Stand: 23.10.2018 von Jörg Bernhard 8 Kommentare

Seit Wochen herrschte an der Terminbörse Comex hinsichtlich Gold-Future unter großen Terminspekulanten eine extrem negative Stimmung. Doch nun kündigt sich möglicherweise ein massiver Stimmungsumschwung an.

Hoffnung auf Short-Squeeze wächst

An den Terminmärkten werden bekanntlich erheblich höhere Goldmengen als an den Kassamärkten gehandelt – allerdings lediglich auf dem Papier und nicht in physischer Form. Über Futures & Optionen wird somit der Goldpreis besonders stark beeinflusst.

Zur Erinnerung: Ein Gold-Future bewegt den Gegenwert von 100 Feinunzen Gold (aktueller Wert: 123.000 Dollar  Stand: 22.10.2018). Wer einen Gold-Kontrakt kauft (verkauft), würde also bei einem Goldpreisanstieg um zehn Dollar um 1.000 Dollar reicher (ärmer) werden.

Um wetten zu dürfen, muss man aber eine bestimmte Sicherheitsleistung (Margin) hinterlegen. Läuft der Goldpreis jedoch massiv in die „falsche“ Richtung, muss man weiteres Kapital nachschießen. Bleibt dies aus, kann die Position „zwangsliquidiert“ werden.

Fazit: Hier geht es weniger um Krisen-, Vermögens- oder Inflationsschutz, sondern vor allem Spekulationen mit dem Charakter einer Wette (siehe Tabelle).

Fakten zum Handel von Gold-Futures an der Commodity Exchange

Kontraktgröße:

100 Feinunzen

Handelszeit (USA; Central Time):So (17.00 Uhr) bis Fr (16.00 Uhr)
Anzahl offener Kontrakte (Open Interest):472.903 (19.10.2018)
Umsatz Gold-Futures:192.180 (19.10.2018)
Sicherheitsleistung pro Kontrakt (Margin):3.400 USD
Quelle: CME Group

Die Geschehnisse an den Terminmärkten sollten dennoch mit Argusaugen beobachtet werden. So informiert zum Beispiel einmal pro Woche die US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) über die aktuelle Stimmung an der Comex.

In dem sogenannten Commitments of Traders-Report (CoT) werden die long und short positionierten Futures der wichtigsten Gruppen von Marktakteuren aufgeführt. Dabei handelt es sich um Player aus der Goldbranche (Commercials) sowie Großspekulanten (Non-Commercials) und Kleinspekulanten (Non-Reportables).

In diesem Jahr war eines besonders auffällig: Unter großen Terminspekulanten war eine enorme Verkaufswelle zu beobachten. Gemessen daran kann man dem Goldpreis fast schon relative Stärke attestieren.

Großspekulanten sind wieder optimistischer

So hat sich seit dem 23. Januar die Netto-Long-Position (mehrheitlich optimistisch gestimmt) großer Spekulanten in Höhe von 214.000 Futures komplett in Luft aufgelöst und bis zum 9. Oktober in eine Netto-Short-Position (mehrheitlich pessimistisch gestimmt) von minus 38.000 Kontrakte verwandelt.

Damit rutschte die Zahl long positionierte Futures auf den niedrigsten Stand seit Februar 2016 ab, während das Short-Engagement mit fast 218.000 Kontrakten sogar den höchsten Wert seit August 2008 darstellte, als die US-Investmentbank Lehman Brothersnoch zahlungsfähig war.

Der massive Stimmungsumschwung von Januar bis Oktober war von einer Reduktion der Long-Seite um 126.000 Kontrakte und einem Zuwachs der Short-Seite um fast 127.000 Futures verursacht worden.

In dem am Freitag veröffentlichten aktuellen CoT-Report gab es erste Entspannungssignale zu vermelden. Die miese Laune unter den Großspekulanten hat nämlich komplett gedreht. Auf Wochensicht hat sich deren Netto-Short-Position in Höhe von minus 38.200 Kontrakte in eine Netto-Long-Position von plus 17.700 Futures verwandelt. Sollte der Goldpreis weiter bergauf tendieren, könnte es zu einem sogenannten Short-Squeeze kommen.

Das heißt: Die Pessimisten werden zur Begrenzung von Verlusten gezwungen, ihre Short-Positionen wieder aufzulösen. 

Dem Goldpreis müsste dies dann in deutlich höhere Regionen verhelfen.

Ausblick für die laufende Woche

Statistisch betrachtet, gilt in den USA und Deutschland zwar der September als saisonal schwächster Monat für Aktien, in diesem Jahr entwickelte sich aber bislang der Oktober relativ enttäuschend. Dies hat dem Goldpreis nach einer mehrmonatigen Talfahrt zumindest ein bisschen auf die Beine geholfen.

Doch so richtig hat die dem gelben Edelmetall nachgesagte negative Korrelation zur Anlageklasse Aktien bislang noch nicht gegriffen. Offensichtlich machen sich die Börsianer trotz der jüngsten technischen Korrektur keine größeren Sorgen bezüglich der weiteren Perspektiven von Aktien.

In Europa sorgt man sich nicht nur um geopolitische Krisenherde und die künftige Entwicklung des Welthandels, sondern auch um den drohenden ungeordneten Brexit und die Schuldentragfähigkeit Italiens.

Am Donnerstag dürfte dieses Thema auf der EZB-Presskonferenz nach der Zinsentscheidung der Notenbanker ebenfalls behandelt werden. Der aus Italien stammende EZB-Chef Mario Draghi sollte dieses Problem besonders gut einschätzen können. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass er ohne Befangenheit dessen Lösung begleiten kann.

Goldpreis: An den Terminmärkten dreht die Stimmung
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [8]
  • von Goldmann | 25.10.2018, 11:25 Antworten

    Mein Händler sagt..Goldgranulat zum Barrengiessen werde bereits knapp.

    • von Ein Schelm | 26.10.2018, 13:54 Antworten

      Einige nehmen schon Blei und Wolfram als Ersatz.

    • von Gisela Buchenfink | 25.10.2018, 18:52 Antworten

      Die Leute reden viel wenn der Tag lang ist ...

      • von Ernst Breitenberger | 25.10.2018, 19:48 Antworten

        Ich konnte wegen Lieferenpässe nicht das bestellte Volumen erhalten musste auf einen schweizer Lieferanten umsteigen

  • von Heinz Dannemann | 24.10.2018, 12:38 Antworten

    Mit Gold werden wir in den nächsten Monaten richtig was erleben , Hände weg vom Euro!

  • von Fritzthecat | 23.10.2018, 18:37 Antworten

    Ende letzten Jahres wetteten einige auf folgende Option: Goldpreisanstieg bis Ende diesen Jahres auf mindestens 3.000 Dollar/ Feinunze. Unterlegt ist diese Option angeblich mit 1,5 Mio. Unzen Gold oder umgerechnet oder rund 1,6 Mrd. Euro
    Will hier einer die Wette gewinnen, so sollte sich der Goldpreisanstieg aber sputen.
    Was insgesamt davon zu halten ist, darf jeder für sich entscheiden.

    • von Edeltraut Frauenberger | 26.10.2018, 12:18 Antworten

      Dieses Jahr werden 2000 $ locker erreicht

    • von Klaus Saletzki | 25.10.2018, 19:51 Antworten

      Der Euro wird unter 1$ fallen

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