Stand: 16.07.2019 von Jörg Bernhard 1 Kommentare

In der vergangenen Woche veröffentlichte der World Gold Council aktuelle Daten, die allesamt auf eine starke Goldnachfrage hindeuten. Starkes Interesse ist derzeit im ETF-Sektor sowie unter Notenbanken auszumachen.

Starkes Goldinteresse in Großbritannien

So kletterte im Juni zum Beispiel die weltweite Goldmenge physisch besicherter Gold-ETFs um 127 Tonnen auf 2.548 Tonnen (siehe Tabelle). Dank der starken Goldrally haben sich die dadurch die Assets under Management dieser Wertpapiergattung um 15 Prozent auf 115,4 Milliarden Dollar erhöht, was dem höchsten monatlichen Anstieg seit 2012 entspricht.

Globaler ETF-Markt im Juni 2019

Region Marktwert (in Mrd. USD) Goldmenge Zu-/Abflüsse
Nordamerika 57,2 1262,7 t 64,9 t
Europa 53,6 1.183,8 t 59,1 t
Asien 3,2 70,5 t 2,4 t
Rest der Welt 1,4 31,0 t 0,4 t
Insgesamt 115,4 2.548,0 t 126,7 t
Quelle: World Gold Council

Für mehr als 51 Prozent der globalen Bestandszuwächse war die Region Nordamerika verantwortlich, dicht gefolgt von Europa (47 Prozent). Der Rest verteilt sich auf Asien (1,7 Prozent) und den Rest der Welt (0,3 Prozent). Insgesamt ergeben sich für die ersten sechs Monate des laufenden Jahres per Saldo Zuflüsse in Höhe von 107,5 Tonnen.

Besonders interessant: Innerhalb dieses Zeitraums verzeichneten vor allem drei Gold-ETFs aus Großbritannien die stärkste Nachfrage. Mit 64,9 Prozent ging über 60 Prozent aller Nettozuflüsse auf deren Konto.

Auf Rang 4 und 5 landeten übrigens der in den USA beheimatete iShares Physical Gold Shares (plus 16,7 Tonnen) und Xetra-Gold (plus 13,2 Tonnen).

Dies dürften die Hauptgründe für den Run auf Gold gewesen sein: Brexit-Chaos, geopolitische Risiken sowie der geldpolitische Richtungswechsel der US-Notenbank Fed. 

Notenbanken 2019 in Kauflaune

Apropos Notenbanken: Ein weiteres Update lieferte der World Gold Council in der vergangenen Woche zur Entwicklung der Goldreserven diverser Notenbanken, wobei ein Großteil der Daten auf dem Stand von Ende Mai (Rest April) basierten.

Summa summarum haben sich die Goldbestände der Notenbanken um fast 36 Tonnen erhöht, was gegenüber dem Vormonat einem Rückgang um 27 Prozent entsprach. Seit dem Jahreswechsel übertreffen die Nettokäufe mit 247,3 Tonnen den vergleichbaren Vorjahreswert jedoch um 73 Prozent.

Insgesamt zehn Notenbanken haben im Jahr 2019 ihre Goldreserven mitunter kräftig aufgestockt. Die höchsten Nettokäufe verzeichneten die Zentralbanken von Russland (über 75 Tonnen) China (über 60 Tonnen) und der Türkei (ungefähr 50 Tonnen). Zuflüsse von 20 Tonnen bzw. mehr waren den Zentralbanken von Kasachstan bzw. Usbekistan zugeschrieben worden. Der verbleibende Rest ging auf das Konto von Indien, Ecuador, Katar, Kolumbien und Kirgisien. 

Alles in allem sollte das starke Goldinteresse dieser Notenbanken auch den ganz normalen Anleger sensibilisieren und daran erinnern, dass Geld über null intrinsischen Wert verfügt und lediglich auf dem Vertrauen basiert, Geld in Waren bzw. Dienstleistungen zu tauschen oder als Wertaufbewahrungsmittel zu nutzen.

Der letztgenannten Funktion kann es angesichts negativer Realzinsen (inflationsbereinigte Zinsen) derzeit eher nicht gerecht werden. Möglicherweise funktioniert Gold in diesem Punkt auf lange Sicht besser.

Ausblick für die laufende Woche

Eine regelrechte Flut an chinesischen Konjunkturdaten wurde den Investoren am gestrigen Montag serviert. Besonders hohe Wellen schlugen zum Beispiel das gemeldete BIP-Wachstum der chinesischen Wirtschaft für das zweite Quartal sowie die Juni-Zahlen zur Industrieproduktion bzw. zum Einzelhandel.

Deren Tenor fiel überwiegend positiv aus, schließlich wurden die Prognosen der Analysten übertroffen.

Zusammen mit den „taubenhaften Tönen“ von Fed-Chef Jerome Powell zeigte sich der Goldpreis von der jüngsten Entwicklung sehr stark angetan. Die Wahrscheinlichkeit, dass es Ende Juli zu einer kräftigen Zinssenkung um 50 Basispunkte kommt, hat sich laut FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group innerhalb weniger Tage von etwas mehr als drei Prozent auf aktuell 25 Prozent erhöht, ein Zinsschritt um mindestens 25 Basispunkte scheint aber weiterhin eine ausgemachte Sache zu sein.

Und auch in Europa dürfte nach der angekündigten Ablösung Mario Draghis durch Christine Lagarde die Geldschleusen der EZB zumindest geöffnet bleiben.

Angesichts dieser Perspektiven sollte selbst im Falle einer technischen Korrektur Gold als sicherer Hafen in alles andere als sicheren Zeiten weiterhin erste Wahl bleiben.

Goldnachfrage: World Gold Council liefert beeindruckende Daten
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [1]
  • von dummkopf^2 | 16.07.2019, 15:35 Antworten

    "Rest der Welt (0,3 Prozent)" Zuflüsse an Gold-ETFs! Wenigstens der "Rest der Welt" und Asien ist vernünftig genug und kauft keine Papierzertifikate um "Dividende" zu machen, sondern erwirbt das Gold physisch. Wo wohl das viele gedruckte Geld im Moment reinfließt?

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