Stand: 08.01.2019 von Jörg Bernhard 10 Kommentare

Deutlich rückläufige US-Renditen und US-Aktienkurse haben dem Krisenschutz Gold zum Jahresauftakt einen freundlichen Start ins neue Handelsjahr beschert. Die Marke von 1.300 Dollar blieb bislang aber unberührt.

Kaufargumente für Gold en masse

Bei den Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen gab es innerhalb von weniger als zwei Monaten einen Rutsch von 3,23 auf 2,67 Prozent zu beobachten. Im selben Zeitraum stürzte der Dow-Jones-Index in der Spitze um 17 Prozent ab (siehe Chart), beides verstärkte das Anlegerinteresse an Gold als Vermögensschutz deutlich.

Dies lässt sich derzeit besonders gut an den gelagerten Goldmengen des weltgrößten Gold-ETFs SPDR Gold Shares ablesen. Diese haben sich nämlich innerhalb von zwei Monaten von 755,23 auf aktuell 798,25 Tonnen (+5,7 Prozent) erhöht, was den höchsten Wert seit Ende Juli darstellt.

Dow-Jones / US-Renditen im 3 Monats - Vergleich

An den Terminmärkten dürften die spekulativen Marktakteure bei Gold-Futures verstärkt zugegriffen haben. Über das konkrete Ausmaß kann aber nur gerätselt werden, da die aktuellsten Daten des Commitments of Traders-Report vom 18. Dezember stammen und somit ziemlich veraltet sind. Wegen der US-Haushaltssperre musste nämlich der wöchentliche Stimmungsbericht der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission bereits zum zweiten Mal in Folge entfallen.

Regierungsbehörden können ihre Mitarbeiter nicht bezahlen, weil US-Präsident Donald Trump für den geplanten Mauerbau an der Grenze zu Mexiko 5,6 Milliarden Dollar fordert und der von der Opposition dominierten US-Kongress diese Gelder nicht bewilligen will.

Trump drohte am Freitag mit einem Stillstand der Regierungsgeschäfte für Monate oder Jahre. Außerdem drohte er zudem, die Mauer auch ohne Zustimmung des Kongresses zu bauen, schließlich könne er einen nationalen Notstand wegen der Sicherheit des Landes verhängen.

Haushaltsstreit, Handelsstreit und labile Aktienmärkte – Kaufargumente für Gold sind derzeit reichlich vorhanden.

Risiken bleiben 2019 relativ hoch

Auch in Europa sieht die Lage ähnlich unsicher aus. Die Schuldenpolitik Italiens und der drohende ungeordnete Brexit lassen ein Goldinvestment derzeit ausgesprochen sinnvoll erscheinen.

Sollten bei der vom 23. bis 26. Mai stattfindenden Wahl des Europa-Parlaments europafeindliche Kräfte gestärkt werden, könnte dies beim Goldpreis für zusätzlichen Rückenwind sorgen.

Der Goldhandel wird angesichts von täglichen Umsätzen von über 100 Milliarden Dollar pro Tag für verunsichertes Kapital mehr und mehr zu einer interessanten Anlagealternative. Vor allem bei den Schuldenbergen in Billionenhöhe sollten sich Investoren stets vor Augen halten, dass Papiergeld keinen Sachwert darstellt, sondern ausschließlich auf Vertrauen basiert.

Vertrauen darauf, dass man es zum Beispiel auch in Zukunft gegen Waren und Dienstleistungen eintauschen kann bzw. Regierungen verantwortungsvoll damit umgehen. Bei Letztgenanntem dürften viele derzeit erhebliche Zweifel haben.

Ausblick für die laufende Woche

In den kommenden Handelstagen wird sich zeigen, ob sich die am Freitag von Fed-Chef Jerome Powell verteilten „verbalen Beruhigungspillen“ weiterhin positiv auf die Gemüter der Anleger auswirken werden.

Falls es sich dabei allerdings um ein „Strohfeuer“ handeln und an den internationalen Aktienmärkten wieder die „Bären“ das Ruder übernehmen sollten, wird es richtig spannend. Während die US-Notenbanker nach neun Zinserhöhungen in Folge durchaus über geldpolitische Munition verfügen, erscheinen die Instrumente der Europäischen Zentralbank zur Unterstützung der Wirtschaft begrenzt.

Zinssenkungen sind nicht mehr möglich und ein neues Kaufprogramm für Anleihen dürfte an den Finanzmärkten keinen sonderlich starken Jubel auslösen. Wichtige Konjunkturnachrichten dürften daher in den nächsten Tagen mit Argusaugen verfolgt werden.

So werden zum Beispiel am Montag und Dienstag Chinesen und US-Amerikaner über ihren Handelsstreit verhandeln. Am Mittwoch stehen zudem aktuelle Zahlen zur chinesischen Inflationsentwicklung auf der Agenda. Außerdem sollen am Freitag die Autoverkäufe im Reich der Mitte kommuniziert werden.

Zur Erinnerung: Im November war ein Minus in Höhe von 13,9 Prozent p.a. gemeldet worden, was insbesondere bei deutschen Autoherstellern und Autozulieferern die Talfahrt verstärkte.

Grundsätzlich gilt: Je größer die Konjunkturzweifel, desto größer das Interesse an Gold.

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Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [10]
  • von bling bling | 08.01.2019, 21:15 Antworten

    ich bin für ein autonomes girokonto: dieses manövriert sich selbständig aus jeder finanzkrise. p.s. die oma weiß sicher noch wie man mit essensmarken umgeht. und sind 1000 reichsmark nicht auch gleichzusetzen mit bargeldabschaffung?

  • von Goldsammler | 08.01.2019, 08:53 Antworten

    Das Gebet eines Analysten!
    Lieber Gott, lass mir morgen wieder eine gute Analyse einfallen....
    Und verzeihe mir die von heute!

  • von Sinn | 08.01.2019, 08:50 Antworten

    Bargeld wird früher oder später abgeschafft; spätestens dann, wenn die weltlichen Schuldenberge ins Tal der Tränen versinken, um digital abgelöst zu werden. Von daher kauft Gold und Silber, solange ihr noch könnt, denn es wird vor der Sperre noch durch die Decke gehen!

    • von Fritzthecat | 08.01.2019, 10:20 Antworten

      Was heißt früher oder später? Wohl eher später, denn so einfach ist die Bargeldabschaffung nicht. Diese muss weltweit gleichzeitig stattfinden (was -Gott sei dank-so gut wie unmöglich ist).
      Wollen sie einer 80 Jährigen noch die Kartenzahlung beibringen? Wobei dies noch das kleinste Problem darstellt.
      Sollte beispielsweise der Euro abgeschafft werden, so weicht man ganz einfach auf eine andere Währung aus und schon ist das Problem gelöst.
      Die Bargeldabschaffung ist ein Wunschdenken sämtlicher Banken, nur haben Diese noch keine Idee, wie sich so etwas umsetzen lässt.

      • von goldliese | 08.01.2019, 13:52 Antworten

        Völliger Unsinn = Bargeld müsse weltweit gleichzeitig abgeschafft werden.

        • von Fritzthecat | 08.01.2019, 14:59 Antworten

          Bitte um eine angemessene Argumentation und nicht nur um eine Beleidigung. Danke!

          • von aderlass | 08.01.2019, 17:17 Antworten

            Versuche mal in Schweden mit Bargeld zu bezahlen. =) Da ist Bargeld mittlerweile die absolute Ausnahme.

            Und warum sollte das Weltweit passieren müssen?

            Es ist doch schon im Gange.

            • von Fritzthecat | 08.01.2019, 17:39 Antworten

              Natürlich haben Sie mit Schweden und manch anderen Ländern recht. Nur gibt es dort, wie überall das Recht Bargeld abzuheben und ausserhalb der Bank zu deponieren (oder eben auch ins Ausland zu bringen). Nur bei einer absoluten Bargeldabschaffung (eben weltweit)wäre dies nicht mehr möglich.
              Ein bundesweites Bargeldverbot würde insofern nicht ausreichen, da Guthabenbesitzer natürlich in Länder oder Währungen ausserhalb des Landes oder der Währung Ihr Kapital transferieren würden, um einer möglichen Enteignung zu entgehen.

      • von jCash | 08.01.2019, 13:23 Antworten

        Vielleicht mal nach Schweden schauen... Oder auch Venezuela...

        • von Fritzthecat | 08.01.2019, 13:55 Antworten

          Gebe ich Ihnen Recht. Jedoch besteht zwischen Bargeldeinschränkung und Abschaffung (Verbot) ein Riesenschritt.

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