Stand: 03.12.2018 von Jörg Bernhard 3 Kommentare

Summa summarum kann man nach elf Monaten bei Gold eine negative Bilanz ziehen, schließlich hat sich der Krisenschutz seit Ende 2017 auf Dollarbasis bislang um sechs Prozent verbilligt. Es gab aber auch Positives zu beobachten.

Dollarstärke bremst den Krisenschutz aus

In den ersten elf Monaten des Jahres 2018 schwankte die Goldpreisentwicklung zwischen 1.162 und 1.366 Dollar bzw. 1.012 und 1.133 Euro (siehe Tabelle). Mit der bislang erzielten Performance entwickelte es sich zwar schlechter als Palladium (+11,4 Prozent), zugleich aber besser als Platin (-14,0 Prozent) bzw. Silber (-16,2 Prozent).

Das bisherige Handelsjahr war von sieben Verlustmonaten gekennzeichnet, die von 0,4 Prozent im April bis 3,5 Prozent im Juni reichten. Viermal verbuchte der Goldpreis einen Monatsgewinn, wobei Zuwächse von 0,1 Prozent (März) bis 3,2 Prozent (Januar) erzielt wurden.

Gold: Erstes Die ersten elf Monate 2018 in Zahlen

am 03.12.2018 Performance 2018 Jahrestief Jahreshoch
Goldpreis in Dollar (Feinunze) 1.227,10 -5,8% 1.162,38 1.366,05
Goldpreis in Euro (Feinunze) 1.080,00 -0,5% 1.012,12 1.132,96
CBOE-Gold-Volatilitätsindex (Prozent) 11,30 3,1% 9,73 15,03
Quelle: Gold.de; cboe.com; Stand: 30.11.2018

Bis dato hat vor allem die negative Korrelation zwischen Gold und Dollar offensichtlich gut funktioniert. Während der Dollarindex, der die US-Währung mit sechs anderen wichtigen Währungen vergleicht, in diesem Jahr um über fünf Prozent angestiegen ist, bekam dies dem Goldpreis gar nicht gut.

Dies lag vor allem daran, dass US-Staatsanleihen wieder signifikant mehr als die Inflationsrate abwerfen. So hat sich zum Beispiel die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen in diesem Jahr von 2,5 auf über drei Prozent erhöht.

Eine andere Wechselwirkung hat indes gar nicht gegriffen: Normalerweise müsste der Goldpreis nämlich von einer markanten Aktienmarktschwäche eigentlich profitieren. Und Letztere lag zweifellos vor, schließlich verbilligte sich der DAX seit dem Jahreswechsel um 13 Prozent und der Euro Stoxx 50 um neun Prozent.

US-Aktien tendierten in den vergangenen beiden Monaten zwar ebenfalls deutlich bergab, befinden sich auf Jahressicht aber weiterhin im Plus. Noch scheinen US-Staatsanleihen und US-Dividendenwerte eine stärkere Anziehungskraft zu haben als zins- und dividendenloses Gold – die Betonung liegt auf noch. Auf lange Sicht dürften steigende Zinsen nicht nur unsolide finanzierten Staaten, sondern auch Ländern zu schaffen machen, deren Bonität noch Bestnoten aufweist.

Krisenschutz überzeugt durch Stabilität

An den Finanzmärkten herrscht mittlerweile ein hohes Maß an Unsicherheit und Nervosität, was sich besonders gut an den von der Terminbörse CBOE entwickelten Volatilitätsindizes ablesen lässt. So ist zum Beispiel der VIX, der das Risiko eines Investments in den S&P-500-Index bemisst, in diesem Jahr von 11,0 auf 18,1 Prozent (+64,0 Prozent) angestiegen.

Die regelrechte Achterbahnfahrt des Ölpreises hat bei dem CBOE-Ölvolatilitätsindex sogar zu einer Vervielfachung von 21,3 auf 56,0 Prozent (+163 Prozent) geführt. Die wachsende Angst an den Rohstoff- und Aktienmärkten ging beim Krisenschutz Gold hingegen nahezu spurlos vorüber. Der Goldvolatilitätsindex hat nämlich 2018 lediglich einen vernachlässigbaren Anstieg von 11,0 auf 11,3 Prozent (+3,0 Prozent) verzeichnet.

Ein „sicherer Hafen“, der vor allem durch eine geringe Kursschwankungsintensität und ein hohes Maß an Stabilität auffällt, dürfte einer extrem verunsicherten Finanzwelt wohl mehr Argumente zum Kauf als zum Verkauf liefern.

Ausblick für die laufende Woche

Dem G20-Treffen war vor allem wegen der erhofften Annäherung im Handelsstreit zwischen den USA und China im Vorfeld eine hohe Bedeutung beigemessen worden. Mit dem verkündeten Waffenstillstand haben die „Streithähne“ nun 90 Tage Zeit, eine endgültige Einigung zu erzielen. In den kommenden Wochen dürften die Anleger die weitere Entwicklung des Handelskonflikt deshalb mit Argusaugen verfolgen.

Für eine generelle Entwarnung scheint aufgrund der Unberechenbarkeit des US-Präsidenten die Zeit noch nicht gekommen zu sein. Für erhöhte Aufmerksamkeit sollte ab Mittwoch dann die anstehende Datenflut vom US-Arbeitsmarkt sorgen.

Besonders spannend dürfte es in diesem Zusammenhang am Freitag werden, wenn das US-Arbeitsministerium seinen Bericht zur Lage am Arbeitsmarkt im November veröffentlicht. Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll die Arbeitslosenquote bei 3,7 Prozent verharren und die Zahl neu geschaffener Stellen gegenüber dem Vormonat von 250.000 auf 200.000 gesunken sein.

Goldpreis 2018: Bilanz nach elf Monaten
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [3]
  • von FM47 | 05.12.2018, 10:24 Antworten

    Hallo,

    mal Ball flachhalten hier ... aber interessant wird es werden, wenn die FED den Leitzins irgendwann wieder senken muss wegen Konjunkturabkühlung, dann wird das Geld abgehen nach Norden!

  • von Onki | 04.12.2018, 23:25 Antworten

    ....... dann werde ich mal paar Kilo verkaufen.

  • von Karin Mosebacher | 04.12.2018, 22:46 Antworten

    Haltet euch fest zum Jahresende erleben wir den Goldwahnsinn

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