5%

      • von Moses | 14.10.2017, 14:50 Antworten

        Ich stimme Ihnen voll zu,gehe aber davon aus daß es zum Jahresende noch nach oben geht und im 1 Quartal 2018 zu einer deutlichen Kurskorrektur kommt.
        Gewinnmitnahmen zum Jahresende sind sicher nicht verkehrt.

  • von blo-rakane | 11.10.2017, 19:24 Antworten

    Wer heute noch propagiert, dass der überhitzte Aktien und Immobilienmarkt ( wegen dem vielen Draghi-Müll-Geld) noch eine lohnenswerte Anlage sei, leidet aus meiner Sicht unter Realitätsverweigerung.
    Wie schon hier G.v.Henneberg. kurz und gut analytisch beschreibt, was ein Sachwert ist und was das bedeutet, ist jedem anzuraten, sein Portfolio an Vermögen hauptsächlich mit Sachwerten zu bestücken.
    Makroökonomisch gesehen, ist Deutschland (Außenhandelsüberschuss 2016 9%) neben einige Nordländer in der Euro-Zone der größte Gewinner (der Rest der Euro-Zone sind die Verlierer). Und wer glaubt, dass die Party immer so weitergeht.....dem ist sowieso nicht zu helfen.
    Und wehe das „Euro-Experiment“ (was aus meiner Sicht , passieren wird) scheitert, dann gehen alle stolzen Besitzer in Deutschland, die ihr Vermögen in „Finanzprodukten&Co. sowie Aktien/Bitcoin..“ angelegt haben, in den Keller zum heulen und bestimmt nicht die ,die ihr Vermögen in reellen Werten abgesichert haben.

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